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Wahl zur „Miss Frankfurt“ : Saftige Steaks und viel nackte Haut

Die neue Miss Frankfurt Alisia Ludwig nach der Krönung durch den ghanesischen König Céphas Bansah. Bild: Marcus Kaufhold

Etwas aus der Zeit gefallen: Bei der Wahl der „Miss Frankfurt“ müssen die Kandidatinnen zwei Präsentationen bewältigen, eine im Abendkleid, eine im Bikini. Die Gender-Debatte scheint weit weg – und ist doch ganz nah.

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          Am Ende ist es eine echte Frankfurterin geworden, eine von fünf unter den 20 Finalistinnen. Angetreten sind sie am Samstagabend im Gastgarten eines Italieners am Rande von Sachsenhausen – einem von jener Sorte, in dem sich jeder männliche Gast als „Dottore“ fühlen darf und die weibliche Begleitung als „Signora“ zur Dame von Welt wird. Man serviert Carpaccio oder saftiges Steak und Tagliatelle mit Trüffeln. Die Rennstrecke der Kellner wird an diesem Abend zum Laufsteg.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwei Präsentationen müssen die Kandidatinnen bewältigen, eine im Abendkleid, eine im Bikini. Die Jury ist durchaus divers besetzt, unter anderem mit Leonardo Aponte, einem Casting-Show-Sänger, dem aus Ghana stammenden König Cephas Bansah, der in Ludwigshafen eine Auto-Werkstatt betreibt, Deutschlands jüngstem Profiboxer Luca Cinqueoncie aus Offenbach, dem Schauspieler Prashant Jaiwal und den Repräsentanten zweier Autohäuser und Bauunternehmen, die den Abend sponsern. Insgesamt sind es sieben Männer und vier Frauen, eine Boutiquebetreiberin, eine Bloggerin und eine Radiomoderatorin aus Aschaffenburg sowie Saida Rovcanin aus Darmstadt. Sie hat es immerhin zum „Topmodel of the World“ gebracht.

          Alles wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Feminismus, Me Too- und Genderdebatte scheinen weit weg. Veranstalter William Balser, der Damen gerne den Arm um die Schultern legt, berichtet allerdings, dass sich das Umfeld der Miss-Wahlen verändert habe. Konkurrenzveranstalter setzten nur noch auf Online-Voting, er aber bevorzuge das Life-Erlebnis, das den Leuten „etwas zum Anfassen“ biete, statt bearbeiteter Fotos im Netz. Er setzt auch allein auf Frauen. Für Mister-Wahlen gebe es zu wenige Bewerber, sagt Balser. Selbst zur „Miss“ dränge es nicht mehr so viele wie früher, oft seien es eher Frauen aus Südamerika und Osteuropa, die sich bewürben. „Die haben mehr Spaß daran, auch mal eine Lady zu sein.“ Die Bewerberinnenliste mit Namen wie Paola, Antonella, Milica und Iryna belegt das.

          Den Leuten „etwas zum Anfassen“ bieten

          Das Spektakel beginnt, angereichert mit Einlagen des einstigen MilliVanilli-Sängers Charles Shaw. 20 hübsche Frauen im Alter von 19 bis 36 Jahren stolzieren – egal ob 1,58 oder 1,77 Meter groß – auf mindestens zehn Zentimetern Absatz und mehr oder minder versiert über den roten Teppich und vollführen vor der Jury kleine Posen. Angesichts atemberaubender Beinschlitze und Dekolletés bleibt manchem der Mund offen und der saftige Fleischbissen auf der Gabel sinkt zum Teller. Moderator Lutz Riemenschneider, der „den Primitivo“ im Glas besonders empfiehlt, verraten die Damen beim Kurzinterview etwas über Hobbys und soziales Engagement. Riemenschneider lobt später geradezu schwärmerisch eine „begnadete Cellistin“, als diese im Bikini posiert. Die Jurymitglieder machen es sich nicht leicht, schließlich kommt es ja, wie sie betonen, vor allem auf die Ausstrahlung an. König Bansah gibt sich salomonisch: „Jedes Kind ist für seine Eltern das schönste.“

          Am Ende darf er der frisch gekrönten Alisia Ludwig ein royales Küsschen geben. Die Zwanzigjährige mit blonder Mähne strebt nach ihrer Schwimm- nun eine Modelkarriere an. Auf dem zweiten Platz landet Naima Diesner, eine 29 Jahre alte Ärztin aus Kassel, und den dritten Platz erringt Lalaine Quintana Mahler, eine 19 Jahre alte Schülerin aus dem Schwäbischen. Sie dürfen nun überregional zu Miss-Wahlen antreten.

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