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Vorwürfe nach Sprengung des Uni-Turms : „Wir lassen uns nicht erpressen“

„Heftig, aber kurz“: Der zulässige Tageswert für Feinstaub wurde nur leicht überschritten. Bild: Marcus Kaufhold

Die Sprengung des Frankfurter Uni-Turms soll noch zwei Tage davor auf der Kippe gestanden haben. Der ABG-Geschäftsführer Frank Junker hält dem Eigentümer des Marriott-Hotels nun vor, die Sprengung behindert zu haben.

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          Vor eineinhalb Wochen ging der Uni-Turm auf dem Campus Bockenheim wie geplant in die Knie. Doch diese „Bilderbuchsprengung“, wie sie der Sprengmeister später nannte, stand noch zwei Tage zuvor auf der Kippe. Nach Angaben der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG, der das Gelände gehört, und der beauftragten Abbruchfirma AWR hat der Eigentümer des benachbarten Marriott-Hotels gedroht, die Sprengung zu verhindern. ABG-Geschäftsführer Frank Junker zufolge stellte die RFR Management GmbH eine Art Ultimatum. Sie habe mit rechtlichen Schritten gegen die Sprengung gedroht, sollten ABG und AWR nicht bis Freitag, 31.Januar, 17Uhr, auf ihre Forderungen eingehen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter anderem sollten ABG und AWR demnach bestätigen, dass das Gebäude mängelfrei ist und für alle etwaigen Schäden sowie für potentielle Mietausfälle aufkommen. Außerdem habe RFR eine Art Aufwandsentschädigung von rund 20.000 Euro verlangt.

          Zu hohe Aufwandsentschädigung

          Junker und AWR-Geschäftsführer Ilmi Viqa ließen die Frist verstreichen. Der Turm wurde zwei Tage später um 10Uhr nach Plan gesprengt. Der Sprengmeister drückte dabei auf der Senckenberganlage auf den Zündknopf und nicht, wie vorgesehen, auf dem Dach des Marriott-Hotels. ABG, AWR und RFR waren sich über die Nutzung der Dachterrasse nicht einig geworden.

          Abwärts: Innerhalb weniger Sekunden stürzte der AfE-Turm zusammen Bilderstrecke

          Noch drei Tage vor der Sprengung waren ABG und AWR davon ausgegangen, dass der Sprengmeister die gute Sicht vom Marriott-Turm aus nutzen dürfe. „Es wurden aber Bedingungen gestellt, die wir nicht unterschreiben wollten. Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte Junker. Er kritisierte besonders die hohe Aufwandsentschädigung, die er als „Gesprächsgebühr“ bezeichnete. „In einem überschaubaren Markt wie Frankfurt sollte man fair miteinander umgehen.“ AWR-Geschäftsführer Viqa zufolge hatte man sich mit vier anderen Nachbarn problemlos geeinigt. „Natürlich wären wir für alle von uns verursachten Schäden aufgekommen.“

          Geldbetrag als Spende gedacht

          Der Eigentümer RFR widerspricht dieser Darstellung: Man habe wegen der Nähe des „Westendgate“ genannten Hotel- und Büroturms Sicherheitsvorkehrungen vertraglich regeln wollen. Die Aufwandsentschädigung hänge mit „Organisation und Koordination“ der Sprengung vom Dach aus zusammen. Hätte die AWR die Sprengung von dort aus ausgelöst, hätte man die gesamte Gebäudetechnik herunterfahren müssen, teilte eine Sprecherin mit. Das Unternehmen habe den Betrag für eine soziale Einrichtung der Stadt spenden wollen. Außerdem hätte die ABG laut Vereinbarung nur für Sprengschäden haften sollen. Diese Haftungserklärung sollte bis Freitag, 17Uhr, unterschrieben werden. An dem Gebäude sind nur zwei Fensterscheiben zu Bruch gegangen.

          Auch wurde bekannt, dass die ABG mit der Sprengung keinen finanziellen Gewinn gegenüber einem herkömmlichen Abriss gemacht hat. Die Kosten liegen Junker zufolge „in mittlerer siebenstelliger Höhe“, also bei rund fünf Millionen Euro. Darin enthalten sind Kosten für Gutachten, seismographische und statische Untersuchungen, Versicherungen und die Sicherung der Sprengstelle. Auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat laut Junker eine Rechnung an die ABG gestellt. Der U-Bahn-Tunnel unter der Senckenberganlage war am Tag der Sprengung einige Stunden lang gesperrt.

          Inzwischen liegen auch erste Ergebnisse des Instituts für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität vor, das die Staubwolke nach der Sprengung untersucht hat. Zwar steht das Ergebnis der chemischen Analyse der Staubwolke erst in einigen Wochen fest. Der Tageshöchstwert für die Feinstaubbelastung sei aber nur geringfügig überschritten worden: „Die Staubwolke war heftig, aber kurz“, sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Andrea Wagner.

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