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Wähler flüchten in alle Richtungen : Rentsch kontra Hahn: FDP-Vorstand soll gehen

  • Aktualisiert am

Bruderzwist: Hessen-FDP-Chef Hahn (links) und Vorstandsmitglied Rentsch streiten in der Frage, ob das Führungsgremium zurücktreten soll - Rentsch ist dafür Bild: dpa

Landeschef Hahn will keine Debatte über einen kompletten Neuanfang in der Hessen-FDP. Dagegen will Minister Rentsch einen Rücktritt des Vorstands, dem er selbst angehört. Derweil zeigt eine Analyse: Die FDP hat Wähler sogar an die Linke verloren.

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          Nach der schweren Niederlage der Hessen-FDP bei der Landtagswahl hat Wirtschaftsminister Florian Rentsch den Rücktritt des Landesvorstands gefordert. „Ich glaube, das ist das erste, was man nach einer Wahl wie dieser machen muss“, sagte der FDP-Politiker in Wiesbaden. Bei Stimmverlusten wie denen der FDP müsse die Parteiführung die Verantwortung übernehmen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einfach jetzt auch in dieser Frage zur Tagesordnung übergehen.“

          Die Liberalen hatten bei den Wahlen am Sonntag massiv an Stimmen eingebüßt und waren mit 5,0 Prozent nur knapp in den Landtag eingezogen; der zuletzt ausgezählte Wahlkreis Rheingau-Taunus II brachte mit 6,1 Prozent für die FDP die Wende. Doch auch mit diesem Ergebnis hat eine schwarz-gelbe Koalition in Hessen keine Mehrheit, die bislang mitregierende FDP muss auf die Oppositionsbank.

          „Zweitstimmenkampagne ein Fehler“

          Rentsch, stellvertretender FDP-Landesvorsitzender, sprach von einer katastrophalen Niederlage für seine Partei. Als einen Fehler bezeichnete er die Zweitstimmenkampagne seiner Partei. „Dass das nicht sehr sexy ist, eine Partei zu wählen, die darum bittet, gewählt zu werden, glaube ich, ist auch klar.“ Die Abhängigkeit von der Union sei nicht sehr motivierend gewesen.

           Wählerwanderung bei der Landtagswahl Hessen
          Wählerwanderung bei der Landtagswahl Hessen : Bild: dpa

          Die FDP müsse auf Bundes- und Landesebene neu aufgebaut werden, forderte Rentsch. Der ehemalige Generalsekretär Christian Lindner sei für ihn der geeignete Kandidat für den Parteivorsitz im Bund, um die FDP programmatisch neu aufzustellen und auch neu zu positionieren. „Das ist eine sehr, sehr schicksalhafte Situation für die FDP.“

          Beratungen in Oberursel

          Wie es im Land weitergehe, werde ein Parteitag im November entscheiden. Derzeit sei es zu früh, über einzelne Personalien zu sprechen. Er selbst habe sich noch nicht entschieden, wie es für ihn persönlich weitergehe, sagte Rentsch.

          Nach dem Einbruch um mehr als elf Punkte im Vergleich zum Spitzenergebnis 2009 hatte Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn am Montagmorgen zunächst noch gesagt, er wolle keine Debatte über einen kompletten Neuanfang in der Landes-FDP anfachen. Es wird erwartet, dass die hessischen Liberalen über die personellen Konsequenzen aus der Wahlschlappe noch am Montagabend bei ihrer Sitzung in Oberursel entscheiden werden.

          FDP-Wähler flüchten in alle Richtungen - sogar zur Linken

          Die FDP hat bei der hessischen Landtagswahl Wähler an alle anderen im Parlament vertretenen Parteien verloren, sogar an die Linke. Insgesamt seien 68 Prozent der Wähler ihren Parteien treu geblieben, ein knappes Drittel wechselte, hieß es in der am Montag veröffentlichten ARD-Wahlanalyse von Infratest dimap. Die FDP, die von 16,2 auf 5 Prozent abstürzte, verlor demnach im Vergleich zur vorherigen Abstimmung insgesamt 263.000 Wähler.

          Der Großteil wandte sich anderen Parteien zu. 75.000 FDP-Wähler wechselten unter dem Strich zur CDU, 48.000 zur SPD, 17.000 zu den Grünen und 13.000 zu den Linken. Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) zog 20.000 frühere FDP-Sympathisanten an.

          47.000 Wähler mussten die Grünen der Analyse zufolge unter dem Strich an die SPD abgeben, 10.000 an die Linke und ebenfalls 10.000 an die AfD sowie 5000 an die CDU. Zur AfD wechselten auch 15.000 Wähler der CDU, 10.000 der Grünen, 8000 der Linken und 7000 der SPD.

          Alle Parteien konnten den Angaben zufolge Nichtwähler mobilisieren, nur nicht die FDP. Die CDU gewann so 169.000 Stimmen hinzu, die SPD 167 000. Auch Grüne (plus 32.000), AfD (plus 31.000) und Linke (plus 23 000) profitierten von der gestiegenen Wahlbeteiligung. Sie lag am Sonntag bei 73,2 Prozent und damit so hoch wie seit 1987 nicht mehr. (dpa)

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