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Luise Glaser-Lotz (lu.)

„Islam uff Hessisch“ : Das Gespräch suchen

Mit der Aktion «Islam uff hessisch» der Stadt Maintal will man Menschen rund um das Thema Islam informieren. Bild: dpa

Das Projekt „Islam uff Hessisch“, das mit Informationen auf Bierdeckeln Interesse wecken wollte, ist zumindest in Maintal kein Erfolg. Es ist aber auch keine Katastrophe. Jetzt hilft reden, reden und nochmals reden.

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          Rumms! Da hat es gewaltig gescheppert zwischen dem Maintaler Rathaus und dem Ausländerbeirat. Wie konnte das passieren? Beide Seiten sind aktiv um ein Miteinander zwischen den Kulturen und den Religionen bemüht. Aber das funktioniert nicht immer. Noch fehlt es wohl gelegentlich am Verständnis für die Handlungsweisen und Befindlichkeiten des jeweils anderen.

          Im vorliegenden Fall kann man jede Seite ein gutes Stück weit verstehen. Die Integrationsbeauftragte wollte mit dem Projekt „Islam uff Hessisch“ auf spielerische und humorvolle Weise den Besuchern von Kneipen und Cafés den Islam, den manche hierzulande als Bedrohung empfinden, in Mundart nahebringen. Ein heikles Unterfangen, zumal die Verwendung von Bier- oder Getränkedeckeln, oder wie immer man die Untersetzer nennen mag, ein zusätzliches Risiko darstellt. Doch die Verwaltungsvertreterin fühlte sich auf der sicheren Seite, schließlich ist eine solche Aktion andernorts reibungslos gelaufen, und die Texte wurden vom Zentralrat der Muslime gutgeheißen. Außerdem wohnte ein Mitglied des Ausländerbeirats laut Protokoll der Sitzung des Stadtverordnetenausschusses bei, in der das Projekt besprochen wurde.

          Proteste sind nicht verwunderlich

          Also, alles richtig gemacht? Offensichtlich nicht ganz. Eigentlich ist es verwunderlich, dass es nicht schon an anderen Projekt-Orten zu Protesten gekommen ist. Die Bierdeckelaktion führt das Thema in ein Umfeld, das strenggläubigen Anhängern des Islams nicht nur fremd, sondern wegen des Alkoholausschanks suspekt erscheint. Zwar sind sie nicht die Zielgruppe, doch geht es sie etwas an, denn es handelt sich um ihre Religion, da bleibt nicht nur bei ihnen weniger Raum für Gelassenheit.

          Die hessischen Texte sind für diejenigen, die keine deutschen Muttersprachler sind, zudem kaum zu verstehen. Das fällt schon manchem Einheimischen schwer. Wer weiß denn auf Anhieb, was mit „Wuzzeflaasch“ gemeint ist? Dass Muslime den abgedruckten Bembel weniger als regionales Symbol denn als ein Sinnbild für Alkohol werten würden, war ebenfalls ein Fallstrick der Aktion, den man vielleicht hätte erkennen können.

          Das Projekt „Islam uff Hessisch“ ist zumindest in Maintal kein Erfolg. Es ist aber auch keine Katastrophe. Die Stadt wollte, wenn auch auf ungewöhnliche Weise, etwas für die Verständigung der Religionen tun. Das erkennt der Ausländerbeirat an. Die Stadt habe es gut gemeint, sagt denn auch sein Vorsitzender. Das Tischtuch ist nicht durchschnitten. Jetzt hilft reden, reden und nochmals reden. Beide Seiten sollten sich zusammensetzen und nach einer Lösung suchen. Und über die umstrittene Frage nachdenken, ob und wie die Muslime in die Projektplanung eingebunden waren oder was hätte besser gemacht werden können. Aus den Missverständnissen lernen, heißt es jetzt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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