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Familienunternehmen : Von der Drogerie zur exklusiven Parfümerie

  • -Aktualisiert am

Die damalige Kobberger-Drogerie an der Schillerstraße. Bild: Foto: Unternehmen

Das Frankfurter Familienunternehmen Kobberger blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. In diesem Mai vor hundert Jahren wurde das erste Geschäft eröffnet.

          In den neuen Räumen im Palais Thurn und Taxis fühlt sich Klaus Kobberger angekommen. Vor zwei Jahren hatte er mit seiner Parfümerie als letztes inhabergeführtes Fachgeschäft die Zeil verlassen, weil er sich dort nicht mehr wohl fühlte. Die Große Eschenheimer Straße habe für Fachhändler das bessere Umfeld, stellt er fest. „Wir haben viele neue Kunden, die auf der Zeil nicht unterwegs sind.“

          Das Familienunternehmen, das Klaus Kobberger in dritter Generation führt, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Hundert Jahre ist es in diesem Mai her, dass Gustav Kobberger, der Großvater, eine Drogerie an der Ecke Vilbeler/Seilerstraße eröffnete. Drogerien waren damals die einzigen Anlaufstellen für das Geschäft mit der Schönheit, das hauptsächlich Seifen, Cremes und den Duft 4711 kannte. Zahnpulver, Schuhputzcreme und Weinbrand standen in der Auslage, aber auch Utensilien für die Fotografie und Benzin für die wenigen Automobile auf den Straßen.

          Quereinsteiger in der Branche

          Das Familienarchiv erzählt einiges über die Höhen und Tiefen des Unternehmens. Bereits 1924 eröffnete Gustav Kobberger, der Quereinsteiger in der Branche war – gelernt hatte er in der Familienmetzgerei –, an der Schillerstraße eine zweite Drogerie. Nur drei Jahre später expandierte er nach Niederrad, in eines der von Ernst May neu errichteten Wohnquartiere. Ein viertes Geschäft im neu errichteten Textor-Block in Sachsenhausen kam mitten in der Weltwirtschaftskrise hinzu. Neben Drogeriewaren verkaufte Kobberger damals bereits die bekannte Frankfurter Parfüm-Marke „Mouson Lavendel“, ebenso Klassiker wie Chanel No. 5.

          Die Parfümerie Kobberger feiert hundertjähriges Bestehen. Die Filiale im Palais von Thurn und Taxis wurde 2017 eröffnet.

          Doch der aufstrebende Großvater hatte noch größere Pläne. 1934 zog er mit der Schillerstraßen-Drogerie in den exklusiven Zeilpalast nahe der Katharinenkirche und damit auf die zentrale Einkaufsmeile der Stadt. Weiteren Expansionswünschen schoben die Nationalsozialisten jedoch einen Riegel vor. Kobberger musste seine fünfte Drogerie in Bornheim nach wenigen Monaten wieder verkaufen, und auch das übrige Filialnetz wurde zusammengestrichen. Im Zuge der Bombenangriffe auf Frankfurt gingen dann die beiden letzten übriggebliebenen Filialen im Zeilpalast und an der Vilbeler Straße verloren, so dass dem Händler zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen seines Unternehmens kein einziges Ladengeschäft geblieben war.

          Brutale Zäsur

          „Er hat es trotzdem geschafft, die Firma noch einmal aufzubauen. Das ist eine unglaubliche Leistung nach so einer brutalen Zäsur“, sagt Klaus Kobberger im Rückblick. Sein Vater, der ebenfalls Gustav hieß, war es, der bald nach dem Krieg die Filiale in Niederrad übernahm und in der Nähe eine weitere eröffnete, während der Seniorchef die anderen drei Betriebe führte. Als dieser mitten in der Wirtschaftswunderzeit plötzlich starb, trug der Junior die Verantwortung für alle fünf Drogerien. Gemeinsam mit seiner Frau Inge richtete er sie immer stärker auf Parfümerie und Pflege aus. Inge Kobberger, die bis heute regen Anteil am Geschäft nimmt, eröffnete schließlich 1967 im ersten Stock auf der Zeil den ersten Juvena-Salon Deutschlands – ein Mekka für die auf Schönheit bedachten Damen der Frankfurter Gesellschaft.

          In den siebziger Jahren blies den Kobbergers dann wieder ein scharfer Wind ins Gesicht. Der Fall der Preisbindung, neue Selbstbedienungsmärkte und das Entstehen großer Drogerieketten machten dem Unternehmen zu schaffen. Filialen wurden geschlossen. Heute sind noch die Geschäfte im Palais Thurn und Taxis und an der Textorstraße übrig. Klaus Kobberger übernahm die Leitung in den neunziger Jahren von seinem älteren Bruder Gustav und baute sie zu exklusiven Parfümerien aus.

          Dass er beim Einkauf internationaler Marken auch schon mal persönlich in New York oder Mailand vorbeischaut und dabei mit Größen wie Tom Ford verhandelt, wissen wohl die wenigsten seiner Kunden. Sie schätzen viel eher, dass Klaus Kobberger die meiste Zeit selbst hinterm Tresen steht und auch für die ausgefallensten Wünsche ansprechbar ist. Darin sieht er die Vorteile des Fachhandels. „ Wir müssen jeden Tag sauber und diszipliniert arbeiten, um die gleiche Qualität zu bieten. Und wir müssen das anbieten, was der Kunde will.“ Da sei es unerheblich, „ob man 25 oder 100 Jahre am Markt ist“.

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