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Frankfurter Drogenszene : Die Wende im Bahnhofsviertel?

Drogen-Kontrolle: Zwei Polizisten der Frankfurter Bundespolizei kontrollieren einen mutmaßlichen Dealer in der B-Ebene des Hauptbahnhofs Bild: Helmut Fricke

Das neue Vorgehen gegen die Frankfurter Drogenszene könnte Polizisten ihre Arbeit erleichtern. Angestrebt werden nach Polizeipräsident Bereswill „gerichtsfeste“ Beweise. Die Reaktion war notwendig.

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          Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill hat den Bürgern ein Versprechen gegeben. Er werde seine Beamten so lange ins Bahnhofsviertel schicken, bis sich die Bürger dort wieder sicher fühlten. Das sind große Worte, die verbunden sind mit einem personellen Aufwand, wie es ihn in Frankfurt in dieser Dimension über einen unbegrenzten Zeitraum lange nicht gegeben hat.

          Wer Gerhard Bereswill kennt, weiß, dass er so etwas nicht leicht dahinsagt. Er macht Ernst. Und womöglich ist das nun der Wendepunkt, auf den Pendler, Geschäftsreisende und Touristen gewartet haben. Die Zustände im Hauptbahnhof und in den angrenzenden Straßen waren zuletzt nicht mehr hinnehmbar. Es spricht vieles dafür, dass sich das Bild des Bahnhofsviertels tatsächlich ändern wird, wobei, realistisch betrachtet, eine solche Verbesserung nicht von heute auf morgen zu erreichen ist. Die Polizei wird einen langen Atem brauchen.

          Verdächtige längere Zeit observieren

          Was zuversichtlich stimmt, ist vor allem der Umstand, dass die Justiz nun mitzuziehen scheint; wohl auch, weil der öffentliche Druck stetig wuchs. Bereswill hatte noch vor wenigen Wochen gesagt, er sei erst dann bereit, mehr Kräfte in den Kampf gegen den Drogenhandel zu entsenden, wenn ihm zugesichert werde, dass ihm auch die rechtlichen Instrumente bereitgestellt würden, um „qualitativ ermitteln“ zu können.

          Es ist davon auszugehen, dass nun auch endlich die Genehmigungen erteilt werden, auf die die Polizei seit Anfang des Jahres wartet, um Verdächtige längere Zeit observieren zu können. Bisher hatte es nicht einmal ausgereicht, wenn den Richtern ein Verdächtiger präsentiert worden war, der fünf Telefone bei sich hatte und schon dreißig Mal mit Drogen aufgegriffen worden war, die er offenkundig nicht zum Eigenkonsum dabei hatte.

          Augen nicht vor Realität verschließen

          Deshalb kann auch das Zugeständnis der Staatsanwaltschaft, künftig jedes Verfahren mit Kleinstmengen an Drogen zu verfolgen, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der liberalen Drogenpolitik der Stadt Frankfurt sind mit dem Zustrom der neuen aggressiven Dealergruppen ihre Grenzen aufgezeigt worden. Darauf galt es endlich zu reagieren.

          Am Ende werden die Gerichte den Ausschlag geben, inwieweit die Bemühungen von Polizei und Staatsanwaltschaft von Erfolg gekrönt sind. Zu Recht berufen die Richter sich auf ihre Unabhängigkeit. Aber das heißt ja nicht, dass sie die Augen vor neuen Realitäten verschließen müssten.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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