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F.A.Z.-Sonntagsgeschichten : Ein Mädchen für alle Fälle

  • -Aktualisiert am

Neue Hauptfigur: Florentine Blix Bild: Daniela Kohl

Mit den „Lotta“-Büchern ist Alice Pantermüller bekannt geworden. Nun gibt es „Florentine Blix“ - ein Buch über ein besonders gescheites Mädchen. Am 20. März liest die Autorin daraus bei den F.A.Z.-Sonntagsgeschichten.

          3 Min.

          Kaum eine Kinderbuch-Serie auf dem deutschen Buchmarkt ist so bekannt und beliebt wie Alice Pantermüllers „Mein Lotta-Leben“. Die pfiffigen Comic-Tagebücher der heute Zwölfjährigen, die zwei „Blödbrüder“ hat und mit ihrer Blockflöte auf Kriegsfuß steht, lassen nicht nur Mädchen mit heißen Köpfen schmökern und sich kringelig lachen. Auch Jungen sind bei Lesungen fasziniert von den skurrilen Erlebnissen der Erzählerin, die seit dem ersten Band zwei Jahre älter geworden ist.

          Alice Pantermüller
          Alice Pantermüller : Bild: privat

          18 Lotta-Bände sind bisher erschienen, einer turbulenter und lustiger als der andere. Alice Pantermüller macht das Schreiben dabei genauso viel Spaß wie ihren Lesern das Lesen. Für sie als Autorin sei so eine erfolgreiche Reihe „eine feine Sache“, sagt sie, denn bei jedem weiteren Band kenne sie sich ja in der Lotta-Welt schon bestens aus. Ihr „Lottaversum“ nennt sie Lottas Leben mit Eltern und Brüdern, Freunden und Lehrern. Wobei sie auf der anderen Seite sehr froh ist, nicht nur Lotta-Bücher zu schreiben.

          Mehr als 40 Bücher hat Alice Pantermüller in den vergangenen elf Jahren veröffentlicht. Unvorstellbar sei das, sagt sie – und nur möglich, weil auch kurze Kinderbücher und Bilderbücher dabei sind. Aber gerade da müsse auch jeder Satz sitzen, jede Geschichte präzise und in sich stimmig sein. Außerdem erscheint im Mai ihr zweiter Roman für Erwachsene, die Hauptrolle spielt darin eine Schriftstellerin. Eine Krimi-Autorin, die immer wieder gefragt wird, ob die Heldinnen ihrer Romane ihr selbst ähnelten. Und die immer wieder behauptet: nein – so wie Alice Pantermüller das auch immer behauptet hat. Bis sie beim Schreiben dieses Romans entdeckte, dass das gar nicht stimmt und sie durchaus auch von sich selbst erzählt in ihren Büchern. Auch in den Lotta-Leben-Bänden – zumindest ein bisschen. Auch darum ist die frühere Lehrerin und Buchhändlerin so gerne Schriftstellerin.

          Wobei die Lotta-Reihe nicht so besonders wäre ohne die Illustrationen von Daniela Kohl. Sie passen so genau, so gekonnt und wunderbar zum Text, sitzen so über, zwischen und mitten in den Zeilen, dass man den Eindruck hat, die beiden Frauen arbeiteten Hand in Hand. Sie säßen permanent nebeneinander, besprächen jede Szene und lachten dabei permanent. Aber in Wirklichkeit ist es ganz anders: Alice Pantermüller schreibt jede Geschichte komplett allein, bei sich zu Hause auf dem Dorf in der Nähe von Celle. Und erst, wenn der Verlag ihn lektoriert hat, geht der Text an Daniela Kohl in München. Die teilt dann den Text auf die Seiten auf, entwirft ihre Illustrationen, setzt Sprechblasen und verpasst jeder Figur ihre eigene Schrift. Und trotzdem wirken alle Bücher wie aus einem Guss.

          Wer nun meint, Alice Pantermüller schreibe jeden Tag mindestens ein paar Seiten eines neuen Buches, irrt. Sie verbringt zwar täglich viele Stunden am Schreibtisch, doch da gibt es weitaus mehr zu tun als „nur“ das Geschichtenschreiben. Viel Zeit verbringt sie mit der Überarbeitung von Texten und Hörbuchfassungen, Lotta-Kochbuch und passendem Kalender, mit E-Mails, Lesungsanfragen und Buchführung. Das macht zwar keinen großen Spaß, muss aber sein. Am meisten Freude macht ihr eindeutig das Schreiben, und das nicht nur, weil es so befriedigend ist, immer neue Geschichten zu erfinden, sondern auch, weil sie als Autorin dabei Verantwortung übernimmt für ihre Leser. Denn Kinder werden durch das, was sie lesen, geprägt, und sie können in Alice Pantermüllers Büchern miterleben, wie wichtig Fairness, Re­spekt und Rücksichtnahme sind. Und dass nicht jedes Kind so „normal“ ist wie andere.

          Bild: Illustration Daniela Kohl

          Florentine zum Beispiel, die Heldin in Alice Pantermüllers neuem Kinderbuch „Florentine Blix“. Das Mädchen ist ein bisschen „schwierig“, einerseits klug, andererseits aber nur schwer in der Lage, sich auf andere Menschen einzustellen. Was Florentine mag, sind Kriminalfälle, und die sind bei ihr bestens aufgehoben. Florentine lebt übrigens in Flensburg, in der Stadt am Meer, in der Alice Pantermüller 1968 geboren wurde. Und während man bei den Lotta-Büchern nicht genau weiß, wo sie spielen, kann man mit Florentine ganz genau die Straßen von Flensburg entlanglaufen. Das Stadtbild hat der Autorin besonders Spaß gemacht, und weil Daniela Kohl Flensburg nicht kannte, bekam sie von der Autorin einen Stadtplan.

          Gerade arbeitet Alice Pantermüller am zweiten Florentine-Buch, das erste erscheint Mitte März, gerade rechtzeitig zur Sonntagsgeschichten-Lesung. Daraus wird sie dann auch lesen. Und eins ist garantiert: Sogar Kinder, die sonst nicht gerne lesen, werden „Florentine“ verschlingen. Denn durch Alice Pantermüllers Bücher sind schon viele Lesemuffel zu Leseratten geworden.

          Wer, wann, wie?

          Die Jugendbuchautorin Alice Pantermüller liest am nächsten Sonntag, 20. März, aus ihrem aktuellen Buch „Florentine Blix“. Die Lesung findet von 15 bis 16.30 Uhr im Hybrid-Format statt. Wer die Autorin live sehen möchte, kann dies im Funkhaus bei Radio FFH (FFH-Platz 1) in Bad Vilbel tun. Karten dafür sind erhältlich unter der Internetadresse veranstaltungen.faz.net. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich die Lesung digital anzuschauen. Zugänge können ebenfalls unter der Internet­adresse veranstaltungen.faz.net erworben werden. Der Beitrag von fünf Euro je Person kommt vollständig der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zugute. Alice Pantermüller liest wie traditionell alle Autoren dieser Reihe ohne Honorar.

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