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Vorstandschef geht : Zeitenwende bei Hauck & Aufhäuser

Michael Schramm, seit 2010 Sprecher der Geschäftsführung, verlässt Hauck & Aufhäuser Bild: Eilmes

Michael Schramm verlässt Hauck & Aufhäuser. Damit gehen für die Frankfurter Privatbank wechselvolle Jahre zu Ende. Der Bankenplatz verliert einen markanten Kopf.

          Dem klassischen Bild des Privatbankiers hat Michael Schramm nie entsprochen. An Tagen, an denen vormittags das Bankhaus Metzler seine Geschäftszahlen vorlegte und abends Hauck & Aufhäuser, sah man an den Spitzen der zwei traditionsreichsten Frankfurter Privatbanken zwei Unternehmenslenker, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten: Friedrich von Metzler, der Patriarch, der jedes Wort mit Bedacht wählt, bescheiden, leise und stets höflich auftritt - und Michael Schramm, der Manager, der gerne, viel und laut über seine Pläne und Erfolge spricht. Und bei Nachfragen schon einmal etwas ungehobelt zurückpoltert.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun gab die Bank bekannt, dass Schramm, seit 2010 Sprecher der Geschäftsführung, Hauck & Aufhäuser verlässt. Damit gehen am Unternehmenssitz an der Frankfurter Kaiserstraße bewegte Jahre zu Ende. Sechs Partner haben die Bank in den vergangenen vier Jahren verlassen, einige aus Altersgründen, aber einige auch, wie Volker van Rüth und Hanns-Alexander Klemm, im mehr oder weniger offenen Streit mit dem eigensinnigen und selbstbewussten Schramm.

          Der neue Chefaufseher

          Künftig soll Hauck & Aufhäuser von den drei Partnern Michael Bentlage, Jochen Lucht und Stephan Rupprecht gleichberechtigt geführt werden, wobei Lucht nach dem Ausscheiden Schramms der letzte verbleibende persönlich haftende Gesellschafter sein wird. „Wir freuen uns, mit der neuen Führungsmannschaft eine perfekte interne Lösung gefunden zu haben, die für Kontinuität in der weiteren erfolgreichen Entwicklung des Hauses steht“, kommentierte Wolfgang Deml den Personalwechsel.

          Deml ist seit Mai 2011 Aufsichtsratsvorsitzender der Bank. Er folgte auf den einstigen Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer, der das Kontrollgremium über Jahre geleitete hatte. Deml war lange Vorstandsvorsitzender des Großhandelskonzerns Baywa. Kenner von Hauck & Aufhäuser berichteten gestern, dass der neue Aufsichtsratschef seine Kontrollfunktion weit stärker wahrnahm als sein Vorgänger - und dass Schramm mit dieser neuen Form der Einmischung offenbar nicht zurechtgekommen sei.

          Unter den Eigentümern der Bank genoss Schramm stets hohes Ansehen. Sie ließen ihm viel Spielraum in der Bank und unterstützten seinen Kurs. Schließlich war er 2006 im Alter von nur 36 Jahren von der Berenberg-Bank abgeworben worden, weil er dort innerhalb weniger Jahre mit seiner offensiven Art die Geschäfte erheblich ausgebaut hatte. Erst im September 2010 wurde für ihn der neue Titel Sprecher der Geschäftsführung eingeführt. Der Hanauer Unternehmer Jürgen Heraeus, Vorsitzender des Aktionärsausschusses, war damals voll des Lobes: „Herr Schramm hat in den vergangen Jahren den Umbau des traditionsreichen Bankhauses Hauck & Aufhäuser zu einer Unternehmerbank erfolgreich vorangetrieben. Er hat das Dienstleistungsangebot für die Kunden deutlich erweitert und damit das Haus auch wirtschaftlich auf noch stärkere Beine gestellt.“

          Tatsächlich hat Schramm trotz aller Kontroversen einiges erreicht, viel verändert hat er in jedem Fall. Vor allem den Wandel der Aktionärsstruktur kann er sich auf die Fahne schreiben. Denn nach dem Ausscheiden großer institutioneller Investoren wie der BayernLB, der WWK-Versicherung und der MV-Versicherungsgruppe aus dem Aktionärskreis, gelang es ihm, das Haus zu einer „Bank von Unternehmern für Unternehmer zu machen“ und große Industriellenfamilien als Eigentümer zu gewinnen. Neben Heraeus beteiligten sich bald die „Jägermeister“-Familie Mast an der Bank sowie der Solarworld-Gründer Frank Asbeck, der ehemalige Merck-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Langmann und der Renolit-Gesellschafter Hansjakob Müller.

          Polarisierender Bankchef

          Bei all diesen Erfolgen dürfte Schramm sein direktes, kumpelhaftes Auftreten eher geholfen haben. Von der Geschäftsanbahnung mit der Familie Mast berichtete Schramm einmal ausführlich vor Pressevertretern: von Abenden, an denen diverse Flaschen „Jägermeister“ geleert und Schachpartien ausgefochten wurden.

          Doch nicht alles, was der rührige Manager anfasste, wurde zu Gold. Und weil er sehr viel ausprobierte und immer wieder personelle Veränderungen bekannt gegeben wurden, wirkte sein Führungsstil nach außen oft eher fahrig als erfolgreich. So musste Schramm beim Versuch, über den Kauf der Frankfurter Investment-Boutique Cazenove mehr Geschäft für Unternehmen anzubieten, bald wieder zurückrudern, weil es nicht so anlief, wie er es sich gewünscht hatte. Zuletzt vermeldete die Privatbank mit gut 600 Mitarbeitern für 2011 einen Bilanzgewinn von 12,9 Millionen Euro, nach 9,1 Millionen im Jahr davor. In jedem Fall verliert der Finanzplatz einen polarisierenden Bankenchef.

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