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Deutschlands Pendlerhauptstadt : Täglich 10 Millionen Kilometer nach Frankfurt

Verkehrschaos: Täglich strömen rund 400.000 Pendler nach Frankfurt. Bild: Victor Hedwig

Jeden Tag reisen rund 400.000 Menschen nach Frankfurt und machen die Stadt damit zur Pendlerhauptstadt Deutschland. Das hat auch Folgen für die umliegenden Gebiete.

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          Um das Ausmaß der Menschenströme zu erahnen, die sich täglich nach Frankfurt hinein und wieder heraus bewegen, muss man kein Statistiker sein. Es reicht, sich zur Rushhour an die Miquelallee zu stellen und die schier endlosen Autokolonnen zu bestaunen. Oder man setzt sich in einen der überfüllten Züge, die Arbeitnehmer in die Mainmetropole befördern. Wer jedoch Genaueres über die Pendlerströme, deren Ursachen und Auswirkungen wissen will, für den lohnt sich ein Blick in die „Statistischen Berichte 2019“, die der für Kommunalstatistik zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU) in dieser Woche vorgestellt hat. Ein Kapitel ist der „Pendelmetropole Frankfurt am Main“ gewidmet.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das rund 750.000 Einwohner zählende Frankfurt wird an Werktagen zur Millionenstadt. Von den insgesamt etwa 400.000 Berufspendlern kommen die allermeisten nach Frankfurt zur Arbeit, weniger als ein Viertel fährt aus der Stadt zum Job in anderen Kommunen. Zusammengenommen legen die Pendler an jedem Arbeitstag rund 20 Millionen Kilometer Luftlinie zurück, je Person und Weg im Durchschnitt 24,2 Kilometer. Diese Werte beziehen sich auf eine Erhebung von 2015, dürften seither aber noch gestiegen sein. Im Verhältnis zu seiner Größe ist Frankfurt die deutsche Pendelhauptstadt. „Nur geringfügig mehr Beschäftigte pendeln in das deutlich größere München und selbst nach Berlin und Hamburg pendeln weniger Beschäftigte ein als nach Frankfurt“, heißt es in den „Statistischen Berichten 2019“.

          Mobilität und Wohnwunsch

          Die Statistiker der Stadt referieren nicht nur Zahlen, sondern stellen auch Zusammenhänge her. Die Hauptursache des starken Pendelaufkommens ist demnach – abgesehen von der guten Verkehrsanbindung – in der Kombination von attraktiven Jobs und hohen Wohnkosten zu sehen. Frankfurt bietet viele und gut bezahlte Stellen, aber eine Wohnung oder ein Haus in der Stadt können oder wollen sich viele nicht leisten. Mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 4350 Euro je Quadratmeter waren Eigentumswohnungen im dritten Quartal 2018 teurer als in jeder anderen deutschen Großstadt bis auf München.

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          Wohnen in Frankfurt : Was kann ich mir leisten? Bild: F.A.Z.

          Mobilität und Wohnwunsch stünden in engem Zusammenhang, sagt Schneider. „Entscheidend ist dabei, an welchem Punkt die Kosten des Pendelns die Einsparungen durch günstigeres Wohnen übersteigen.“ Dazu ein Beispiel aus den Statistischen Berichten: In den Umland-Gemeinden reichte die Spanne der Neuvertragsmieten 2018 von 86,2 Prozent des Frankfurter Niveaus in Bad Homburg bis zu 42 Prozent in Birstein. Der Preisvorteil in Bad Homburg dürfte durch die Pendelkosten in etwa kompensiert werden, während größere Differenzen die Trennung von Wohn- und Arbeitsort begünstigen, selbst bei einer weiten Fahrt wie aus Birstein am nordöstlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises.

          Die intensivsten Pendelverflechtungen bestehen jedoch mit den direkt angrenzenden Gemeinden. Aus den unmittelbaren Nachbarkommunen fahren – von Rüsselsheim abgesehen – mehr als 20 Prozent der Erwerbsfähigen nach Frankfurt zur Arbeit. Aus Bad Vilbel pendeln sogar mehr als ein Drittel täglich nach Frankfurt. Die in absoluter Zahl meisten Pendler kommen aus Offenbach. Etwa jeder vierte erwerbsfähige Offenbacher, also rund 20.500 Menschen, arbeitet in der Nachbarstadt.

          Tausende Pendler aus den Nachbarstädten

          Aber auch aus dem 28 Kilometer Luftlinie entfernten Wiesbaden kommen immer noch täglich fast 13.700 Menschen, was in etwa jedem dreizehnten dort wohnenden Erwerbstätigen entspricht. In Hanau sind es gut 14 Prozent, also 8000 Erwerbstätige, die zur Arbeit ins 20 Kilometer Luftlinie entfernte Frankfurt fahren. Die am höchsten frequentierte Pendelstrecke über eine Landesgrenze hinaus verläuft zwischen Frankfurt und Mainz. Aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kommen täglich etwa 8600 Arbeitnehmer in die Mainmetropole.

          Zwar fahren auch Frankfurter ins Umland zur Arbeit, doch weit weniger als umgekehrt. Lediglich Eschborn und – in deutlich geringerem Maß – Sulzbach haben ein positives Pendlersaldo. Fast 9000 Frankfurter fahren täglich nach Eschborn, das sind etwa 5000 mehr als umgekehrt.

          Betrachtet man die überregionalen Pendelbeziehungen, dann spielen Hauptverkehrsachsen wie Autobahnen und ICE-Strecken eine wichtige Rolle. So pendeln mehr als 2200 Mannheimer und rund 1500 Limburger nach Frankfurt. Das bleibt nicht folgenlos: Bei den Staus liegt Frankfurt unter den deutschen Städten auf Rang acht. Durchschnittlich brauchen Autofahrer 26Prozent länger für Wege mit dem Start- oder Zielort Frankfurt als bei dauerhaft freiem Verkehrsfluss. Morgens benötigen Pendler sogar 54 Prozent mehr Zeit, abends 51 Prozent und in der Spitze – an Donnerstagabenden um 17Uhr – sogar 62 Prozent länger.

          Die Statistischen Berichte sind abzurufen unter www.frankfurt.de/statistische_berichte.

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