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Ausbau der U5 in Frankfurt : Bomben bremsen Bauarbeiten

Einschneidend: die Grube für die neue U-Bahn-Strecke auf der Europaallee Bild: Daniel Vogl

Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 ins Europaviertel kommt die Stadt Frankfurt teurer zu stehen als gedacht. Das hat eine Reihe von Gründen.

          Der Bombenkrieg zeigt noch heute Wirkung. Die Planer der teils unterirdisch, teils oberirdisch verlaufenden Stadtbahn-Strecke ins Europaviertel haben zwar gewusst, dass der ehemalige Güterbahnhof gegen Ende des Zweiten Weltkriegs heftig bombardiert wurde. Doch mit so vielen Kampfmitteln, wie der Räumdienst bisher tatsächlich entdeckt hat, rechnete niemand. Mit der Suche nach Bomben und alter Munition sei man das ganze vergangene Jahr über beschäftigt gewesen, berichtete gestern Ingo Kühn, der technische Geschäftsführer einer eigens für den Bau der Strecke gegründeten VGF-Tochter.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Folgen kommen die Stadt teuer zu stehen: Die Bauzeit der Strecke verlängert sich um zwei Jahre. Erst 2024 soll der erste Zug der U5 auf der neuen Linie fahren. Sie wird unterirdisch vom Hauptbahnhof bis zum Güterplatz und danach von der Emser Brücke an oberirdisch bis zur Station Wohnpark verlaufen – mit einem kürzeren Zwischentunnel unter dem Europagarten. Allein die Verzögerung schlägt nach der von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gestern vorgestellten Kalkulation der Zusatzkosten mit etwa 45 Millionen Euro an Baukosten und Baunebenkosten zu Buche.

          Kosten in Höhe von 374 Millionen Euro

          In der Bau- und Finanzierungsvorlage, der die Stadtverordneten 2015 zugestimmt haben, war noch von Gesamtkosten von 281 Millionen Euro die Rede. Jetzt rechnet man bei der Stadtbahngesellschaft mit 374 Millionen Euro. Die Fördermittel des Bundes und des Landes fallen zudem um neun Millionen Euro geringer aus, als damals erwartet wurde. Denn Berlin und Wiesbaden sind nicht bereit, den Tunnel unter dem Europagarten mitzufinanzieren. Das sei, so die Begründung, ein Luxus, den die Stadt selbst bezahlen müsse.

          In der damaligen Vorlage wurden einige Risiken genannt: zum Beispiel die Inflation und höher ausfallende Ergebnisse bei den Ausschreibungen. Doch waren diese Risiken nicht mit Zahlen versehen. Nun wurden sie monetär bewertet, und das Ergebnis lautet: 17 Millionen Euro mehr wegen der inflationsbedingten Preissteigerungen; zwei Millionen zusätzlich für schadstoffbelastete Böden und Wässer, zwei Millionen wegen des schlechten Baugrunds und zwei Millionen wegen strenger Wasserauflagen des Regierungspräsidiums Darmstadt.

          Künftig keine unterirdischen Strecken mehr

          Zu den nicht vorhergesehenen Kosten zählen außer den erwähnten 45 Millionen Euro Mehrausgaben wegen der Bauzeitverlängerung zehn Millionen zusätzlich für Kampfmittelsondierung und der genannte Ausfall von neun Millionen an Fördermitteln. Dazu listete die Gesellschaft noch Risiken auf, die sich schlechtestenfalls auf weitere sieben Millionen Euro belaufen.

          Verkehrsdezernent Oesterling wird die Stadtverordneten bitten müssen, das Geld zur Begleichung der Mehrkosten von insgesamt 101 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen: 84,4 Millionen als Anteil der Stadt und 16,6 Millionen als Anteil der VGF. Die Konsequenz heißt für ihn, dass bei künftigen Projekten die Risiken in Euro und Cent in die Kalkulation einberechnet werden müssen.

          Zudem steht für den Stadtrat angesichts der immensen Kosten für die Linie ins Europaviertel fest, dass künftig keine unterirdischen Strecken mehr gebaut werden können, sehe man einmal vom Lückenschluss der D-Strecke zwischen Bockenheim und Ginnheim ab. Neue Stadtteile müssten fürderhin mit einer Straßenbahnlinie an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Denn eine Tram sei nicht nur viel schneller zu verwirklichen, sondern auch billiger als eine U-Bahn.

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