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Helmut Schwan (hs.)

Eintracht Frankfurt : Dankbar für Geisterspiele

  • -Aktualisiert am

Leeres Stadion: Schon die Europacup-Partie der Eintracht Frankfurt gegen den FC Basel hat ohne Zuschauer stattgefunden. Bild: dpa

Die Fortsetzung der Bundesliga wäre nicht möglich, wenn die Mitarbeiter der Gesundheitsämter nicht unter großem Einsatz versucht hätten, dem Virus und seinen Infektionsketten auf die Spur zu kommen. Sie gehören zu den vielen stillen Helden der Pandemie.

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          Noch keine zwei Monate ist es her, als im Frankfurter Gesundheitsamt an einem Mittwoch in der Früh helle Aufregung herrschte. Am nächsten Tag stand das Europaleague-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Basel an. Dezernent Majer und sein Team hatten bis tief in die Nacht gemeinsam mit Eintracht-Vorstand Hellmann ein Konzept ausgearbeitet, wie das trotz der düsteren Corona-Wolke am Horizont noch mit Zuschauern klappen könnte. Am Abend jenes 11. März war dann schon alles Makulatur: Sozialminister Klose kassierte die Pläne ein und ordnete ein Geisterspiel an. Das endete als Debakel für die Eintracht: null zu drei.

          Die Frage, wer schuld war, ist noch längst nicht geklärt. Der hessische Minister musste jedenfalls die Verantwortung nicht mehr übernehmen, ein bundesweites Zuschauerverbot folgte prompt. Ohnehin versuchte Berlin in den folgenden Wochen, im Kampf gegen das Virus das Kommando an sich zu reißen. Das klappte anfangs sehr gut. Die Ministerpräsidenten waren bereit, gemeinsam mit der Kanzlerin eine möglichst einheitliche Linie zu fahren.

          Die Corona-Welle ist in den vergangenen Wochen einmal um die Erdkugel geschwappt. In Deutschland haben sich einige Kurven, insbesondere jene, welche die Zahlen der Neuinfektionen abbilden, abgeflacht. Die ursprüngliche Strategie der Politiker, je geschlossener man von den Menschen verlange, zum Schutz der eigenen Gesundheit und der anderer Freiheiten und Gewohnheiten aufzugeben, desto eher könne man sie überzeugen, ist darüber aufgeweicht und schließlich aufgegeben worden.

          Nun soll, weil es so viele regionale Unterschiede gebe, jeweils im Bundesland, im Kreis oder sogar in den Städten entschieden werden, welche Restriktionen nötig und welche Lockerungen womöglich wieder zurückzunehmen seien. Ob daraus Konzepte entstehen, die ein wenig das Gefühl von Normalität zurückgeben, bleibt abzuwarten.

          Jedenfalls wäre ein solcher Strategiewechsel nicht möglich gewesen, wenn die Mitarbeiter der Gesundheitsämter in den vergangenen Wochen nicht unter großem Einsatz versucht hätten, dem Virus und seinen Infektionsketten auf die Spur zu kommen. Diese Scouts gehören auch zu den vielen stillen Helden der Pandemie.

          Corona lehrt, demütig und dankbar zu sein. Geisterspiele gelten mittlerweile als erster Schritt zurück zur Liberalität. Ob die Eintracht noch eine Chance auf Wiedergutmachung gegen Basel bekommt, steht allerdings in den Sternen.

          Helmut Schwan
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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