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Elektro-Tretroller : Roller mit Risiko

Wenn künftig noch E-Scooter auf Gehwegen stehen und auf Straßen und Radwegen in Frankfurt fahren, sind Konflikte programmiert. Bild: dpa

Wenn elektrisch betriebene Tretroller in den nächsten Tage in die Städte kommen, birgt dies nicht nur eine Chance. Die Folgen für die öffentliche Ordnung sind unsicher.

          Die Versprechen der Anbieter klingen verlockend, die Hoffnungen der Politiker sind groß. Können elektrisch betriebene Tretroller die Mobilität in den Großstädten revolutionieren? Wenn in den nächsten Tagen die ersten Anbieter von Leih-Rollern Hunderte dieser Kleinfahrzeuge in der Stadt verteilen, sollte man ihnen eine Chance geben.

          Denn zweifellos könnten die Roller für die letzten Meter vom Büro oder von der eigenen Wohnung zur S- oder U-Bahn-Station eine bequeme Alternative zum Laufen sein und damit womöglich den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr erleichtern. Für das stark vom innerstädtischen Verkehr belastete Frankfurt wäre das ein Gewinn.

          Neue Regeln für friedliches Miteinander

          Doch dieser Chance stehen auch Risiken gegenüber. Denn der Platz in Städten ist limitiert. In den vergangenen Jahren ist Frankfurt enorm gewachsen, die Fläche für die ebenso gestiegene Zahl an Autofahrern, Radlern und Fußgängern ist aber gleich geblieben. Wenn künftig noch E-Scooter auf Gehwegen stehen und auf Straßen und Radwegen fahren, sind Konflikte programmiert.

          Ein friedliches Miteinander bedarf deshalb neuer Regeln. Wenn sich E-Scooter tatsächlich als Geschäftsmodell durchsetzen – das ist längst nicht ausgemacht –, sollten das Verkehrspolitiker zum Anlass nehmen, ihnen auch ausreichend Platz auf Straßen zu verschaffen, den sie sich nicht mit Autos teilen müssen. So könnte bald der Ruf nach breiteren Radwegen erschallen, wenn dort auch E-Scooter unterwegs sein werden.

          Zudem muss sich die Verwaltung die Frage stellen, wie Tausende von Tretrollern das Stadtbild verändern werden. In Hamburg und München etwa will man die Zahl der Roller begrenzen und das Abstellen an prominenten Orten verbieten. Allerdings sind diesem Eingriff in die Strategien der Anbieter von Leih-Rollern Grenzen gesetzt. Umso wichtiger ist, von Anfang an mit allen Herstellern das Gespräch zu suchen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Frankfurt nicht in kürzester Zeit von E-Scootern zugestellt wird, die zudem noch jeden Abend von Transportern eingesammelt und am nächsten Morgen wieder ausgefahren werden müssen, was ihren ökologischen Mehrwert enorm begrenzt.

          So unsicher die Folgen der E-Scooter für die öffentliche Ordnung sind, sicher ist: Das Thema wird die Frankfurter noch ausgiebig beschäftigen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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