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Warten auf den Auswärtssieg : Die Sorgen der Eintracht

Auf der Suche nach Lösungen: Trainer Armin Veh. Bild: dapd

Die hohe Stadionmiete bringt den Klub in Bedrängnis. Dicke Luft nach der Sitzung des Aufsichtsrats. Sportlich warten die Frankfurter seit Anfang November auf einen Auswärtssieg.

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          Widersprüchlicher könnte die Situation kaum sein. Im Aufstiegswettstreit liegt Armin Veh mit seinem Team vor dem Anstoß in Rostock an diesem Sonntag (13.30 Uhr) als Tabellenzweiter auf Kurs. Doch die Perspektiven über den Augenblick hinaus sind trotzdem nicht die besten. Vor allem wirtschaftlich - und das kann dem Trainer als Hauptverantwortlicher für die sportliche Entwicklung nicht gefallen. Nachdem am Mittwoch der Aufsichtsrat der Eintracht Fußball AG getagt hatte, wurde bekannt, dass die finanziellen Sorgen des Vereins viel größer sind, als bislang angenommen. Mit dem in dieser Saison erwarteten Bilanzverlust in Höhe von fünf bis zehn Millionen Euro ist es demnach nicht getan.

          Wie die „Frankfurter Rundschau“ unter Berufung auf einen der neun Räte berichtete, der namentlich nicht genannt werden wollte, drohen in diesem Frühjahr „enorme Schwierigkeiten“. Selbst dann, wenn es mit dem Comeback in der ersten Klasse klappen sollte. Die Erteilung der Lizenz durch die Deutsche Fußball Liga sei zwar nicht gefährdet, der Rahmen der Möglichkeiten jedoch eng gefasst. Wofür unter anderem der für die Eintracht ungünstige Mietvertrag der WM-Arena und sinkende Einnahmen aus den Fernsehverträgen genannt wurden. Aktuell sind für die Nutzung des Stadions jährlich 4,5 Millionen Euro fällig, unter Erstligabedingungen etwas mehr als das Doppelte. Die Vereinbarung mit der Stadt als Eigentümerin, abgeschlossen 2005, ist zu den gegenwärtigen Konditionen noch bis 2020 gültig. „Ein Unding“ nannte Sportmanager Bruno Hübner unlängst die Rahmenbedingungen. Am Donnerstag vermied er es genau wie Bruchhagen, zu den neuesten Entwicklungen Stellung zu beziehen.

          Noch zehn prüfungen

          Dem Vernehmen nach herrschte auf der Eintracht-Geschäftsstelle mächtig dicke Luft und Verwunderung darüber, dass die Zahlen, die bis dahin nur Insidern vertraut waren, den Weg in die Medien fanden, so dass nun auch Sponsoren, Geschäftspartner und Politik von der angespannten Haushaltslage erfuhren. Bruchhagen, so hieß es, habe erbost reagiert und intern deutlich gemacht, dass er über diese Form der Öffentlichkeitsarbeit „nicht amüsiert“ sei. Von Veh, der wegen eines Zahnarzttermins die routinemäßig anberaumte Pressekonferenz nicht besuchte und stattdessen seinen Stellvertreter Rainer Geyer schickte, ist aufgrund zahlreicher zurückliegender Äußerungen bekannt, dass ihm der Trend nicht gefallen kann. Er hat seinen Verbleib am Main über den 30. Juni hinaus an zwei Bedingungen geknüpft: Selbst im Falle eines Aufstiegs, so formulierte er unlängst unmissverständlich, wolle er ein Budget zur Verfügung haben, das ihn nicht auf die Rolle eines Sparkommissars beschränke und ihm Gestaltungsmöglichkeiten lasse - unter den absehbaren Umständen ist beides nur schwer vorstellbar.

          Vor der ersehnten Rückkehr in die Bundesliga müssen die Frankfurter noch zehn Prüfungen bestehen. Im Kampf um die drei Plätze läuft auch am 25. Spieltag das Fernduell weiter. Spitzenreiter Greuther Fürth (50 Punkte) und der Rangdritte Paderborn (49 Zähler) wollen an diesem Freitag gegen Aachen und Bochum vorlegen. Düsseldorf (48 Zähler) trifft am Samstag auf den FC Erzgebirge Aue, während St. Pauli (47) Karlsruhe empfängt. Will die Eintracht ihre Position behaupten, wäre sie gut beraten, sich an diesem Wochenende auswärts drei Punkte zu verdienen. Zuletzt gelang ihr dieses Kunststück Anfang November beim 2:1 in Aue; seitdem erreichte sie aus den Vorstellungen bei 1860 München (1:2), am Hamburger Millerntor (0:2), in Düsseldorf (1:1) und beim SC Paderborn (2:4) lediglich einen Zähler - keine berauschende Bilanz.

          1400 Fans reisen mit an die Ostsee

          Beim lockeren 6:0-Testspielkick gegen Rot-Weiss Frankfurt gelangen der Eintracht gegen den fünftklassigen Gegner unter der Woche sechs Tore, wobei zwei auf das Konto des wieder genesenen Mohamadou Idrissou gingen, der mit Macht auf seine Rückkehr in die Startformation drängt. Einen ausgesprochen ansprechenden Eindruck hinterließ außerdem Mohammed Abu in seiner ersten Partie unter einigermaßen realistischen Ernstfallbedingungen. Der Einundzwanzigjährige, im Winter aus England von Manchester City bis zum Sommer ausgeliehen, wurde auch von Geyer gelobt: „Er hat viel richtig gut gemacht und war mit Biss, ordentlichen Pässen und gutem Auge für den Nebenmann bei der Sache.“ Ein Kandidat für den Kader an diesem Wochenende sei der ghanaische Nationalspieler vermutlich aber noch nicht.

          Unterstützt werden die Hessen bei ihrem Gastspiel in der Stadt an der Ostsee, die vielen Anhängern seit der dort vor zwanzig Jahren verschenkten Meisterschaft mit unangenehmen Erinnerungen behaftet ist, von 1400 Fans, womit die Eintracht ihr Kartenkontingent zur Hälfte ausschöpte. Die Polizei schätzt das Aufeinandertreffen als Risikospiel ein und wird auf die gewaltbereiten Krawallmacher in beiden Lagern ein Auge haben. Am Abend wurde unterdessen bekannt, dass das Urteil des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes nach den Ausschreitungen Frankfurter Randalierer in Düsseldorf erst Anfang kommender Woche veröffentlicht wird.

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