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Von Goethe, Mozart und Drosten : Viele Klicks

  • -Aktualisiert am

Bringt mehr Klicks als Goethe oder Mozart: Virologe Christian Drosten Bild: dpa

Was hat Christian Drosten mit Mozart und Goethe zu tun? Vielleicht geheimes Freimaurer-Wissen über das Coronavirus, vielleicht aber auch nicht. Aufmerksamkeitssteigernd ist es allemal.

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          Goethes Adlatus Johann Peter Eckermann staunt nicht schlecht, als ihm der greise Dichterfürst bei Tisch erzählt, dass er schon als Jugendlicher in Frankfurt den Knaben Mozart bei einem Konzert erlebt habe und er sich „des kleinen Mannes in seiner Frisur und Degen noch ganz deutlich“ erinnere. Das ist doch ganz interessant, oder? Wem Goethe nur leider nie begegnete: dem Virologen Christian Drosten.

          Wie wir jetzt darauf kommen? Ganz einfach: Wir wollen neue, junge Leser gewinnen und für Goethe, Mozart und die Hochkultur begeistern. Da wir aber annehmen, dass Digital Natives kaum noch im herkömmlichen Sinne die Zeitung lesen, sondern allenfalls einzelne Artikel, auf die sie dank der Algorithmen stoßen, müssen wir zu diesem kleinen Trick greifen und in unsere Texte ab und zu populäre Suchbegriffe einflechten, wie eben „Drosten“. Nun wollen wir deswegen nicht über Annette von Drosten-Hülshoff schreiben, da uns Namen heilig sind und die Enttäuschung bei manchem dann wohl doch zu groß wäre.

          Aber wenigstens eine aktuelle Verschwörungstheorie muss doch erlaubt sein, zur Aufmerksamkeitssteigerung, etwa in der Art: Als Freimaurer wussten Goethe und Mozart schon längst vom Coronavirus. Sie haben es nur geheim gehalten. Das wird geklickt, das geht viral. Mehr Leser könnte man im Netz allenfalls damit einfangen: Goethe und Mozart waren sexsüchtig. Wie? Diese zeitgemäße Art der Klick-Akquise finden Sie unseriös? Tja, aber gelesen haben Sie die Kolumne jetzt ja doch.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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