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Muss das so aussehen? : Denn die im Dunkeln sieht man nicht

Zwischen Bretzenheim und Stadion: Die Brücke über die Koblenzer Straße erhellt keine einzige Lampe. Bild: Marcus Kaufhold

Der Weg ins Mainzer Stadion ist auch gut sieben Jahre nach der Eröffnung unbeleuchtet. Das sorgt immer wieder für Durcheinander vor und nach den Spielen.

          Mehr als 20.000 Straßenlaternen stehen über ganz Mainz verstreut am Wegesrand und auf Plätzen, um all jenen heimzuleuchten, die bis spät in die Nacht hinein unterwegs sind. Zum Beispiel, weil sie wie am vergangenen Freitag die abendliche Klatsche des FSV Mainz 05 gegen Leverkusen im Stadion am Europakreisel besucht haben und somit fast schon vor den Stadttoren waren.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Macht man sich allerdings von Bretzenheim aus auf den Weg zum grünen Rasen, der vor bald acht Jahren inmitten fruchtbarer Äcker gepflanzt wurde, kommen einem spätestens am Ostergraben auf der zirka 400 Meter langen Strecke vom Friedhof bis zum über die Koblenzer Straße führenden Rad- und Fußweg Johann Wolfgang von Goethes angeblich letzte Worte in den Sinn. „Mehr Licht!“ Denn das wäre an dieser Stelle der Stadt nicht nur schön, sondern zwingend geboten.

          Schatten auf der Straße

          Allzumal die neu geschaffene Mainzelbahn an der Haltestelle „Hildegard-von-Bingen-Straße“ bis zum Anpfiff im Minutentakt weitere Fußballfans auswirft, die sich sogleich als zusätzliche Schatten auf der Straße mit all den anderen zum Stadion strebenden dunklen Gestalten vermischen. Eine Handvoll Straßenlaternen würden vermutlich reichen, um die Gefahrenstelle – inklusive des unbeschrankten Übergangs über die Gleise der Tram – merklich zu entschärfen und zudem die im Winterhalbjahr ohnehin nur schwer durchschaubare Friedhofsumgebung etwas zu erhellen. Laut Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) hat sich der Ortsbeirat ebenfalls schon für mehr Licht an dieser Stelle des Stadtteils ausgesprochen. Warum daraus nichts geworden ist, liegt bis heute im Dunkeln. Zwei zusätzliche Leuchten könnte man sich noch dazu unmittelbar vor dem städtischen Wertstoffhof vorstellen.

          Machbar sei das alles, sagte auf Anfrage ein Sprecher der Stadtwerke, die im Auftrag der Kommune für die Mainzer Straßenbeleuchtung verantwortlich sind. Vorausgesetzt, es seien entsprechende Versorgungsleitungen im Untergrund vorhanden – und es werde gewünscht.

          Verein ist nicht zuständig

          Ob dies der Fall ist und warum die Fußballfans, so sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad von Bretzenheim aus ins Stadion gelangen möchten, noch immer auf jedwede Form von Beleuchtung verzichten müssen, vermochte bei der Stadt bis gestern niemand zu beantworten; auch nicht im Baudezernat, das sich offiziell um die „öffentliche Beleuchtung“ kümmert.

          Bei Mainz 05 hieß es, dass der Verein zwar für Fan-Anregungen aller Art offen, im konkreten Fall jedoch nicht zuständig sei. Klagen über die zur Arena führenden Wege habe es in jüngster Zeit eigentlich keine mehr gegeben. Vor vier Jahren waren die nach jedem stärkeren Regen unter Wasser stehenden und oft genug durch die Feldarbeit der Landwirte zusätzlich verdreckten Wirtschaftswege dagegen über Wochen hinweg das Thema in der Stadt.

          „Komplexe Interessenlagen“

          Der Tatsache, dass das 60 Millionen Euro teure Stadion seinerzeit mitten in die Ackerlandschaft gepflanzt, dabei aber auf den Bau neuer und im Idealfall eben auch breiterer Zuwege verzichtet wurde, sorgt bis heute immer wieder für Durcheinander vor und nach den Spielen: wenn sich Fußgänger, Radfahrer und Landwirte in den Feldern am Europakreisel weitgehend ungeordnet begegnen. Mit Piktogrammen gekennzeichnete Radwege sucht man ebenso vergeblich wie den einen oder anderen Mülleimer.

          Zwar ist es nachvollziehbar, dass Stadt und Verein wegen 17 Heimspielen in der Saison nicht dauerhaft das ganze Ackerland rund um die Arena ausleuchten wollen. Fest installierte Laternen an den Wirtschaftswegen, für die es übrigens eine eigene Gestaltungssatzung gibt, könnten nach Angaben des von „komplexen Interessenlagen“ sprechenden Vereins zudem die Arbeit mit den großen Feldmaschinen erschweren. An besonders finsteren Ecken, wie der ja eigentlich noch zum Wohngebiet gehörenden Straße zwischen Friedhof und Wertstoffhof, wäre ein bisschen mehr Licht allerdings schon angebracht. Man muss nicht darauf warten, dass erst etwas passiert. Ein bisschen Erleuchtung täte gut.

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