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Waldbrände in Hessen : Mit Bambi Buckets gegen die Flammen

  • -Aktualisiert am

Ein Eurocopter 145 der Hessischen Polizei lässt aus einem Bambi Bucket Wasser. Bild: Bäuml, Lucas

Auch in Hessen nimmt die Waldbrandgefahr zu – eine Folge des Klimawandels. Neue Geräte sollen der Feuerwehr helfen, auch an abgelegenen Orten zu löschen.

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          Das Dröhnen der Super-Puma kommt immer näher. Unter dem Hubschrauber der Bundespolizei hängt ein orangefarbener Behälter. Immer tiefer fliegt der Pilot, langsam nähert er sich mit seiner Maschine und mit dem hängenden Behälter einem Gummi-Pool, 35.000 Liter Wasser fasst dieser. Als der Pilot den Behälter im Wasser versenkt, ruft ein Mann: „Volltreffer.“ Peter Beuth, Innenminister Hessens (CDU), kommt nach einem weiteren Anflug der Super-Puma zu dem Mann gelaufen, schlägt ihm auf die Schulter und ruft ihm etwas in Ohr. Die beiden lachen, sie wirken zufrieden. Der Mann, der nahezu jeden Anflug kommentiert, heißt Harald Ecker. Vor der Übung auf einem Segelflugplatz in Butzbach wird er sagen, heute sei ein sehr wichtiger Tag in seinem Berufsleben.

          Harald Ecker ist Feuerwehrmann, seit 36 Jahren. 25 davon war er bei der Frankfurter Feuerwehr. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Ecker im Innenministerium, mittlerweile im Rang eines Branddirektors. Am vergangenen Samstag wurden vier Container an die Feuerwehr übergeben, mit denen es zukünftig einfacher sein wird, Waldbrände aus der Luft zu löschen. Bevor die feierliche Übergabe und eine Vorführung der neuen Technik beginnen, läuft Ecker zwischen den Containern entlang und erklärt die neue Technik und das System dahinter.

          In der Sprache der Feuerwehr heißen die Container Abrollbehälter. „Es ist wie ein kleines Materiallager der Feuerwehr“, sagt Ecker. Dessen Herzstück: das Bambi Bucket und der Fireflex, die in den Containern verstaut sind. Diese beiden Geräte sind zur Brandbekämpfung aus der Luft entwickelt worden. Der orangefarbene Behälter unter der Super- Puma ist so ein Bambi Bucket. Das mobile Reservoir, in dem 35.000 Liter Wasser schwimmen, heißt Fireflex. Kurz nachdem Ecker „Volltreffer“ gerufen hat, ist das Bambi Bucket im Reservoir untergetaucht. Es dauert nur wenige Augenblicke, dann hängen etwa 2000 Liter Wasser unter dem Hubschrauber. Einige Sekunden noch schwebt der größte Helikopter der Bundespolizei über der Wasseroberfläche des Reservoirs auf der Stelle. Der Wind, der von den Rotoren der Maschine ausgeht, peitscht die Wasseroberfläche auf. Es spritzt in alle Richtungen. Der Fireflex ähnelt nun einem blubbernden Whirlpool.

          Das mobile Reservoir hält 35.000 Liter Wasser

          Auf dem Butzbacher Flugplatz haben viele der Zuschauer ihre Smartphones gezückt und schießen Erinnerungsfotos. Väter sind mit ihren Söhnen gekommen, ein Junge in einem gelben T-Shirt bekommt seinen Mund nicht mehr zu, als die Super-Puma langsam mit dem Wasserbehälter entschwebt, um eine Platzrunde zu drehen.

          Die Idee hinter den Containern ist im Grunde simpel. In allen drei Regierungsbezirken Hessens werde so ein Abrollbehälter stehen, sagt Ecker. Zudem sei einer in Reserve, im Lager des Katastrophenschutzes in Wetzlar. Wenn es irgendwo brennt, zum Beispiel in einem abgelegenen Waldstück, dann würden die Sattelschlepper der Feuerwehr einen der Container in die Nähe des Brandortes fahren. Dort würde die Feuerwehr den Fireflex aufbauen und mit Wasser befüllen. Wenn kein natürliches Gewässer in der Nähe sei, könne die Wasserversorgung mit Hilfe von Hydranten oder des Wassers, das in den Tanks der Feuerwehrautos vorhanden sei, sichergestellt werden, sagt Ecker.

          Ein Helikopter der Polizei Hessen mit einem Bambi Bucket zur Brandbekämpfung.

          Die Feuerwehr in Hessen verfügt über keine eigenen Hubschrauber. Für die Brandbekämpfung aus der Luft seien sie auf die Hilfe der Polizei angewiesen. Über Maschinen, die solche Wasserbehälter tragen können, verfügt sowohl die Landes- als auch die Bundespolizei.

          „Das findet man in keinem anderen Bundesland“

          Ecker ist einer der Hauptverantwortlichen des Projekts. Wenn er von den neuen Möglichkeiten der Feuerwehr erzählt, schwingt Stolz in seiner Stimme. Ecker ist zufrieden mit dem Ergebnis und mit seinem Team, das über Behördengrenzen zusammengearbeitet habe. Er meint den Katastrophenschutz Hessen, die Bundes- und Landespolizei und die Feuerwehren aus den Regierungsbezirken. Es sei ein einzigartiges System in Deutschland, sagt Ecker.

          „Das findet man in keinem anderen Bundesland“, kommentiert auch Bundespolizist Thomas Nagler die 250.000 Euro teuren Abrollbehälter und die Abläufe, die um das System herum konzipiert worden sind. „Das Land Hessen ist sehr gut aufgestellt“, schließt er an. Nagler ist Pilot und fliegt Brandeinsätze im gesamten Bundesgebiet. Er ist ein Mann der Praxis und einer, der weiß, worauf es im Ernstfall ankommt. Die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften müsse stimmen und es müsse modernes Gerät zur Verfügung stehen, sagt Nagler. In Hessen, so der Tenor seiner Rede, sei dies der Fall. Nagler trägt einen schwarzen Overall der Bundespolizei. Nach seinen Worten steigt der Polizist ins Cockpit der Super-Puma. Er ist einer von zwei Piloten, die an der Übung beteiligt sind. Unter Naglers Maschine hängen auch die 2000 Liter Wasser. Nach einigen Minuten fliegt Nagler wieder ein. Aus etwa dreißig Metern Höhe betätigt die Besatzung des Hubschraubers den Mechanismus, der die Klappe des Bambi Buckets öffnet. Das Wasser geht nur wenige Meter entfernt von den Zuschauern nieder. Ein Blick zu Ecker – der Brandschutzexperte strahlt. Alles habe geklappt, sagt er nach der erfolgreichen Übung.

          Dreieinhalb Jahre habe es gedauert bis zum heutigen Tag, sagt er und meint die Länge der Entwicklungsphase. Ecker: „Ich würde es noch einmal machen.“

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