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Frankfurter Wahrzeichen : Warum es den EZB-Neubau beinahe nicht gegeben hätte

Beinahe ungebaut: 2008 gab es Überlegungen in der EZB, auf das weitgehend fertiggeplante Projekt im Ostend zu verzichten. Bild: dpa

Der Neubau der Europäischen Zentralbank auf dem Areal der Frankfurter Großmarkthalle wäre beinahe nicht gebaut worden. Im Jahr 2008 dachte die Führung der EZB stattdessen über eine ganz andere Lösung nach.

          Praktisch jedes Großprojekt macht schwierige Phasen durch, in denen seine Verwirklichung in Frage steht. Das galt auch, wie jetzt bekanntgeworden ist, für den Neubau der Europäischen Zentralbank auf dem Areal der Großmarkthalle. In der Führung der EZB hat es offenbar im Jahr 2008 Überlegungen gegeben, auf die Errichtung des markanten Doppelturms zu verzichten. Damals erwog die Notenbank – namentlich Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi –, stattdessen in den geplanten 228-Meter-Turm „Max“ im Bankenviertel zu ziehen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Das hat Holger Hagge am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Immobilienunternehmens Von Poll berichtet. Hagge, heute Geschäftsführer von Winx Immobilien, war damals bei der Deutschen Bank Global Head of Building Development. Der „Max“ war ein Projekt der Deutschen Bank, im Jahr 2000 hatte sich der deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn in einem großen Wettbewerb durchgesetzt. Doch mangels Nachfrage wurde das Vorhaben immer wieder aufgeschoben.

          Im Jahr 2000 hatte Helmut Jahn den Wettbewerb um den „Max“ mit einem gerundeten Entwurf gewonnen.

          Hagge berichtete, dass er im September 2008 nach Chicago flog, um dort mit Jahn zu prüfen, ob dessen Entwurf auf die Bedürfnisse der EZB zugeschnitten werden konnte. Mehrere Tage lang überarbeitete ein kleines Team unter strenger Geheimhaltung den Turm.

          Das Abschlusskolloquium fand, so berichtete Hagge, im sogenannten Dome des Jewelers’ Building statt, einem Raum mit Rundblick über Chicago. In ihm hat sich einst der Stratosphere Club befunden, welcher der Legende nach von Al Capone betrieben wurde.

          Obwohl Jahn das Raumprogramm der EZB erfüllen konnte, wurden die Pläne nicht weiterverfolgt. Die EZB hielt am Standort Großmarkthalle fest, und 2010 wurde mit dem Bau des Turms begonnen, der heute ein nicht wegzudenkender Teil des Stadtbildes ist. Und statt des Max entsteht jetzt das Projekt „Four“.

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