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Bildungsstätte Anne Frank : Mit Kopftuch gegen Antisemitismus

Ausgezeichnet: Meron Mendel ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, die den Walter-Dirks-Preis erhalten hat. Bild: Lena Grimm

Wenn Menschenrechte in Gefahr sind, sei die Bildungsstätte Anne Frank zur Stelle, lobte Jurymitglied Hejo Manderscheid. Nicht nur dafür gab es jetzt den Walter-Dirks-Preis.

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          Wenn Katholiken einen jüdischen Israeli und sein multikulturelles Team auszeichnen und eine Protestantin die Laudatio hält, dann geht der Preis auch an Frankfurt. An ein Frankfurt, in dem verschiedene Religionen und Kulturen nicht nur nebeneinander her leben, sondern auch miteinander sprechen.

          Livia Gerster
          (lige.), Politik

          Dazu leistet die Bildungsstätte Anne Frank unter ihrem Direktor Meron Mendel einen entscheidenden Beitrag; deshalb hat sie am Samstag den Walter-Dirks-Preis vom Haus am Dom und dem Haus der Volksarbeit verliehen bekommen. Der Preis zeichnet jene aus, die „unkonventionelle Brückenschläge zwischen Konfessionen, Religionen und gesellschaftlichen Gruppierungen wagen“ und damit dem Vorbild des Journalisten Walter Dirks (1901-1991) folgen, der sich für einen linkssozialen, weltoffenen Katholizismus eingesetzt hat.

          Offene Gesprächskultur gelobt

          „Wach, laut und unerschrocken“ wie der Hahn, der dem Preis seine Gestalt gegeben hat, seien auch die Pädagogen der Bildungsstätte Anne Frank, sagte Juryvorsitzender Hejo Manderscheid vom Diözesancaritasverband Limburg bei der Verleihung im Dom. Denn unerschrocken diskutierten sie mit Jugendlichen Antisemitismus und Rassismus, ohne je zu moralisieren, und ließen Holocaust-Überlebende von der Vergangenheit erzählen, ohne die Schuldfrage zu stellen.

          In einer Zeit, in der „Menschenrechte unter Druck“ gerieten, sei die Arbeit der Bildungsstätte besonders wichtig, sagte Manderscheid. Millionen Menschen seien auf der Flucht, doch es gebe nicht nur Gewalt und Feindseligkeit, sondern auch Hilfe und Solidarität: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, zitiert er Hölderlin. So ist die Bildungsstätte jedes Mal zur Stelle, wenn in der Stadt Menschenrechte in Gefahr sind; etwa während der Gaza-Krise im vorvergangenen Jahr. Als antijüdische Parolen auf den Straßen Frankfurts zu hören waren, ging Mendels Team an die Schulen und setzte sich mit den Jugendlichen auseinander.

          „Hier können Dinge gefragt werden, die vor den Lehrern peinlich oder politisch inkorrekt wirken“, sagte die evangelische Bischöfin Ulrike Trautwein und lobte die Pädagogen für diese offene Gesprächskultur. „Unsere berühmteste Tochter der Stadt“ nannte Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Die Grünen) in ihrem Grußwort Anne Frank, nach deren Weltbild Mendel und seine Kollegen für eine Welt ohne Hass und Diskriminierung kämpften.

          Erinnerung nicht instrumentalisieren

          In seiner Dankesrede zeigte der gebürtige Israeli sich verlegen ob der vielen Komplimente: „Es ist alles ,fake‘, wir machen unser Hobby und nennen es Arbeit“, sagte er lachend. Welche intellektuelle Arbeit hinter diesem Hobby steht, machte er allerdings im Folgenden klar: „Kann das Wissen über die Schoa gegen die heutigen Gefahren der Menschenfeindlichkeit immun machen?“, fragte er in die Runde. Wenn Deutschland sich als Weltmeister der Erinnerungskultur inszeniere, wo der Touristentrip zur Gedenkstätte zum All-inclusive-Angebot gehöre, dann sei das ein Problem.

          Das Erinnern dürfe nicht zur Schablone werden, warnte er, vor allem dürfe es nicht instrumentalisiert werden; etwa wenn Lehrer Mobbing in der Schule mit NS-Vergleichen auflüden. „Es ist kontraproduktiv, soziales Lernen mit der Geschichte zu belasten.“ Viel wichtiger sei es, universale Lehren aus dem Holocaust zu ziehen, die für alle Menschen gälten; vor allem auch solche, die geflüchtet seien, fremde Nachnamen oder ein Kopftuch trügen. Ein Kopftuch trägt übrigens auch seine Mitarbeiterin Nabeela Khan, die ein Projekt mit jugendlichen Flüchtlingen leitet.

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