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Volkes Stimme zum Bischof von Limburg : „Er kann nicht bleiben“

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Trist: Wie das Wetter derzeit ist auch die Stimmung unter vielen Katholiken in Limburg - hier der Bischofssitz mit Passant Bild: dpa

Auf dem Platz vor dem Limburger Dom gibt es nur ein Thema: Franz-Peter Tebartz-van Elst und seinen millionenschweren Bischofssitz. Angesichts immer neuer Vorwürfe und Anzeigen sind Gläubige und Nachbarn empört.

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          Majestätisch ragt der Dom empor, gegenüber passt sich der umstrittene Bischofssitz in das historische Ensemble ein. „Bischöfliches Haus“ steht auf einer schlichten braunen Platte am versperrten Eingang. Davor parkt an diesem Donnerstag ein Handwerker-Lieferwagen aus Berlin, dessen Werbeaufschrift besondere Glas- und Sicherheitstechniken verspricht.

          Der Eindruck von Normalität trügt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beantragt hat - weil er vor dem Hamburger Landgericht falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben haben soll. Außerdem ist der Gottesmann wegen der explodierten Kosten für seinen neuen Bischofssitz in der Kritik.

          Und die Limburger Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen den Bischof  einleitet. Seit Anfang der Woche seien vier Strafanzeigen gegen den Bischof eingegangen, die sich alle auf die Kostensteigerung beim Bau der Bischofsresidenz beziehen.  Für viele Touristen und Gläubige, die durch den Nieselregen über den Vorplatz des Doms eilen, sind die Vorwürfe heute Thema Nummer eins.

          „Seit er hier ist, war immer Streit“

          „Ich habe das kommen sehen“, sagt Birgit Mandeln aus Diez bei Limburg. „Seit er hier ist, war immer Streit.“ Dann die Nachricht über die Kostenexplosion beim Bau des Wohn- und Dienstsitzes, nun auch Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: „Er kann hier nicht bleiben, wir sollten einen anderen Bischof bekommen“, sagt die Frau.

          Sie habe sich bei dem 53 Jahre alten Bischof ohnehin nicht gut aufgehoben gefühlt, sagt Mandeln: „Es ist seine ganze Art, für mich ist er kein Bischof, auf den man zugehen kann.“ Dennoch habe sie auch Mitgefühl mit ihm und wünscht sich, dass es keine Hetzjagd gibt.

          Tief betroffen ist Wolfgang Czarnecki, der aus Köln nach Limburg gefahren ist. „Das ist ein nicht zu überbietender Skandal, ich bin untröstlich, was er dem Katholizismus für einen Schaden zugefügt hat, das ist unermesslich.“ Er verstehe nicht, warum die Kirchenspitze nicht längst eingegriffen habe: „So ein Mann ist nicht mehr zu halten“, sagt der Katholik.

          Misstrauen durch Sichtblenden

          Den Bau der sündhaft teuren Bischofsresidenz hautnah mitbekommen hat Gerd Heumüller, der ganz in der Nähe wohnt. „Ich habe das zwei Jahre lang beobachtet, die haben den ganzen Felsen hier aufgefräst, zwei Stockwerke tief. Was da drin ist, weiß niemand.“ Denn viel mehr konnten die Nachbarn nicht entdecken: „Die haben hier Sichtblenden aufgestellt.“ Das habe ihn misstrauisch gemacht, sagt Heumüller. „Das ist von vornherein verdächtig gewesen hier.“

          Auch Touristen, die sich eigentlich nur den Dom ansehen wollten, werfen einen kritischen Blick auf den Bischofssitz, dessen Kosten nun mit 31 Millionen Euro angegeben werden. So viel Geld auszugeben, gehe angesichts der Armut auf der Welt gar nicht, sagt Sigrid Jaschke aus Bad Vilbel. Zusammen mit Freundinnen ist sie auf Besichtigungstour durch die Altstadt.

          Auch der Berliner Gerhard Becker will sich den Dom ansehen. Dass der Bischof in der Kritik steht, weiß er aus der Zeitung. „Früher war die Kirche allmächtig, aber heute kann man so etwas nicht mehr machen“, sagt er. Zudem sollten gerade Kirchenmitglieder bei der Wahrheit bleiben, mahnt er mit Blick auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Hamburg.

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