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Eintracht Frankfurt : Nichts wie weg

Die tragende Rolle, die Luca Waldschmidt bei der Eintracht spielte, gefiel ihm nicht mehr - und wechselte deshalb nach Hamburg. Bild: Rhode

Luca Waldschmidt kann es kaum abwarten, seinen Wechsel zum HSV zu vermelden. Nico Rinderknecht wechselt zum FC Ingolstadt. Und Espanyol Barcelona kommt im August.

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          Mit dem Versuch, ihrem Aufgebot neues sportliches Gewicht zu verleihen, ist die Eintracht am Dienstag noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie in einer offiziellen Verlautbarung einen weiteren Zugang für die kommende Saison hätte verkünden können. Beim Verschlanken des Kaders jedoch, der auch dazu dienen soll, Ablösesummen einzunehmen, mit deren Hilfe anschließend vergleichsweise kostengünstige Schnäppchen auf dem Transfermarkt eingekauft werden können, ging es jedoch voran: Nico Rinderknecht verlässt die Frankfurter und unterschrieb einen Dreijahresvertrag beim FC Ingolstadt. Der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler spielte bei der Eintracht noch keine große Rolle und kam nur in der Hinrunde beim Spiel in Dortmund zu einem Kurzeinsatz. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen des FC Ingolstadt haben mich überzeugt, meinen Weg in Zukunft bei den Schanzern fortzusetzen“, wurde der gebürtige Gießener in einem Pressestatement der Bayern am Abend zitiert. Und der nächste Abgang eines Eintracht-Spielers steht bevor: Luca Waldschmidt wird sich dem Hamburger SV anschließen.

          Am Dienstag absolvierte der 20-Jährige schon seinen medizinischen Test beim Mannschaftsarzt der Hanseaten. Sollten dabei keine körperlichen Defizite erkennbar werden, die sein Engagement in letzter Minute noch gefährden könnten, wird Waldschmidt einen Vierjahresvertrag beim Bundesliga-Gründungsmitglied unterschreiben. Die Eintracht kann im Gegenzug dem Vernehmen nach mit 1,35 Millionen Euro für den Jugend-Nationalspieler kalkulieren. Mit dem sich ebenfalls abzeichnenden Weggang von Carlos Zambrano – für den es Interessenten aus der spanischen Primera Divison, der englischen Premier League sowie aus Russland gibt – könnten die Hessen ihr wirtschaftliches Ziel erreichen, in diesem Sommer insgesamt rund 5,5 Millionen Euro durch den Verkauf mehrerer Profis einzunehmen.

          Angekratztes Selbstbewusstsein

          Waldschmidt konnte es offenbar gar nicht schnell genug gehen, die Eintracht zu verlassen. Auf Betreiben des von ihm beauftragten Beraters verkündeten die Hamburger auf ihrem Twitter-Account noch am Montagabend, dass der 1,77 Meter große und 68 Kilo schwere Blondschopf am nächsten Morgen zum Gesundheits-Check-up bei ihnen erwartet wird. Ein unüblicher Vorgang, der nicht den Gepflogenheiten der Branche entspricht und über den in der Führung der Eintracht viele den Kopf schüttelten und „nicht amüsiert waren“, wie es hieß.

          Der am 19. Mai 1996 in Siegen geborene und beim Eintracht-Kooperationspartner TSG Wieseck in Mittelhessen ausgebildete Offensivspieler machte zuletzt keinen Hehl daraus, dass er mit seiner persönlichen Entwicklung unzufrieden war und sich am liebsten verändern würde. Auch bei Niko Kovac kam er über den Status einer Ersatzkraft nicht hinaus und konnte sich im Training nicht als Alternative zu dem monatelang glücklosen Haris Seferovic empfehlen. Kovac brachte den jungen Mann mit den schmächtigen Schultern lediglich gegen Leverkusen (0:3) und Dortmund (1:0). Jeweils in der 77. Minute wurde Waldschmidt eingewechselt.

          Insgesamt standen in der zurückliegenden Runde zwölf Kurz-Einsätze für ihn zu Buche; in allen Fällen wurde er in der zweiten Halbzeit als Ergänzungsspieler eingetauscht. Denkwürdig war dabei vor allem die Partie gegen Hertha BSC, als ihn Armin Veh in der 56. Minute anstelle von Kadlec aufs Feld schickte – und in der Schlussphase für Slobodan Medojevic wieder runter nahm. Waldschmidt empfand das Vorgehen des später entlassenen Chefcoaches als Degradierung, die mächtig an seinem Selbstbewusstsein kratzte.

          Testspiel gegen Espanyol Barcelona

          Im Nachwuchsbereich gehörte er stets zu den auffälligsten Akteuren der Eintracht-Mannschaften, seine herausragenden Leistungen – in einer Runde gelangen ihm 30 Treffer in 40 Spielen – sind heute noch am Riederwald oft Gesprächsstoff, wenn der Ehrgeiz der kommenden Generationen angestachelt werden soll. Waldschmidt stand damals unter Beobachtung des FC Bayern, der jedoch im B-Jugend-Alter von seiner Verpflichtung absah.

          Bobic und Trainer Kovac hätten ihn gerne behalten. Sie bescheinigen ihm unisono das Potential, sich langfristig im Profifußball zu etablieren. Dass er sich jetzt ausgerechnet für einen Umzug zu einem Team entschieden hat, mit dem sich die Eintracht im Mittelfeld des Klassements demnächst gerne auf Augenhöhe sähe, verleiht dem Verlust eine eigene Note. Waldschmidts Wechsel passt – nach der Trennung von Sonny Kittel, der wie Nico Rinderknecht mit dem FC Ingolstadt in Verbindung gebracht wird – zudem nicht unbedingt zu der von Bobic propagierten Absicht, die Eintracht zu einem „Ausbildungsverein“ zu entwickeln, von dem zuallererst die eigene Bundesliga-Mannschaft profitiert. „Ein junger Spieler muss sich auch durchsetzen. Wenn es nicht gleich klappt, kommt schnell Ungeduld auf. Aber es geht immer nur nach dem Leistungsprinzip“, kommentierte Bobic die Situation.

          Im sportlichen Existenzkampf der Eintracht vor wenigen Wochen sei es darüber hinaus von Kovac „legitim gewesen, auf erfahrenere Spieler zu setzen“. Durch den Klassenverbleib in letzter Minute habe sich dessen Marschroute als richtig erwiesen. Demnächst darf es gerne etwas mehr werden für die Frankfurter, die unter allen Umständen verhindern möchten, dass sie wieder derart ins Zittern geraten. Darauf bereiten sie sich auch mit einem Testspiel gegen Espanyol Barcelona im Rahmen des Saisoneröffnungsfests am 14. August vor. Karten dafür sind vorab in allen Fan-Shops erhältlich. Genauso wie reduzierte Trikots mit Waldschmidt- oder Rinderknecht-Beflockung.

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