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Theaterruine Walhalla : „Kultureller Fixpunkt in der Stadt“

  • -Aktualisiert am

Seit Jahren ungenutzt: der Große Saal des Walhalla-Theaters in Wiesbaden Bild: Frank Röth

Seit Jahren ist das Walhalla-Theater in Wiesbaden ungenutzt. Die Sanierung der Theaterruine soll möglichst in zwei Jahren beginnen.

          3 Min.

          Ein mehr als 30 Millionen Euro teures Großprojekt, das zudem beträchtliche Folgekosten nach sich ziehen wird, bedarf einer intensiven Diskussion und sorgfältiger Vorbereitung. Doch irgendwann müssen Taten her, und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hält diesen Zeitpunkt für gekommen.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Denn wenn die Stadt nicht auf beträchtliche Fördermittel verzichten will – und das kommt für Mende nicht in Betracht –, dann muss sie 2024 mit der Sanierung der Theaterruine Walhalla beginnen, die 2026 abgeschlossen werden könnte. Diese Eckdaten hat Mende dem Wiesbadener Kulturbeirat in Form einer Konzeptstudie vorgestellt.

          Mende plädiert dafür, dass das europaweite Interessenbekundungsverfahren, mit dem ein Betreiber für die seit rund fünf Jahren gesperrte Immobilie gesucht werden sollte, nicht neu aufgelegt wird. Denn einerseits sind die Hoffnungen gering, einen solventen und kreativen Betreiber zu finden, der das 1897 eröffnete Walhalla im Sinne der Stadt bespielt. Und andererseits hat sich in den Diskussionen abgezeichnet, dass das Theater in Wiesbaden als weitgehend autonomes, selbstverwaltetes kommunales Kulturzentrum wiederauferstehen soll.

          „Korrektur von Bausünden“

          Damit sind allerdings einige Kulturtreibende unzufrieden, nach deren Überzeugung die Sanierung auf dem Nutzungskonzept aufbauen sollte und nicht umgekehrt. Der Arbeitskreis Stadtkultur sieht die Wiesbadener Künstler nicht in der Lage, einen aktiven Beitrag zum Betrieb des Walhalla zu leisten. „Damit fehlt die wesentliche Grundlage, um aus unserer Sicht ein Konzept für eine bauliche Sanierung vorzulegen“, heißt es in der Stellungnahme des Arbeitskreises. Doch Diskussionen über die mögliche Nutzung würden den Sanierungsbeginn wohl weiter verschieben, und das kann sich die Stadt nach Überzeugung von Mende nicht leisten. Hinzu kommt, dass es nicht um eine flexibel nutzbare Gebäudehülle, sondern um ein denkmalgeschütztes Ensemble mit weitgehend unverrückbaren Strukturen wie dem großen Saal und dem Spiegelsaal geht, die es zu erhalten gilt.

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          Dennoch strebt Mende eine „möglichst hohe Flexibilität der räumlichen Nutzung“ an. Das alles in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und nach der Devise, die altehrwürdige Patina des Gebäudes nicht durch „Hochglanz“ zu ersetzen. Bei der Sanierung soll sich die Stadt nach den Vorstellungen des Oberbürgermeisters auf den Zustand des Jahres 1897/98 konzentrieren. Die erst im 20. Jahrhundert hinzugekommenen baulichen Veränderungen, deren Bausub­stanz als zumindest „schwierig“ gilt, sollen abgerissen werden. Mende spricht von einer „Korrektur von Bausünden“.

          Die Projektsteuerung soll Mitte des Jahres im Kulturamt angesiedelt werden, und der Kulturbeirat soll in die weitere Bauplanung eng eingebunden werden. Mende erwartet nicht nur eine üppige Unterstützung aus dem hessischen Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche“, sondern hat das Vorhaben ein zweites Mal für das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ angemeldet. Ein erster Versuch blieb erfolglos, doch Mende gibt die Hoffnung nicht auf, dass es Wiesbaden beim zweiten Mal schaffen und Fördergeld in das Theater lenken könnte.

          Es geht auch um die Zukunft der City

          Die Revitalisierung des Walhalla gilt nicht nur als dringend, weil der Stadt eine Verantwortung für das äußerst marode Kulturdenkmal zufällt. Es geht vielmehr auch um die Zukunft der City, denn die Fußgängerzonen der großen Städte verlieren nach Ansicht vieler Fachleute ihre Bedeutung als Einkaufsmeile. Sie müssen sich zum belebten und attraktiven Erlebnisraum erweitern, wenn die lebendige Innenstadt das Ziel ist. Das bestätigen auch der kommunale Masterplan Innenstadt und die jüngste Umfrage unter Geschäftsleuten und Passanten.

          Nach Ansicht von Mende hat das Walhalla die Chance, zum „kulturellen Fixpunkt im Herzen der Stadt“ entwickelt zu werden. Das Kulturdenkmal mit vielen flexibel nutzbaren Räumen könne zur Belebung der Innenstadt maßgeblich beitragen. Mende hält auch ein Kulturcafé im Erdgeschoss für denkbar. Voraussetzungen seien aber zeitgemäßer Brandschutz, Fluchtwege und Barrierefreiheit.

          Nach der Sitzung des Kulturbeirats hieß es, die Konzeptstudie könne der Auftakt eines breiten Beteiligungsprozesses sein. Es gebe einen Zeitdruck für die Sanierung. Jedoch müsse für endgültige bauliche Festlegungen noch die Nutzung geklärt werden. Ohne dass bestimmte Fragen zunächst offenblieben, könne das Walhalla nicht zu einer breit akzeptierten Kulturstätte werden. Ernst Szebedits, der Vorsitzende des Kulturbeirats, hält eine offene Debatte für nötig: „Ich verstehe, dass sich viele einen übersichtlichen Prozess wünschen, doch der Weg und das Ergebnis, ein kulturelles Zentrum, ist nicht vollständig absehbar. Ein agiler, flexibler Prozess, der das eine tut und das andere nicht lässt, ist unumgänglich.“

          Walhalla „kann eine großartige Bereicherung werden“

          Es sei notwendig, „Leerstellen, Ungewisses und Sprünge zuzulassen und auszuhalten, um Neues entstehen und wachsen zu lassen“. Im nächsten Schritt soll eine Steuerungsgruppe unter Beteiligung des Kulturbeirats gebildet werden. Zudem soll ein Zeitplan für das Vorhaben erstellt werden.

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          Das wegen der Pandemie gestoppte Interessenbekundungsverfahren sei einvernehmlich für „obsolet“ erklärt worden. Dorothea Angor, die stellvertretende Vorsitzende des Beirats, zeigte sich optimistisch: Das Walhalla „kann eine großartige Bereicherung für Wiesbaden werden. Ich sehe ein innerstädtisches Haus mit Platz für einen breiten Kulturbegriff und Flächen für Wiesbadens Kultur und auch schillernden Schlaglichtern darüber hinaus.“

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