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Wahl des CDU-Bundesvorsitz : Entscheidung zwischen Kopf, Herz und Bauch

Kippelig: Ob Merz, Kramp-Karrenbauer oder Spahn die Bundes-CDU führt, entscheiden auch hessische Parteifreunde. Bild: Frank Röth

Wenige Tage vor der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden haben sich längst nicht alle Parteitagsdelegierten aus Hessen festgelegt. Mancher hofft bis zuletzt auf Inspiration.

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          Sara Steinhardt wird in letzter Zeit öfter zur Seite genommen. „Du bist doch Delegierte“, so beginnt das Gespräch meistens. „Da musst Du doch den Merz wählen“, kommt dann als nächstes. Oder aber der zweite Satz lautet: „Du wirst ja wohl AKK deine Stimme geben.“ Steinhardt, die von Donnerstag an den Frankfurter Kreisverband während des CDU-Bundesparteitags in Hamburg vertreten wird, muss lachen, wenn sie das erzählt. Denn für viele Parteifreunde scheint glasklar zu sein, wer die Nachfolge von Angela Merkel antreten soll. Für sie nicht. „Es kann sein, dass ich mich erst bei der geheimen Wahl am 7. Dezember aus dem Bauch heraus entscheide“, sagt die 32 Jahre alte Lehrerin. Sie gehört zu den wenigen der etwa 1.000 Parteitagsdelegierten, die Politik nicht hauptberuflich betreiben.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Steinhardt sitzt in ihrer Wohnung im Frankfurter Stadtteil Gallus. Ihre 16 Monate alte Tochter hat Spaß daran, den Deckel einer Getränkepackung immer wieder auf den Boden zu werfen. Für die Bildungspolitikerin ist immerhin eins klar: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird die Stimme nicht bekommen. Eigentlich schade, findet Steinhardt. Denn Spahn, der mit 38Jahren deutlich jünger ist als CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, 56, und Wiedereinsteiger Friedrich Merz, 63, finde sie im Prinzip gut. Doch Spahn liege so weit hinten in der Gunst der CDU-Mitglieder, dass viele Delegierte ein Votum für ihn als verschenkte Stimmen werten dürften. „Spahn ist bei vielen schon raus, weil er keine Chance hat.“

          Eine Hand für Spahn

          Favorit im Frankfurter Kreisverband ist Merz. Zumindest wenn eine Probeabstimmung während einer Mitgliederversammlung neulich der Gradmesser ist. Von den 50 Teilnehmern, die angesichts der Bedeutung dieser Personalie eine geradezu verschwindend kleine Gruppe unter den knapp 3.000 CDU-Mitgliedern bildeten, waren 39 pro Merz, zehn für Kramp-Karrenbauer, lediglich ein Mitglied hob die Hand für Spahn.

          Sara Steinhardt war auch dort. Sie sagt, es habe sie überrascht, mit welcher emotionalen Vehemenz manche Kramp-Karrenbauer rundheraus abgelehnt hätten. Mit dieser „zweiten Merkel“, so habe zum Beispiel ein älterer Mann geklagt, werde Deutschland in die nächste Flüchtlingskrise schliddern. Merz hingegen stehe für „alte Werte“. Ein Gegner von Merz wiederum begründete die Ablehnung mit der Sorge, unter dem früheren Fraktionsvorsitzenden im Bundestag werde aus der CDU demnächst eine „AfD light“ werden. Allein diese kleine Beobachtung zeigt, dass sich der Bundesvorsitz im Kern an der Bewertung der Flüchtlingsfrage entscheiden wird. Findet die CDU in Mehrheit das, was Kanzlerin Angela Merkel 2015 betrieb, nach wie vor in Ordnung und dokumentiert das mit einer Wahl der loyalen Merkel-Mitstreiterin Kramp-Karrenbauer? Oder nutzt eine Mehrheit den Parteitag zu einer Abrechnung mit Merkel – und wählt allein deshalb schon Merz?

          An neuem Feindbild abarbeiten

          Steinhardt hört sich seit Wochen alle Argumente an. „Die Vielfalt der Meinungen nehme ich mit nach Hamburg“, sagt sie. Am Vorabend der Wahl gibt es noch diverse Treffen in Hamburg. Unter anderem setzen sich die 88 hessischen Delegierten in einem Saal des Hotels Möwenpick zusammen. Auch da wird Steinhardt genau hinhören. Die elf Frankfurter Delegierten sind aber an keinerlei Vorgabe gebunden: Sie dürfen frei entscheiden. Keinesfalls, so findet Steinhardt, dürfe ein Sieg Kramp-Karrbauers oder ein Merz-Triumph dazu führen, dass das jeweils unterlegene Lager sich an einem neuen Feindbild abarbeite.

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