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Wahlen an der IHK Frankfurt : Frankfurter Kammer vor Generationswechsel

Altehrwürdige Einrichtung: Die IHK Frankfurt steht vor Neuwahlen. Bild: Ricardo Wiesinger

Im Frühjahr werden die Vollversammlungen der Industrie- und Handelskammern neu gewählt. In Frankfurt ist das Interesse groß. Und es sind auch erste Namen zu hören, wer dort Präsident werden könnte.

          Die Spitze der Industrie- und Handelskammer Frankfurt steht vor einem Generationswechsel. Wenn nach den Wahlen zur Vollversammlung im Frühjahr aus diesem Kreis das Präsidium und vor allem der Präsident oder die Präsidentin zu bestimmen sein werden, so wird man sich auf neue Namen und Gesichter einstellen müssen. Denn die Regelungen der Kammer erlauben jedem nur maximal zwei Wahlperioden in diesen Gremien, und von den gegenwärtig zehn Mitgliedern des Präsidiums haben nicht weniger als acht ihr Kontingent ausgeschöpft. Matthias Müller wird mithin nur noch bis April Präsident sein, auch seine beiden Stellvertreter Karen Hoyndorf (Compass Group) und Wolfram Wrabetz (Helvetia) dürfen nicht weitermachen. Von den sieben Vizepräsidenten wäre dies nur Dietmar Vogelsang (Vermögensberatung DV & P) möglich, der erst im April nachgerückt ist, und Angelika Zülch-Busold (Wacker’s Kaffee).

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Vor der Wahl des Präsidiums steht allerdings wie alle fünf Jahre die der Vollversammlung, zu der alle Mitgliedsunternehmen der Kammer aufgerufen sind, deren Gebiet sich auf die Stadt Frankfurt wie den Hochtaunus- und den Main-Taunus-Kreis erstreckt. Nach dem Ende der Frist für das Einreichen der Wahlvorschläge steht nun fest, dass sich um die 89 Plätze in der Vollversammlung, aus deren Mitte dann das Präsidium gewählt wird, 187 Unternehmer und Manager bewerben. Das sind 40 mehr als vor fünf Jahren. Die Zahl der Frauen ist ebenfalls gestiegen, von 26 auf 37, aber im Vergleich zur Gesamtzahl nach wie vor niedrig.

          Viele honorige Namen unter den Kandidaten

          Die Mitglieder der Vollversammlung werden in zwölf Wahlgruppen gewählt, wobei um die Plätze in unterschiedlichem Maße gekämpft wird. Für die 13 Sitze, die der Industrie zustehen, haben sich zum Beispiel 22 Kandidaten beworben, um die sieben Sitze des Einzelhandels 17.

          Viele honorige Namen finden sich unter den Kandidaten, Mainova-Chef Constantin Alsheimer, Stefan Messer von der Messer-Group, Joachim Stoll vom Einzelhandelsverband, Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler und Eva Wunsch-Weber, die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank zum Beispiel. Die Großbanken schicken wie gehabt regionale Vertreter ins Rennen, die Deutsche Bank etwa abermals Tilman Wittershagen. Geschäftsführer von Karstadt und Kaufhof treten nicht an. Nicht mehr auf der Liste findet sich die erwähnte Angelika Zülch-Busold, so dass also der Wechsel im Präsidium zwangsläufig noch größer ausfallen wird; allerdings kandidiert ihre Tochter Nicole Busold.

          Wahlen haben ihre eigenen Gesetze

          Die Frage, wer Müller als Präsident folgen wird, ist im Grunde zu früh gestellt. Die Wahlen zur Vollversammlung haben ihre eigenen Gesetze. Es sind in früheren Jahren schon bekannte Namen nicht zureichend angekreuzt worden; im Jahr 2004 fiel einmal sogar der Präsident, der damals Wolf Klinz hieß, bei der Wahl in die Vollversammlung durch, womit seine Amtszeit ein abruptes Ende fand. Insofern wagt sich derzeit niemand aus der Deckung. Zu hören sind am Finanzplatz als eventuelle Kandidaten für das Präsidenten-Amt die Namen von Binding-Chef Otto Völker, dem scheidenden CDU-Landtagsabgeordneten und Unternehmensberater Ulrich Caspar und der Unternehmerin Dagmar Bollin-Flade. Aber es können auch noch ganz andere Namen auftauchen, im Grunde bis zum letzten Moment vor der Wahl. Generell ist die Suche nach Präsidenten in Frankfurt wie auch in den anderen Kammern zuletzt eher schwierig gewesen, denn das Amt verspricht zwar Ruhm und Ehre, beansprucht allerdings auch viel Zeit. Ein Unternehmer oder Manager, der voll im Berufsleben steht, wird dies nicht leicht unter einen Hut bekommen.

          Anzeichen für eine Fraktionsbildung in der Vollversammlung finden sich bisher nicht. In den zurückliegenden Jahren hatte es zwar immer wieder einmal kritische Fragen an das Präsidium und die Geschäftsführung gegeben, vor allem wegen eines Beratervertrags mit dem Wiesbadener Rechtsanwalt Bernhard Lorenz, der schließlich sogar staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen diesen wie auch Müller auslöste, aber doch keine sich verfestigende Opposition. Dass die Vollversammlung allerdings auch anders kann, hatte sie 2007 gezeigt, als Präsident Joachim von Harbou nach schweren Auseinandersetzungen sein Amt vorzeitig aufgab.

          Bevor aber entschieden wird, wer Müller auf dem Sessel des Präsidenten nachfolgt und wer dem oder der Neuen als stellvertretender und als Vizepräsident zur Seite gestellt wird, müssen sich die Unternehmer und Manager der Region erst einmal entscheiden, wer sie in der Vollversammlung vertreten soll. Die Wahlbeteiligung ist erfahrungsgemäß niedrig, zuletzt lag sei bei gerade einmal 7,4 Prozent. Dabei müssen die Wahlberechtigten keine großen Mühen auf sich nehmen: Wahllokale sind nicht vorgesehen, man stimmt per Briefwahl oder, erstmals, sogar online ab. Gewählt wird vom 17. Januar bis zum 19. Februar, die konstituierende Sitzung der Vollversammlung ist für die erste Aprilhälfte vorgesehen. Wichtigster Tagesordnungspunkt dann: Wahl des Präsidenten/der Präsidentin.

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