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Kelten-Museum in Glauburg : Vom Fürsten profitiert die ganze Region

Der „Keltenfürst vom Glauberg” Bild: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

Seit der Eröffnung vor fünf Jahren hat die Keltenwelt auf dem Glauberg alle Erwartungen übertroffen. Dabei sollte sie gar nicht gebaut werden.

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          Bis das Keltenmuseum an diesem Morgen öffnet, ist es noch eine Weile hin. Gleichwohl ist vor der Pforte schon einiges los. Die Schulklasse, die einem Bus mit Gießener Kennzeichen entstiegen ist, macht sich mit der Lehrerin auf den Weg in den frei zugänglichen Museumsgarten, um in einer nachgestellten Grabung zu erfahren, wie Archäologen auf der Spurensuche vorgehen. Auf der Terrasse vor dem Museum hat eine Seniorenwandergruppe Platz genommen. Die älteren Herrschaften lassen den Blick auf den rekonstruierten Grabhügel und die abwechslungsreiche Gegend im Vorland des Vogelsbergs auf sich wirken. Wieder andere brechen zu einem Rundgang über das Plateau des Glaubergs auf, wo sich anhand einer Vielzahl von Relikten auf Schritt und Tritt die Siedlungsgeschichte der Region von der Steinzeit bis ins Mittelalter erschließen lässt.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die Keltenwelt am Glauberg mit Museum und Archäologischem Park hat sich seit der Eröffnung vor fünf Jahren zu einem der am meisten besuchten Orte in diesem Teil Hessens entwickelt. Sie lockt Reisegruppen und Individualtouristen aus dem In- und Ausland. Was auch die Gästebücher dokumentieren. Die Besucher kommen aus Tunesien, den Vereinigten Staaten und Korea.

          Doppelt so viele Besucher wie erwartet

          Vera Rupp, Leiterin der Einrichtung und stellvertretende Landesarchäologin, spricht von einer Erfolgsgeschichte und belegt das mit Zahlen: Hatten sie und ihr Team mit etwa 30.000 Besuchern pro Jahr kalkuliert, waren nach fünf Jahren schon rund 320.000 in den Ausstellungsräumen gewesen - also mehr als 60.000 jährlich. Besucher des Außengeländes hinzuaddiert, haben Rupp und ihre Mitarbeiter ungefähr eine halbe Million Gäste errechnet.

          Dass die Prognose so deutlich überschritten wurde, hat nicht nur mit dem Original der rund 2500 Jahre alten Statue eines keltischen Fürsten und kostbaren Grabbeigaben zu tun, die auf dem Glauberg entdeckt wurden und jetzt dort zu sehen sind. Das Museum ist auch eine Art Erlebniswelt, die Wissen über Kultur und Leben unserer Vorfahren mit Seminaren und Mitmachaktionen unterhaltsam vermittelt. Dazu zählen zum Beispiel Workshops, bei denen Teilnehmer Speerspitzen mit frühgeschichtlichen Techniken schmieden und lernen, mit welch einfachen Werkzeugen Menschen der Frühgeschichte ihre Bekleidung fertigten und Landbau betrieben. Familientage, Vorträge, bisweilen auch Kleinkunst sowie Wechselausstellungen wie zur Zeit zur Kulturgeschichte des Hundes, tragen ebenfalls dazu bei, dass es auf dem Glauberg nie ruhig ist, wie der für Veranstaltungen und Marketing zuständige Lars Corsmeyer sagt.

          Wetterauer Stongehenge: Der rekonstruierte Grabhügel steht direkt vor dem Kelten-Museum
          Wetterauer Stongehenge: Der rekonstruierte Grabhügel steht direkt vor dem Kelten-Museum : Bild: dapd

          Nicht zuletzt treffen sich Wissenschaftler in der Keltenwelt. Dem Museum ist ein Forschungszentrum angegliedert, in dem Fachleute anhand der Entdeckungen auf dem Glauberg mehr über eine Kultur herausfinden wollen, die immer noch eine Menge Rätsel aufgibt.

          Vom Zuspruch zur Keltenwelt profitiert die ganze Region. Sie verhilft dem Tourismus in der strukturschwachen östlichen Wetterau zum Aufschwung. Die Keltenwelt fungiert also auch als Wirtschaftsfaktor. Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der beim Kreis angesiedelten Wirtschaftsförderung Wetterau, hat zwar keine Statistiken parat, er weiß aber aus seinen Kontakten zu Kommunen und Verbänden, dass etwa die Nachfrage nach gastronomischen Angeboten spürbar gestiegen ist. Auch der Handel in umliegenden Orten berichte von steigenden Umsätzen durch Gäste der Keltenwelt. Viele Besucher verbinden die Museumsvisite mit Exkursionen zu anderen attraktiven Orten im näheren und weiteren Umkreis des Glaubergs.

          Gastronomie erlebt Aufschwung

          Carsten Krätschmer (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Glauburg, in deren Gemarkung sich der Glauberg befindet, spricht von Besuchern, die im gleichnamigen Ort Station machen, in Gaststätten und Straußwirtschaften einkehren und auch Übernachtungen in Pensionen buchen. In dem von der Keltenwelt herbeigeführten Aufwind segelt besonders der Fremdenverkehr in Büdingen. Die ehemalige Residenzstadt mit ihrer nahezu lückenlos erhaltenen historischen Bausubstanz ist zwar für sich einen Ausflug wert, aber in Verbindung mit der Keltenwelt ist das Potential beträchtlich gestiegen.

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