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Vorsorge mit FFP2-Masken : In wenigen Stunden ausverkauft

Effektiver Filterschutz: Die Nachfrage nach FFP2-Masken steigt auch in Hessen. Bild: dpa

Weil im Nachbarland Bayern von Montag an FFP2-Masken beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr vorgeschrieben sind, fürchten viele Hessen eine Regelverschärfung – und sorgen vor.

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          Der Gang in den Drogeriemarkt ist ernüchternd: Der Verkaufsständer, der noch am Montag voll mit FFP2-Masken hing, ist komplett leer. Nachfrage beim Personal, wann denn wieder mit einer Lieferung zu rechnen sei. „Täglich“, sagt die Verkäuferin. Schnell müsse man trotzdem sein. Am Morgen seien die Masken schon in wenigen Stunden ausverkauft gewesen.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Viele Hessen wollen vorbereitet sein, sollte bald – wie von Montag an in Bayern – eine FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im Nahverkehr gelten. Denn eines haben sie während der vergangenen Monate gelernt: Der Freistaat nimmt oft die Vorreiterrolle ein, wenn es um die Verschärfung von Corona-Regeln geht. Viele Bundesländer ziehen aber nach einer gewissen Beobachtungszeit nach. So war es schließlich auch beim Thema Ausgangssperren. Und irgendwie scheint vielen Bürgern auch noch das Toilettenpapier-Trauma und die Angst, leer auszugehen, nachzuhängen. Wohl dem, der vorsorgt.

          Da helfen auch Beruhigungsversuche aus dem hessischen Sozialministerium unter der Leitung von Kai Klose (Die Grünen) wenig. „Aktuell ist keine vergleichbare Pflicht in Hessen geplant“, heißt es dort. Und relativierend hinterher: „Generell gilt allerdings, dass alle Maßnahmen mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen überprüft werden müssen.“ Nach der in Hessen geltenden Corona-Verordnung zählt weiterhin jeder eng an der Gesichtshaut anliegende Schutz vor Mund und Nase als zulässig.

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          Trotzdem fällt auf, dass die FFP2-Masken, die wegen ihrer schnabelartigen Form zunächst gewöhnungsbedürftig schienen, immer öfter den einfachen Alltagsmasken vorgezogen werden. Das könnte auch daran liegen, dass Krankenkassen seit einigen Tagen Berechtigungsscheine für FFP2-Masken an Menschen, die älter als 60 Jahre sind oder unter bestimmten chronischen Erkrankungen leiden, verschicken. Bei Vorlage des Bezugsscheins in einer örtlichen Apotheke erhalten die Bezieher gegen Zuzahlung von zwei Euro sechs FFP2-Masken. Der erste von zwei Gutscheinen kann bis zum 28. Februar eingelöst werden, der zweite zwischen dem 16. Februar und dem 15. April.

          Doch was unterscheidet FFP2-Masken von den sogenannten Alltagsmasken? Ein Überblick:

          • Technik: Durch die Filtertechnik soll der Träger einer FFP2-Maske besser vor einer möglichen Infektion geschützt werden. Die Masken filtern mehr und kleinere Partikel aus der Luft als einfache Mund-Nase-Masken. Die Abkürzung FFP steht für „Filtering Face Pieces“. Es gibt die Masken in drei Sicherheitsklassen, je nachdem wie groß der Anteil an Aerosolen ist, den die Maske durchlässt: FFP1, FFP2 und FFP3. FFP2-Masken dürfen bis zu elf Prozent Leckage zulassen. Die Leckage setzt sich aus der Durchlässigkeit des Filters und nicht zu vermeidenden undichten Stellen zwischen Maske und Gesicht zusammen. Dieser Schutzwert gilt allerdings nur, wenn die Maske optimal sitzt. FFP-Masken dienen vor allem dem Eigenschutz. Über den Fremdschutz könne keine belastbare Angabe gemacht werden. Und den Eigenschutz gibt es nicht umsonst: Die Masken kosten zwischen zwei und sechs Euro je Stück.
             
          • Kennzeichnung: Wer eine FFP2-Maske kauft, sollte auf die CE-Kennzeichnung achten. Die Buchstaben CE stehen für „Conformité Européenne“, also „europäische Konformität“. Wenn die Kennzeichnung auf der Maske aufgedruckt ist, hat sich der Hersteller verpflichtet, bestimmte europäische Standards einzuhalten. Wer ganz sichergehen will, kann auch beim Hersteller oder Händler die Konformitätsprüfung einsehen.
             
          • Benutzung: Schutzmasken können nur dann ihre Funktion erfüllen, wenn sie richtig benutzt werden – das gilt auch für FFP2-Masken. Bevor die Maske aufgesetzt wird, sollten die Hände gewaschen und die Innenseite der Maske nicht berührt werden. Die Maske sollte eng an den Rändern anliegen. Das kann besonders für Männer mit Bartwuchs schwierig sein, denn je länger die Barthaare sind, desto größer ist der Abstand zwischen Haut und Maske.
             
          • Verfügbarkeit: Die Versorgungslage mit FFP2-Masken in Hessen sei prinzipiell gut, sagt eine Sprecherin des Hessischen Apothekenverbands: „Die Anzahl an FFP2- oder ähnlich hochwertigen Masken sollte aktuell für den Raum Hessen ausreichen.“ Aus dem Innenministerium in Wiesbaden ist zu hören, dass auch deshalb noch nicht über eine Verschärfung der Maskenregel nachgedacht worden sei, weil keine ausreichenden Erkenntnisse darüber vorlägen, ob die flächendeckende Versorgung der hessischen Bevölkerung mit FFP2-Masken sichergestellt werden könne.

          Das Thema Versorgungssicherheit beschäftigt auch die Europäische Union seit Ausbruch der Pandemie. Am Frankfurter Flughafen soll ein zentrales Lager für medizinische Schutzkleidung, FFP2-Masken und Hilfsmittel entstehen, die im Fall von Pandemien und anderen Notfällen benötigt werden. Das hat die Europäische Union beschlossen und gestern bekanntgegeben. Außer am Frankfurter Airport soll auch am Flughafen Halle/Leipzig ein Standort des Projekts „Resc-EU stockpiling“ entstehen, wie das Deutsche Rote Kreuz am Mittwoch mitteilte. Federführend ist die Johanniter-Unfallhilfe in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium.

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