https://www.faz.net/-gzg-9wi56

Muss Valentinstag sein? : Herz aus Hackfleisch

Kitschiger Konsum: Es gibt gute Gründe, den Valentinstag abzulehnen. Bild: dpa

Es ist Valentinstag! Wenn Sie sich aber gegen Kitsch und Konsum entschieden haben und sich vielleicht deswegen schuldig fühlen, haben wir die Entwarnung: Sie haben sich völlig richtig entschieden.

          2 Min.

          Schauen Sie mal nach links oben. Oder, wenn Sie online lesen, nach rechts unten auf den Bildschirm. Was steht da? Richtig: Freitag, 14. Februar 2020. Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebe und der Liebenden. Wenn Ihnen jetzt das Blut in den Kopf und der Schweiß auf die Stirn schießt, weil sie für Ihren Herzensmenschen weder Rosen noch Pralinen besorgt haben – seien Sie beruhigt. Sie haben sich völlig korrekt verhalten. Denn der Valentinstag ist ein Konstrukt der kapitalistischen Popkultur, ein Zeichen einer von heteronormativen und patriarchalen Vorstellungen geprägten unterdrückenden Gesellschaft.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jetzt fragen Sie vielleicht, wie wir auf so etwas kommen. Das hat uns die Frankfurter Gruppe von Fridays for Future mitgeteilt. Die klimabewegten Schüler*innen finden den Valentinstag nämlich nicht nur blöd oder überflüssig, sie „verurteilen“ ihn als „Ausdruck des Konsum- und Kommerzialisierungswahnes, der für die Klimakrise und die globale Ungleichheit mitverantwortlich und symptomatisch ist“.

          Als Kronzeugen für den Zusammenhang zwischen männlichem Chauvinismus und Treibhauseffekt führt Fridays for Future Donald Trump und Jair Bolsonaro an. Der amerikanische und der brasilianische Präsident seien nämlich nicht nur die aktuell größten Widersacher der Klimagerechtigkeit, sondern auch die schlimmsten Feinde der Frauenbewegung. Da ist schon etwas dran: Wir kennen jedenfalls keine Frau, die sich freuen würde, wenn ihr Donald Trump eine Rose ans Bett brächte.

          Was sich alles in Herzform pressen lässt

          Wobei gegen Blumen, sofern aus fairem Handel, gar nichts einzuwenden ist. Jedenfalls sind Rosen besser als der ganze andere Quatsch, der zum Valentinstag so unter die Leute gebracht wird. Man glaubt ja gar nicht, was sich alles in Herzform pressen lässt. Der Discounter im Frankfurter Nordend schafft es zum Beispiel mit Mozzarella, Macarons und einem Gourmet-Sushi-Herzen. Wenn die Liebste nach Verzehr dieser aphrodisischen Delikatessen noch nicht in Stimmung ist, empfehlen wir zum Nachtisch einen Sechser-Pack Back-Käse-Herzen mit extra knuspriger Panade.

          Wobei der Discounter unseres Vertrauens auch Rezepte parat hat, nach denen man ein Valentinstags-Gericht selbst zaubern kann, zum Beispiel eine „Bolognese de l’amour“ mit einem leckeren Hackfleischherzen in der Mitte – Zubereitungszeit 30 Minuten, Schwierigkeitsgrad mittel. Das hört sich nicht nur ein bisschen eklig an, das sieht auch so aus und bringt uns wieder auf Jair Bolsonaro. Der würde zum Candlelight-Dinner wahrscheinlich ein Rinderherz auftischen, das er auch nicht mehr extra in Form bringen müsste.

          Da nehmen wir uns doch lieber jenen unverbesserlichen Romantiker und Sparfuchs zum Vorbild, der am Donnerstag auf Twitter verkündete, er werde zum Valentinstag keine Rosen, sondern Zeit verschenken. „Sie ist zwar auch vergänglich, trägt aber keine Dornen.“ Wohl wahr. Und falls der Lebensabschnittspartner angesichts unseres dornenlosen Zeit-Präsents nicht hinwegschmelzen sollte: Der Verweis auf die Klimaneutralität sollte sein übriges tun.

          Weitere Themen

          „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“ Video-Seite öffnen

          Ökumenischer Kirchentag : „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“

          Die Deutschen leben in einem reichen Land, das Milliarden Euro mobilisieren kann, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bekämpfen. Und dennoch sind viele Menschen arm. Ein Gespräch zwischen Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär der Caritas, und Joachim Rock, Abteilungsleiter im Paritätischen Gesamtverband. Aus der Gesprächsreihe „Schaut hin- zum Ökumenischen Kirchentag 2021“.

          Topmeldungen

          Karfreitag in Corona-Zeiten : Zeit für informierte Nächstenliebe

          Die Kirchen sind offen, doch Gottesdienste finden nicht statt. Das Christentum hat in der Corona-Krise aber nicht ausgedient. Die Pandemie entlarvt nur den selbstbezogenen Nähe-Kult, zu dem die Nächstenliebe gemacht worden ist.
          CSU-Chef Markus Söder

          Kanzlerfrage bei der Union : Söder überholt Merz

          Bayerns Ministerpräsident hat unter potentiellen Kanzlerkandidaten der Union inzwischen mit Abstand den größten Zuspruch. Friedrich Merz und Armin Laschet sind laut einer Umfrage weit abgeschlagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.