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Vorstand gewählt : Hessische AfD versucht den Neufang

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Draußen: Albrecht Glaser (rechts) und Eberhard von dem Bussche, bisher im hessischen AfD-Vorstand, fielen in Friedberg bei der Stichwahl durch Bild: Kretzer, Michael

Die hessische AfD hat wieder einen Vorstand: Vorsichtshalber hatten die Delegierten schon vor der Mitgliederversammlung die Abschaffung des Quorums bestimmt. Bisherige Vorstandsmitglieder fielen durch.

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          Bevor die Mitglieder der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) an diesem Samstag endlich in den Saal der Stadthalle in Friedberg dürfen, ist ein entscheidender Beschluss schon gefasst worden: Es gibt bei den Vorstandswahlen kein Quorum mehr. Damit haben die Delegierten bei ihrer Sitzung direkt vor Beginn der Mitgliederversammlung vielleicht verhindert, dass zum zweiten Mal die Vorstandswahl platzt. Bei dem letzten Treffen vor drei Wochen hatten so viele Mitglieder den  Raum verlassen, dass der Parteitag wegen des Quorums nicht mehr beschlussfähig gewesen war. Zuvor war der komplette alte Vorstand zurückgetreten.

          Am Ende des Parteitages in Friedberg gibt es nun endlich einen
          neuen Vorstand, als Sprecher werden nach einer Stichwahl der 62 Jahre alte Volker Bartz aus Linden, der zehn Jahre jüngere Gunther Nickel und der 43 Jahre alte Simon Roger aus Wiesbaden gewählt. Insgesamt hatten 13 Männer kandidiert. Roger war bereits im alten Vorstand als Sprecher aktiv gewesen. Seine früheren Kollegen Albrecht Glaser und Eberhard von dem Bussche fielen bei der Stichwahl durch.

          Rauer Ton

          Bis zu 530 Mitglieder kommen in die Stadthalle - fast dreimal so viele, wie sich angemeldet hatten. Der Saal platzt fast aus allen Nähten. „Immer noch besser, als vor einem halbleeren Raum zu  sitzen“, sagt Bernd Kölmel aus Baden-Württemberg, der gemeinsam mit zwei Kollegen den Notvorstand für die Hessen übernommen hatte. Der Landesverband hat etwa 2000 Mitglieder, nach dem letzten Chaos-Parteitag waren 30 von ihnen ausgetreten.

          Die hessische AfD, die bei den Landagswahlen 4,1 Prozent der Stimmen holte, gilt als zerstritten. Auch auf dem Parteitag in Friedberg ist der Ton rau, das gegenseitige Misstrauen deutlich spürbar. Immer wieder ist von den Mitgliedern des erst im vergangenen Frühling gegründeten Landesverbands von einem gewünschten „Neuanfang“ die Rede. Bei den Fragen an die Vorstands-Kandidaten hagelt es Vorwürfe und Unterstellungen, der alte Vorstand wird heftig kritisiert. „Wenn der wieder gewählt wird, ist dieser Landesverband tot“, meint Hans Weber aus Bad Homburg. Bartz sagt bei seiner Vorstellung unter großem Applaus: „Es gibt hier mehrere Gruppierungen, die Interesse an der Macht haben, aber offensichtlich nicht an der Partei.“. Kölmel greift ab und zu ein, spricht mal vom „Sturm im Wasserglas“, bittet „Keine Buh-Rufe“ und sagt zum Abschluss „Geben sie dem neuen Vorstand eine Chance“.

          Einzug in Europaparlament als Ziel

          Den Europawahlkampf sieht der Bundesvorsitzende Bernd  Lucke trotz der Streitigkeiten in seiner Partei nicht gefährdet. „Die personellen Auseinandersetzungen gefährden unsere Chancen gar nicht, sondern erhöhen sie“, sagte Lucke dem „Handelsblatt Online“. „Wir werden einig und geschlossen in den Europawahlkampf gehen. Und das viel besser organisiert als bislang.“ Die AfD verpasste bei der Bundestagswahl mit 4,7 Prozent nur knapp den Einzug ins Parlament. Bei der Europawahl im Mai 2014 könnte die Partei den Sprung aber schaffen - dort gilt eine Drei-Prozent-Hürde.

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