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Wählerverhalten : Feldmann punktet vor allem in grünen Stadtteilen

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Besonders gut abgeschnitten hat Peter Feldmann vor allem in den fluglärmgeplagten südlichen Stadtteilen, den meisten Innenstadtteilen und seinem Heimatstadtteil Bonames Bild: F.A.Z.

Für den neuen Oberbürgermeister stimmten viele Wähler der im ersten Durchgang ausgeschiedenen Kandidaten. Boris Rhein erreichte nur in acht von 44 Stadtteilen eine Mehrheit.

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          Vielleicht wäre alles anders gelaufen, hätte Daniel Cohn-Bendit nichts gesagt. Womöglich wäre dann eingetreten, was der Politikwissenschaftler Jürgen Falter vor dem entscheidenden Durchgang der Wahl des Frankfurter Oberbürgermeisters prophezeit hatte und was der für Statistik zuständige Stadtrat Volker Stein (FDP) gestern bei der Vorstellung der Wahlanalyse wiederholte: Die 24.000 Frankfurter, die im ersten Wahlgang für die Grünen-Kandidatin Rosemarie Heilig gestimmt hätten, würden sich in der Stichwahl in drei etwa gleich große Gruppen aufteilen, hieß die Prognose. Ein Drittel werde Peter Feldmann (SPD) unterstützen, ein Drittel Boris Rhein (CDU), und der Rest werde gar nicht zur Wahl gehen.

          Tatsächlich hat die Mehrheit der Grünen-Wähler laut den detaillierten Ergebnissen der Stichwahl nur eine Alternative gesehen: nicht wählen oder Feldmann wählen. „Die Grünen sind dem Aufruf des Alt-Fundis gefolgt“, kommentierte Stein das in Anspielung auf Cohn-Bendit. Der grüne Europaabgeordnete hatte vor der Stichwahl geäußert, auf keinen Fall für Boris Rhein stimmen zu wollen. In der Wahl am 11.März lag Feldmann noch 10.509 Stimmen hinter Rhein, in der Stichwahl hat er dieses Ergebnis zu einem Vorsprung von 23.663 Stimmen umgedreht. Besonders gute Ergebnisse erzielte Feldmann in den Bezirken, in denen die Grünen im ersten Durchgang einen hohen Stimmenanteil erzielt hatten. So gewann er beispielsweise im Nordend-West 2259 Stimmen hinzu, Rhein aber nur 186. Doch auch in Oberrad, Niederrad und Schwanheim, in den Stadtteilen also, in denen am 11.März viele Wähler für die Flughafenausbaugegnerin Ursula Fechter votiert hatten, klafften die Zugewinne von Feldmann und Rhein weit auseinander. Der SPD-Kandidat konnte seinen Stimmenanteil hier durchgängig auf mehr als 60Prozent verbessern. „Feldmann vereinigte fast ausschließlich die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten auf sich“, sagte Stein zu diesen Ergebnissen.

          Auch in CDU-nahen Bezirken konnte Feldmann deutlicher zulegen

          Vielleicht also hatte Cohn-Bendits Wortmeldung auch gar nicht so viel Gewicht: Allein die Kandidaten von FAG, den Linken und den Piraten vereinten im ersten Wahlgang 20.000 Stimmen auf sich. „Allein diese Wähler hätten ausgereicht, um Feldmann einen Stimmenvorsprung zu verschaffen“, sagte Stein. Denn Feldmann hat auch in den Bezirken, wo die Wähler am 11.März noch überdurchschnittlich häufig für die Piraten und die Linke stimmten, besonders gut abgeschnitten. So kam er im Gutleut- und Bahnhofsviertel auf 63,5 Prozent, wo er im ersten Wahlgang nur 30,7 Prozent erreichte.

          Aber auch in den Stadtteilen, in denen die CDU stark ist, konnte Feldmann deutlicher zulegen als sein Konkurrent. Rhein bekam nur in acht von 44 Bezirken die Stimmenmehrheit, darunter sind vor allem nördliche Quartiere wie Harheim, Kalbach-Riedberg und Rheins Wohnbezirk Nieder-Eschbach. Insgesamt aber konnte Feldmann auch in den CDU-freundlichen Wahlbezirken 20 Prozent an Stimmen zulegen. Rhein gewann nur fünf Prozent. Insgesamt ist es dem hessischen Innenminister offenbar schwergefallen, seine Wähler abermals zu mobilisieren: In zwei Stadtteilen, im Riederwald und in Sindlingen, hat Rhein gegenüber der Hauptwahl sogar Stimmen verloren.

          Das besonders schwache Abschneiden Rheins in den meisten Innenstadtteilen bestätigt den derzeitigen Ruf der CDU, keine Großstadtpartei zu sein
          Das besonders schwache Abschneiden Rheins in den meisten Innenstadtteilen bestätigt den derzeitigen Ruf der CDU, keine Großstadtpartei zu sein : Bild: F.A.Z.

          Boris Rhein schnitt bei Senioren besser ab bei jungen Menschen

          In den Wahlbezirken, in denen Boris Rhein die Stimmenmehrheit hat, war die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich hoch. In Nieder-Erlenbach lag sie bei 51 Prozent, in Harheim bei 49,2. Auch die schon am 11.März wahlfreudigen Sachsenhausener gingen bei einer Beteiligung von 41,6 Prozent häufiger zur Wahl als die Menschen im Rest der Stadt: Insgesamt sank die Wahlbeteiligung gegenüber dem ersten Durchgang um 2,4 Punkte auf 35,1Prozent. Damit war sie immer noch höher als bei der Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2007.

          Die Wahlanalyse nach Alter und Geschlecht beruht auf einer repräsentativen Stichprobe in 24 ausgewählten Wahlbezirken. Bei den jüngeren Wählern konnte Feldmann knapp zwei Drittel bis zu fast drei Viertel der Stimmen auf sich vereinen. Am höchsten lag sein Ergebnis mit 76,5 Prozent bei den 18 bis 24 Jahre alten Männern. Boris Rhein schnitt bei Senioren besser ab bei jungen Menschen. Im ersten Wahlgang hatte er hier noch deutlich vor Feldmann gelegen. Jetzt konnte er nur bei den weiblichen Wählern, die älter als 60Jahre sind, mit 50,1Prozent die absolute Mehrheit erreichen.

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