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Wahlergebnisse in Frankfurt : Renaissance der Volksparteien

  • -Aktualisiert am

Die CDU erreichte in Frankfurt insgesamt 32,9 Prozent Bild: F.A.Z.

Die SPD zeigt sich nach Jahren im Tief wieder im Aufwind. Die CDU überzeugt, indem sie alle Wahlkreise in Frankfurt holt. Dagegen verlieren die kleinen Parteien an Zuspruch. Die AfD startet stark.

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          Nur für den Fall, dass es irgendwo ein Thema sein sollte: An der Frankfurter FDP hat es nicht gelegen, weder im Bund noch im Land. 7,0 Prozent der Zweitstimmen aus der Bundestagswahl und 6,3 Prozent aus der Landtagswahl haben die Liberalen zum sonst desaströsen Gesamtergebnis beigesteuert. Gereicht hat das nicht für den Wiedereinzug in den Bundestag. Und auch im Landtag wird die einst starke Fraktion angesichts der im letzten Moment erreichten 5,0 Prozent auf ein Sechs-Personen-Rumpfteam schrumpfen.

          Doch werfen wir einen genauen Blick auf Frankfurt. Basis dafür sind die Daten, die das Bürgeramt Statistik und Wahlen in einer Nachtschicht zusammengestellt hat. Grundlage bilden 22 repräsentative Wahlbezirke. Die Gewinner in der größten hessischen Stadt waren demnach die beiden traditionellen Volksparteien. Bei den Zweitstimmen legte die Frankfurter CDU 5,9 Prozentpunkte im Bund und 0,2 Punkte im Land zu und erreichte 33,7 und 32,9 Prozent. Bei den Landesstimmen gewann die SPD stärker hinzu, nämlich 8,0 Punkte – allerdings ausgehend von schwachen 19,8 Prozent im Jahr 2009. Aber auch bei den Zweitstimmen im Bund verbesserten sich die Sozialdemokraten, und zwar um 4,6 Punkte auf 26,5 Prozent.

          Die SPD erreichte in Frankfurt insgesamt 27,8 Prozent
          Die SPD erreichte in Frankfurt insgesamt 27,8 Prozent : Bild: F.A.Z.

          Größter Verlierer sind auch in Frankfurt die Liberalen, die einen Absturz erlebten. Im Bund büßte die FDP 10,5 Punkte ein und erreichte 7,0 Prozent, im Land verlor sie ebenfalls 10,5 Punkte und kam auf 6,3 Prozent. Den Statistikern zufolge verlor die Partei in ihren Hochburgen besonders stark an Zuspruch, zudem überall dort, wo CDU und Alternative für Deutschland (AfD) als bürgerliche Konkurrenz gut abschnitten.

          Verlierer sind zudem die Grünen und die Linke. So gaben die Grünen 2,7 Punkte im Bund und 2,9 Punkte im Land ab und erreichten 14,5 und 16,7 Prozent der Zweitstimmen. Die Linke verlor 2,0 Punkte im Bund sowie 0,1 Punkte im Land und erreichte 8,5 beziehungsweise 7,7 Prozent. Zum ersten Mal trat die AfD an. Sie schaffte auf Anhieb 5,1 Prozent im Bund und 3,3Prozent im Land.

          Die Grünen erreichten in Frankfurt insgesamt 16,7 Prozent
          Die Grünen erreichten in Frankfurt insgesamt 16,7 Prozent : Bild: F.A.Z.

          Den Erfolg bei den Zweitstimmen verdanken CDU und SPD einer starken Mobilisierung der eigenen Stammwähler. Das gilt vor allem für die Bundestagswahl, die trotz einer etwas schwächeren Beteiligung von 70,7 Prozent (minus 1,1 Punkte im Vergleich zu 2009) das Interesse an der Landtagswahl auf 70,5 Prozent deutlich erhöhte (plus 11,1 Punkte). Den mit 23,1 Punkten größten Zuwachs gab es in der Gruppe der 25 bis 34 Jahre alten Frauen, von denen diesmal 70,7 Prozent zur Landtagswahl gingen. Die höchste Wahlbeteiligung verzeichneten die Statistiker in Nieder-Erlenbach (82,7 Prozent für Bund und Land), das geringste Interesse gab es in Griesheim (56,8 im Bund und 57,1 Prozent im Land).

