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Heiligabendgottesdienst : Botschaften gegen Angst und Dunkelheit

  • -Aktualisiert am

Möchte Mut machen: Johanna Kluge spricht in der Kirche Zentrum Verkündung der EKHN über die Vorbereitung ihres ersten Weihnachtsgottesdienstes. Bild: Wonger Bergmann

Eine Vikarin und ein Pfarrer bereiten sich auf den Heiligabendgottesdienst vor. Sie wollen die Gläubigen auf ungewöhnliche Art ansprechen. Für die Vikarin wird die Christmette eine neue Erfahrung.

          Ein wenig aufgeregt ist Johanna Kluge schon. Wie es wohl ist, an Heiligabend die Christmette in ihrer Heimatkirche in Bickenbach zu feiern? Das ist genau der Gottesdienst, den sie früher immer besucht hat. In dem kleinen südhessischen Ort ist die angehende Pfarrerin aufgewachsen, viele Leute aus der Kirchengemeinde kennen sie. Doch Kluge hat sich gut vorbereitet. Natürlich legt sie die Weihnachtsbotschaft aus - die Feier bedeutet für sie aber noch mehr. „Ich will meiner Heimatgemeinde danken.“ Sie hat die heute 28 Jahre alte Frau geprägt, die am 1. Januar Pfarrerin in Bürstadt wird. Es ist ihre erste Pfarrstelle.

          Werner Portugall, 53 Jahre alt, kann schon auf etliche Berufsjahre zurückblicken. Der katholische Geistliche ist Pfarrer von St. Jakobus im Südwesten Frankfurts. Zu dieser großen Pfarrei haben sich vor fast zwei Jahren zwei Gemeinden in Niederrad, Schwanheim und Goldstein zusammengeschlossen. Zentrum der Pfarrei ist die Kirche Mutter vom Guten Rat in Niederrad. Im dortigen Pfarrhaus wohnt Portugall auch.

          „Weihnachten ist keine schöne Blase“

          Trotz seiner Berufserfahrung wendet auch er viel Zeit für das Vorbereiten der Weihnachtspredigt auf. Um die Angst soll es dieses Mal gehen. „Es gibt angesichts vieler Ereignisse einen Klimawandel in unserer Gesellschaft“, sagt der Pfarrer. Die Angst sei quasi zu deren neuem „Bindemittel“ geworden. Dem will er den Ruf „Fürchtet euch nicht“ der biblischen Weihnachtsgeschichte entgegensetzen - natürlich nicht einfach so, als reinen Appell, sondern als Einladung, die „große Vision“, die mit Jesu Geburt begonnen habe, miteinander zu teilen und „ihr mehr zu trauen als der eigenen Angst“.

          Beide, Kluge und Portugall, greifen in ihren Christmetten zu besonderen Stilmitteln und halten keine Predigt im klassischen Sinn. Die Vikarin hat sich für eine Bildmeditation entschieden. Grundlage ist ein Gemälde der Weihnachtskrippe des niederländischen Künstlers Geertgen tot Sint Jans aus dem 15. Jahrhundert. Es setzt Licht und Schatten auf eindrucksvolle Weise miteinander in Beziehung. In vier Abschnitten will Kluge die Gottesdienstbesucher dazu anregen, über Helligkeit und Dunkelheit in ihrem Leben und im Leben anderer nachzudenken.

          „Weihnachten ist keine schöne Blase“, sagt die Vikarin. Es gebe auch in diesen Tagen viel Dunkles, das Menschen belaste und das nicht ignoriert werden dürfe. Dafür stehen in dem Gemälde die Hirten, die sich am hinteren Bildrand im Dunklen befinden, es betrifft aber auch Josef, der sich dem Licht, das vom Jesuskind ausgeht, nur sehr zögerlich nähert. Der Künstler hat ihn ebenfalls an den Bildrand gesetzt.

          Spontaneität gefragt

          Kluge will ihre Zuhörer ermuntern, sich selbst auf dem Bild zu verorten - eher im Dunkeln, weit weg vom Jesuskind, eher im Schatten des Zögerns oder eher, wie Maria und die Engel, nah bei Jesus. So unterschiedlich die eigene Position sein mag: Von der Botschaft des Lichts, das in die finstere Welt gekommen ist, kann sich jeder treffen lassen.

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