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Vor dem Spiel gegen die Hertha : Beim FSV Mainz geht Einsatz vor Taktik

Defensivbaustein: Baumgartlinger soll gegen Hertha die Abwehr stärken. Bild: Huebner/Voelker

Trainer Thomas Tuchel fordert beim Spiel in Berlin die Konzentration auf das „Wie“ des Spiels gegen Hertha BSC.

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          Mainz 05 muss am Samstag (15.30 Uhr) in der Fußball-Bundesliga bei Hertha BSC Berlin spielen. Das ist gewissermaßen die gerechte Strafe dafür, dass der Klub unter der Woche mit einer indiskutablen Leistung eine andere mögliche Reise nach Berlin für den kommenden Mai allzu früh hat absagen müssen. Denn die Rheinhessen haben allzu leichtfertig im DFB-Pokal 0:1 gegen den Zweitligaklub 1. FC Köln verloren und somit den Traum vom Finale in Berlin schon früh begraben müssen.

          Andererseits kommt eine Reise nach Berlin für den auch in der Bundesliga zuletzt dreimal in Serie erfolglosen Tabellensiebten vielleicht gelegen, da auch für den Gegner der seit Jahrzehnten unerfüllten Traum von einem „Finale daheim“ früh beendet war. Hertha hat ebenfalls gegen einen Zweitligaklub verloren, die 1:3-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern freilich auch mit einer gewagten Personalrotation selbst maßgeblich verursacht. Mehr als ein halbes Dutzend an Spielern tauschte Trainer Jos Luhukay gegenüber dem vorangegangenen Bundesligaspiel aus. Entsprechend räumte er seine Verantwortung für die Pokalpleite unumwunden ein. „Das muss ich auf mich nehmen“, sagte der Niederländer. „Es ist ein schmaler Grat. Wenn du gewinnst, hast du alles richtig gemacht und bekommst Lob. Bei einer Niederlage eben nicht.“ Und so herrscht in Berlin nun doch wieder etwas Unruhe nach einem für einen Aufsteiger durchaus gelungenen Saisonstart mit acht Punkten aus sechs Partien.

          Keine Verstärkung in der Offensive

          Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel erhofft sich aus dem Pokal-Aus der Berliner im Duell der Verlierer freilich keinen allzu großen Vorteil für seine Schützlinge. „Es deutet alles daraufhin, dass sie am Samstag wieder ganz anders spielen werden“, sagt Tuchel. Also beschäftigt sich Mainz 05 lieber mit sich selbst und hat dabei derzeit genug zu tun. „Wir haben Schwächen nicht nur im Sturmverbund, sondern auch im Mittelfeldverbund und im Abwehrverbund“, sagt der 40 Jahre alte Trainer. Tatsächlich ließ sein Team zuletzt die gewohnte Kompaktheit vermissen. In Berlin erwartet Tuchel bei seiner Elf deshalb keineswegs eine Rückkehr zu glanzvollen Auswärtsauftritten mit Dominanz, Ballsicherheit und Kombinationsfußball. Stattdessen soll sein Team „ohne Ausrede raus in den Wind und das machen, was man immer machen in jeder Verfassung: Verteidigen.“

          Diese eher destruktive Herangehensweise ist ungewohnt für Tuchel, aber sie ist auch Ausdruck seiner aktuellen Strategie: Er will die Mannschaft, die zuletzt weit unter ihren Möglichkeiten blieb, bei der Ehre packen. „Die Mannschaft ist bei uns immer in der Hauptverantwortung“, sagte Tuchel. „Sie war in der Hauptverantwortung für die herausragende Vorbereitung, sie war in der Hauptverantwortung für die vier Siege in Serie zu Saisonbeginn. Und sie stellt sich dieser Verantwortung auch jetzt.“

          Das gilt in Berlin vermutlich auch wieder für Julian Baumgartlinger, der zuletzt wegen einer Verletzung pausieren musste. Der Österreicher ist in zentraler Mittelfeldrolle ein nur schwer zu ersetzender Baustein im Mainzer Defensivspiel, bei der Hertha werden seine Qualitäten als Abräumer und Organisator in einem möglichen Abwehrkampf vermutlich sehr gefragt sein. In der Offensive kann Tuchel auf eine ähnliche Verstärkung aus der mannschaftsinternen Personalreserve derzeit nicht hoffen: Zwar waren zuletzt mit Ausnahme des angeschlagenen Talents Shawn Parker alle Stürmer gesund, in akzeptabler Form präsentierte sich aber keiner der Kandidaten von den Neuzugängen Sebastian Polter und Dani Schahin über Maxim Choupo-Moting bis hin zu Torjäger Nicolai Müller. Und so ist es wahrscheinlich, dass Tuchel die Aufgabe in Berlin tatsächlich mit einer ungewohnt defensiven Aufstellung und möglichst wenigen der formschwachen Angreifer angeht. „Wir sind vor Hertha und werden alles in die Waagschale werfen, dass es so bleibt nach dem Spiel. Wir brauchen jetzt einfach ein Ergebnis“, wehrte Tuchel Nachfragen nach einer taktischen Neuausrichtung ab. Es gehe in der jetzigen Situation nicht um das „Was“, sondern allein das „Wie“. In dieser ihm ganz eigenen, bisweilen schwer verständlichen Sprache beschreibt Tuchel den Vorrang von Einsatzbereitschaft und Kampfeswillen gegenüber möglichen taktischen Strategien. So bleibt nur zu hoffen, dass die Spieler ihren Trainer richtig verstehen.

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