          Der Mobilisierungserfolg der Volksparteien lässt sich belegen: So schlug sich die CDU in allen Stadtteilen recht gut, besonders überzeugend aber in den Hochburgen im Nordosten wie Nieder-Erlenbach (46,2 Prozent) und Harheim (43,9). „Sie hat vor allem da zugelegt, wo sie ohnehin schon stark war“, heißt es in der Analyse des Wahlamts. Das gilt ähnlich für die SPD, die vor allem im Riederwald (41,8) und in Fechenheim (33,4) erfolgreich war. Während die CDU in der Landtagswahl in 33 von 44 Stadtteilen siegte (2009 waren es sogar 39 gewesen) und die SPD in zehn Stadtteilen gewann, wurden die Grünen nur im Nordend-Ost stärkste Kraft (27,5).

          Die Linke erreichte in Frankfurt insgesamt 7,7 Prozent
          Die Linke erreichte in Frankfurt insgesamt 7,7 Prozent : Bild: F.A.Z.

          Interessant ist ein Vergleich der beiden Wahl-Ebenen: Die Grünen schnitten in der Landtagswahl um rund 5700 Stimmen besser ab als in der Bundestagswahl, ein Indiz dafür, dass den Frankfurter Grünen-Wählern der Kurs der Bundesspitze weniger gefiel als der Kurs der Landesführung. Ähnliches gilt, wenngleich auf schwächerem Niveau, für die SPD, die im Land etwa 2400 Stimmen mehr erhielt als im Bund.

          Genau umgekehrte Werte zeigen sich für CDU und FDP, aber auch für die Linke und die AfD. So schnitt die CDU im Land rund 3750 Stimmen schwächer ab als im Bund, was den Schluss nahelegt, dass ihre Anhänger mit der Merkel-CDU zufriedener sind als mit der Bouffier-CDU. Dasselbe gilt für die FDP (rund 2300 Stimmen weniger), die Linke (knapp 2700 Stimmen) und die AfD (gut 5100 Stimmen).

          Die CFDP erreichte in Frankfurt insgesamt 6,3 Prozent
          Die CFDP erreichte in Frankfurt insgesamt 6,3 Prozent : Bild: F.A.Z.

          Vor allem mit Blick auf die Erststimmen steht der Gewinner der Wahlen in Frankfurt eindeutig fest. Alle acht Wahlkreise – zwei im Bund, sechs im Land – gehen an die CDU. Teils gelangen die Siege mit überzeugendem Vorsprung, denn die Bundestagskandidaten Erika Steinbach im Osten und Matthias Zimmer im Westen lagen mit 9254 und 9298 Stimmen vor ihren SPD-Herausforderern Ulli Nissen und Gregor Amann; Nissen wird über die Liste in den Bundestag einziehen.

          Bei den Landtagswahlkreisen ist das Bild differenzierter. Der hessische Innenminister Boris Rhein setzte sich in der CDU-Hochburg im Nordosten mit einem Abstand von 5829 Stimmen souverän gegen Andrea Ypsilanti durch, und auch Ralf-Norbert Bartelt (4089 Stimmen mehr als Turgut Yüksel) und Michael Boddenberg (4362 Stimmen mehr als Ralf Heider) triumphierten im zuvor als knapp prognostizierten Süden klar. Dagegen mussten Uwe Serke im Westen als Nachfolger von Alfons Gerling (1511 Stimmen mehr als Hubert Schmitt) und Bettina Wiesmann in der Grünen-Hochburg Nordend, Ostend, Bornheim (1487 Stimmen mehr als Jürgen Gasper) lange bangen. Dort konnte auch Marcus Bocklet von den Grünen trotz des mit 24 Prozent besten Erststimmenresultats nicht entscheidend punkten. Ein Herzschlagfinale erlebte der CDU-Politiker Ulrich Caspar: Am Ende rettete er einen Vorsprung von 95 Stimmen gegen den Sozialdemokraten Gernot Grumbach ins Ziel. Von der SPD werden Ypsilanti, Yüksel und Grumbach über die Liste in den Landtag einziehen.

          Die hiesigen Erkenntnisse zum Stimmensplitting belegen überdies eindrucksvoll, dass die Zweitstimmenkampagne der FDP gescheitert ist: Fast 95 Prozent der CDU-Wähler bei der Landtagswahl und fast 90 Prozent bei der Bundestagswahl gaben der eigenen Partei beide Stimmen – und besiegelten so auch in Frankfurt den dramatischen Niedergang der FDP zumindest ein wenig mit.

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