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Wanderausstellung über Rassismus : „Jeder hat irgendeine Hautfarbe“

Schwere Wahl: An dieser Station können die Schüler Vor- und Nachteile demokratischer Entscheidungen abwägen. Bild: Frank Röth

Ist es diskriminierend zu fragen, woher jemand stammt? In einer neuen Wanderausstellung der Bildungsstätte Anne Frank kommen Schüler, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, darüber ins Gespräch.

          „Neger“ sei ganz klar ein Schimpfwort, aber auch „schwarz“ will die Achtzehnjährige nicht genannt werden. Das treffe einfach nicht zu, sagt Fatima Fall. Niemand sei wirklich schwarz, genauso wie niemand hundertprozentig weiß sei. Und wie wäre es mit „farbig“? Auch davon hält die Berufsschülerin nicht viel, denn „irgendeine Hautfarbe hat ja jeder“. Am besten findet sie ihren Teint mit „dunkelhäutig“ beschrieben, genauso wie andere Menschen eben hellhäutig seien.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Achtzehnjährige besuchte zusammen mit anderen Jugendlichen von der Franz-Böhm-Schule eine neue Wanderausstellung der Bildungsstätte Anne Frank. Zur Premiere war das „Mobile Lernlabor“ mit dem Titel „Mensch, Du hast Recht(e)“ zu Gast im Poelzig-Bau auf dem Westend-Campus der Universität. An den interaktiven Stationen können sich Schüler mit den Themen Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzen. Fortan soll die Wanderausstellung Gemeinden, Initiativen, Vereinen, Kirchen und anderen Institutionen zur Verfügung stehen, die sie gegen eine geringe Gebühr für zwei bis sechs Wochen ausleihen können.

          Diskriminierung in den Medien

          Zentral für das pädagogische Konzept sei die Beschäftigung mit den Menschenrechten, sagt Saba Nur Cheema. Die Mitarbeiterin der Bildungsstätte Anne Frank hat die Ausstellung zusammen mit ihrer Kollegin Nicole Broder konzipiert. Wenn sich die Schüler bewusst würden, dass jeder Mensch dieselben Rechte habe, schärfe sich auch der Blick für Vorurteile und Diskriminierung.

          Zum Beispiel in den Medien: Eine Station zeigt die heile Welt der Fernsehwerbung. Die Familie sitzt am Frühstückstisch und streicht sich Nougatcreme aufs Brot, der Vater hat die Krawatte schon fürs Büro gebunden. Die Mutter lassen die Ausstellungsmacherinnen allerdings nur als Umriss erkennen. Die Frage, die sie damit stellen wollen: Woher wissen wir überhaupt, dass es eine Mutter ist? Schließlich gibt es auch Familien mit zwei Vätern.

          Neugier statt Diskriminierung

          Darüber, wo das Klischee in Diskriminierung übergeht, lässt sich freilich streiten. Und das machen die Jugendlichen von der Franz-Böhm-Schule auch. Obwohl die meisten selbst einen Migrationshintergrund haben, beurteilen sie viele Fragen gelassener, als es die Ausstellungsstationen vorgeben. Wenn eine ältere Frau jemanden mit dunkler Hautfarbe in der U-Bahn fragt, woher er komme, müsse das nicht unbedingt Diskriminierung sein, meint Ulusan Cimen. „Vielleicht ist es auch nur Neugier“, sagt der 19 Jahre alte Türke, der aus Aserbaidschan stammt und iranische Wurzeln hat.

          Selbst in einem Bewerbungsgespräch könne die Frage okay sein, wenn es bei der Stelle auch um die Herkunft gehe. Er selbst mache eine Ausbildung als Reiseverkehrskaufmann und habe einen Job am Flughafen. Da seien Kenntnisse bestimmter Länder, Kulturen und Sprachen ein Vorteil. Seine Mitschülerin Arzu Bashelvaci findet es nicht schlimm, wenn jemand sie danach fragt, wie sich ihr Name schreibt. Diskriminierend sei es hingegen, jemanden nur aufgrund der äußeren Erscheinung zu beurteilen. Zum Beispiel von einer Frau mit Kopftuch automatisch anzunehmen, sie verstehe kein Deutsch. „Solche Situationen habe ich selbst schon miterlebt, das ist verletzend.“

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