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Volle Sammelunterkünfte : Runder Tisch soll Obdach für Flüchtlinge suchen

Hauptsache in Sicherheit: Syrische Flüchtlinge auf dem Flughafen in Kassel-Calden. Bild: dpa

Auch der Hochtaunuskreis hat Flüchtlinge aufgenommen. Doch nun sind die Sammelunterkünfte voll. Ein runder Tisch soll noch nach Lösungen suchen.

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          Die steigende Zahl von Asylbewerbern beschäftigt die politischen Gremien, aber auch die Kirchen. Die Bad Homburger Stadtverordneten haben jüngst einstimmig die Schaffung eines „Runden Tischs zur Unterbringung von Flüchtlingen“ beschlossen. Der Magistrat wird in dem von Grünen, SPD, Bürgerliste Bad Homburg und Neuer Homburger Union gemeinsam eingebrachten Antrag aufgefordert, einen „substantiellen Beitrag zur Verbesserung der Situation“ zu leisten. Dazu sollten außer Vertretern der Ämter auch Kirchen, Sozialverbände oder Gruppen wie Pro Asyl, Amnesty International, die ökumenische Wohnhilfe und Ausländervereine zu einem Runden Tisch eingeladen werden. Die Leitung solle eine „angesehene, unabhängige Bad Homburger Persönlichkeit“ übernehmen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Den Antragstellern gehe es um Verständnis für die nötige Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen und konkrete Schritte zur Linderung der Notlagen. Die Treffen dürften keine „Quasselrunde“ werden, sagte die Bad Homburger SPD-Vorsitzende Elke Barth. Der Kreis müsse derzeit wieder mehr Flüchtlinge unterbringen und sei auf die Unterstützung durch die Kommunen angewiesen. Vielleicht werde der Runde Tisch gemeinsam neue Möglichkeiten wie leerstehende Hotels, kirchliche Einrichtungen oder leerstehende Wohnungen entdecken, die man bisher übersehen habe.

          482 Asylbewerber im Kreis untergebracht

          Die Asylbewerber kämen aus anderen Kulturkreisen und litten oft unter einem Trauma. Deshalb benötigten sie Fürsorge. Zugleich rufe ihre Anwesenheit bei manchen Ängste und Vorurteile hervor. Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Daniela Kraft kam der Antrag gerade zum rechten Zeitpunkt. In naher Zukunft würden zehn Menschen in einem städtischen Gebäude untergebracht. Außerdem gebe es eine Perspektive in Bad Homburg für 40 weitere Flüchtlinge.

          Nach Auskunft aus dem Landratsamt sind im Hochtaunus derzeit 482 Asylbewerber untergebracht. Davon leben 216in der Container-Unterkunft an der Karl-Hermann-Flach-Straße in Oberursel. Zwischenzeitlich war die Zahl schon einmal auf 140 gesunken. Die Zustände dort werden schon lange kritisiert. Erst im März hatte der Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen, die Unterkunft möglichst aufzulösen und die Errichtung kleinerer Fertigbauten zu prüfen.

          Kirche wollen „Klima des Willkommens“

          Inzwischen sind die Container ebenso voll belegt wie die deutlich kleinere Gemeinschaftsunterkunft in Grävenwiesbach. Jede Woche werden dem Hochtaunuskreis zwischen 15 und 20 Asylbewerber zugewiesen. Die meisten kommen aus Somalia und Eritrea. Syrische Kriegsflüchtlinge spielen hingegen bisher keine Rolle – die Kreisverwaltung verzeichnete erst einen einzigen Syrer.

          Unterdessen haben die Kirchen mit einem gemeinsamen Brief der Dekane dazu aufgerufen, ein „Klima des Willkommens und der Achtung für die Flüchtlinge im Hochtaunuskreis“ zu schaffen. Es sei zwar von Vorteil, wenn die Menschen bei der Verteilung auf die einzelnen Städte und Gemeinden nicht in Sammelunterkünften, sondern in einzelnen Wohnungen untergebracht würden. Doch die Betreuung sei bei den dezentral lebenden Asylbewerbern aufwendiger und manchmal auch schwieriger. Deshalb seien die Kirchengemeinden gefragt, heißt in dem vom evangelischen Dekan Michael Tönges-Braungart und dem katholischen Bezirksdekan Paul Lawatsch unterzeichneten Schreiben.

          Hilfe bei Behördengängen

          Die Dekane verweisen auf Caritas und Diakonie, die Gemeinden dabei beraten könnten. Außerdem habe der Referent für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche im Hochtaunus, Felix Blaser, eine Handreichung mit Anregungen für Pfarrer und Kirchengemeinden erstellt.

          Im katholischen Pastoralen Raum Bad Homburg-Friedrichsdorf der Pfarrgemeinden St. Marien, St. Johannes und St. Bonifatius hat sich unter Leitung von Markus Aschendorf aus Friedrichsdorf und Michaela Walter aus Bad Homburg eine „Initiativgruppe Flüchtlinge“ gebildet. Deren ehrenamtliche Mitglieder wollen Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen und sie bei Behördengängen oder beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen. Zu einem Willkommensgeschenk gehört neben Informationsbroschüren auch ein Gutschein für den Einkauf im Bad Homburger Caritas-Laden.

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