https://www.faz.net/-gzg-a2izb

Kampf gegen Obstdiebe : Wächter für Wiesen und Felder

Selbstbedienung: Auf Oberrads Feldern wird oft Gemüse gestohlen, Anwohner fordern auch hier einen Feldschütz. Bild: Lando Hass

Immer wieder entsorgen Bürger Müll in der Natur oder stehlen Obst von Streuobstwiesen. In mehreren Frankfurter Stadtteilen fordern Lokalpolitiker jetzt einen Feldschütz.

          2 Min.

          Um Grünflächen, Streuobstwiesen oder Landschaftsschutzzonen besser schützen zu können, empfiehlt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, den Einsatz von Feldschützen. Diese könnten dabei helfen, dass auf solchen Flächen kein Müll abgeladen wird oder sie trotz Verbots betreten werden. Auch dem Diebstahl von Obst oder Gemüse auf Feldern könne so ein Riegel vorgeschoben werden. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Stadt Feldschütze einsetzen würde“, sagte Rothenburger in der Sitzung des Ortsbeirats in Harheim.

          Bernd Günther
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rund um den Stadtteil gibt es Äcker und Streuobstwiesen, am Erlenbach außerdem Landschaftsschutzzonen. „Wir bekommen zunehmend Hinweise auf illegale Eingriffe und Handlungen in der Natur“, sagte Ortsvorsteher Frank Immel (CDU). Er berichtete von illegal abgeladenem Müll und Autoreifen und davon, dass viele Bürger mit ihren Autos auf den Feldwegen fahren und parken würden. Zudem liefen viele Hunde unangeleint herum, deren Hinterlassenschaften auf den Feldern liegen bleiben würden.

          „Das größte Problem ist aber der Diebstahl von Obst und Gemüse“, sagte Stefan Quirin (CDU). Seiner Meinung nach handelt es sich bei den Tätern nicht um Gelegenheitsräuber, sondern um professionell organisierte Diebesbanden. Ganze Obstbäume würden abgeerntet, das passiere häufig nachts. Der Sprecher der Naturschutz- und Jägervereinigung Harheim, Manfred Bockenheimer, sprach von „täglichen Verstößen“ in den Streuobstwiesen. Ertappte Diebe, die auf ihr Handeln angesprochen würden, reagierten uneinsichtig und meinten, dass das Obst doch der Allgemeinheit gehöre, berichtete Bockenheimer. Er appellierte an die „Zivilcourage“ der Bürger. Wer mitbekomme, dass Obst gestohlen werde, sollte das bei der Polizei anzeigen. Allein deshalb schon, damit solche Vorfälle statistisch erfasst würden und das Ausmaß des Problems erkannt werde.

          Viele Verstöße gegen Landschaftsschutzverordnung

          Um Obst- und Ernte-Diebstahl vorzubeugen, verteilt die Naturschutzbehörde nach Angaben von Rothenburger Absperrbänder an Landwirte. Die Bänder könnten um Felder und Obstbäume gespannt werden und seien mit mahnenden Sprüchen wie „Das ist meine Ernte“ oder „Nur schauen, nicht klauen“ bedruckt. Rothenburger listete zahlreiche Verstöße auf: Autofahrten auf Feldwegen seien genehmigungspflichtig, das Abladen von Müll, der Bau von Hütten und auch nicht genehmigte Baumfällungen seien Verstöße gegen die Landschaftsschutzverordnung und würden von seiner Behörde mit Bußgeldverfahren geahndet. „Wir sind aber auf Hinweise und Zeugen angewiesen.“

          Personell sei es nicht möglich, jeden Verstoß zu verfolgen, Schwere und Folgen der Delikte müssten hier abgewogen werden. „Der reine Apfel-Klau ist zudem kein Eingriff in die Natur, sondern schlicht Diebstahl und somit Sache der Polizei.“ Rothenburger berichtete weiter, dass es nicht nur schwierig, sondern zunehmend gefährlich sei, ertappte Obsträuber oder Umweltsünder auf ihre Taten anzusprechen. Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde erlebten häufig bedrohliche Situationen. „Wir lassen deswegen keinen Mitarbeiter mehr allein ins Feld“, so Rothenburger.

          Ein Feldschütz, der die Landschaft kenne und als Autoritätsperson auf Feldern und Wiesen nach dem Rechten schauen könne, wäre hilfreich, meint Rothenburger. Eine einzelne Kraft reiche aber nicht aus, ein Team von Feldschützen wäre erforderlich. Rothenburger wies darauf hin, dass der Einsatz von Feldschützen Sache des Ordnungsamtes sei. Die Stadtpolizisten könnten aber nicht regelmäßig kontrollieren. Es sei eine politische Entscheidung, zusätzliche gesonderte Kräfte für den Feldschutz bereitzustellen. Der Ortsbeirat unterstützt dies. Einstimmig forderten die Fraktionen den Magistrat auf, eine regelmäßige Überwachung der Felder und Wiesen zu ermöglichen.

          Weitere Themen

          150 Euro mehr für Ärmere

          Sozialhilfe : 150 Euro mehr für Ärmere

          Der Lockdown hat besonders arme Menschen hart getroffen. Jetzt erhalten in Frankfurt Empfänger von Sozialleistungen eine Einmalzahlung. Ein Antrag ist dafür nicht nötig.

          Misstöne statt Harmonie in Frankfurt

          Koalitionsverhandlungen : Misstöne statt Harmonie in Frankfurt

          Eine Zielgerade kann sehr lang werden: Die künftigen Koalitionäre können sich vor allem beim Personal noch nicht einigen. Bald ist die selbstgesetzte Frist verstrichen.

          Topmeldungen

          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.