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Wilhelm-Leuschner-Medaille : Ermordeter Lübcke soll Hessens höchste Auszeichnung erhalten

Beim Festumzug des 59. Hessentags steht ein Foto des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke auf einem Platz der Ehrentribüne. Bild: dpa

Walter Lübcke soll posthum die Wilhelm-Leuschner-Medaille erhalten. Das Land Hessen will damit die Verdienste des ermordeten Politikers im Kampf für Demokratie und Freiheit ehren.

          Der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wird posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt. „Für seine herausragenden Verdienste im Kampf für Demokratie und Freiheit, seine politische Courage und seinen persönlichen Mut gebührt ihm die Ehre dieser hohen Auszeichnung“, heißt es in einer Mitteilung des hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Lübcke war Anfang Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses in der Nähe von Kassel erschossen worden. Der Tatverdächtige Stephan E. hatte das Verbrechen zunächst gestanden, später aber sein Geständnis widerrufen. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

          Lübcke sei ein leuchtendes Vorbild für Freiheit und Demokratie gewesen, schreibt Bouffier. Aus tiefer Überzeugung habe er für die Grundpfeiler der Gesellschaft gestanden und sie auch gegen Widerstände immer verteidigt. Umso bedauerlicher sei es, dass er wegen seiner beispielgebenden Grundüberzeugung auf tragische Weise sein Leben habe lassen müssen. „Sein Wirken für unsere freiheitliche Gesellschaft bleibt unvergessen“, so der Regierungschef.

          Hessens höchste Auszeichnung

          Lübcke kam 1953 in Wolfhagen in Nordhessen zur Welt. Er war ein Jahrzehnt lang Abgeordneter des Hessischen Landtags, bevor er 2009 Kasseler Regierungspräsident wurde. Seine Ehrung ist die erste posthume Verleihung der Wilhelm Leuschner-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Landes. Sie wird traditionell am hessischen Verfassungstag, dem 1. Dezember, verliehen. Benannt ist sie nach dem von den Nationalsozialisten hingerichteten Sozialdemokraten.

          Stifter ist der ehemalige Ministerpräsidenten Georg August Zinn (SPD). Die Auszeichnung soll Menschen vorbehalten sein, „die sich beispielhaft und nachhaltig für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben“. Unter den Preisträgern sind Persönlichkeiten wie die erste weibliche Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU), der Philosoph Jürgen Habermas, der Erfinder des Computers Konrad Zuse und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Erster Preisträger war 1965 der ehemalige hessische Innenminister und Landtagspräsident Heinrich Zinnkann (SPD).

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