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Volker Schlöndorff wird 80 : Weltstar aus Wiesbaden

Mit einem Anflug von Hessisch: Volker Schlöndorff in seiner Geburtsstadt Wiesbaden Bild: Michael Kretzer

Er arbeitete mit den Großen Hollywoods und wurde mit dem Oscar geehrt. Volker Schlöndorff gilt als einer der renommiertesten Regisseure Deutschlands. Nun feiert der Altmeister seinen 80. Geburtstag.

          Einer der wenigen Kämpfe, die gut ausgegangen sind“, sagt Volker Schlöndorff, als es endlich ein wenig ruhiger wird im Foyer des Caligari. Seinerzeit, mehr als 20 Jahre ist das her, hat er sich sehr ins Zeug gelegt dafür, dass das Kino am Wiesbadener Marktplatz, sicherlich das schönste weit und breit, renoviert und als Filmkunstkino wieder betrieben wird. Seit 20 Jahren, sagt Schlöndorff, sei das Caligari „wieder zu meinem Kino“ geworden. „Auch wenn immer noch die Lampen fehlen“, setzt er trocken hinzu.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schließlich weiß er noch, wie „das eleganteste Kino von Wiesbaden“ bei der Wiedereröffnung 1955 ausgesehen hat. Aber das Aussehen, „das hat uns damals gar nicht interessiert“, erinnert er sich. Der Gymnasiast Schlöndorff hat damals „Endstation Sehnsucht“ im heutigen Caligari gesehen. Und im Roxy, Apollo und Walhalla, den damaligen Kinos in Wiesbaden, Krimis und Western, alles, was die bürgerlichen Erwachsenen als „Schund“ bezeichneten. Es scheint ihm ebenso wenig geschadet zu haben wie seine Hilfstätigkeiten als Fotograf der Kurgäste, sein Job als Schülerreporter und vor allem die ausgedehnten Klassiker-Lektüren im heimischen Ohrensessel.

          Aus dem „Wiesbadener Bub“, der am 31. März 80 Jahre alt geworden ist, wurde einer der bedeutendsten deutschen Regisseure überhaupt, mit der „Blechtrommel“ (1979) der erste mit einem Oscar ausgezeichnete obendrein und ein Meister der Literaturverfilmung. Dass er selbst auch ein Meister des Erzählens ist, hat er 2008, kurz vor seinem 70. Geburtstag, mit seiner Autobiographie „Licht, Schatten und Bewegung“ bewiesen.

          Jugend in Wiesbaden

          Einige Szenen daraus, über seine Jugend in Biebrich, Wiesbaden und Schlangenbad, hat Schlöndorff nun in „seinem“ Caligari vorgelesen. Denn die Stadt Wiesbaden, das Caligari, das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) und die Murnau-Stiftung haben dorthin anlässlich des runden Geburtstags zu einem „Abend für und mit Volker Schlöndorff“ geladen. Und nicht nur mit ihm: Die vielgerühmte Menschenfreundlichkeit und Begabung zur Freundschaft Schlöndorffs spiegelte sich in einer überraschenden Geburtstagsgabe wider, einem Videogruß des Schauspielers Ulrich Matthes, der mit Schlöndorff „Der neunte Tag“ und „Das Meer am Moren“ gedreht hat. Die Liebeserklärung an den Freund rührte nicht nur Schlöndorff selbst und das Publikum, der zweite Ehrengast des Abends war beinahe ein bisschen neidisch: „Volker ist für mich ein guter Freund“, sagte Mario Adorf und bekannte: „Ich bin nicht so ein guter Freund.“

          Anita Pallenberg in „Mord und Totschlag“ (1966/67) Bilderstrecke

          Mit Adorf, der einst jenseits des Rheins in Mainz Philosophie studiert und geboxt hatte, war einer der markanten Schlöndorff-Darsteller zu seinem Ehrenabend geladen, der als Kommissar Beizmenne in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und als Alfred Matzerath in „Die Blechtrommel“ mit Schlöndorff gedreht hat. Als Dritter gesellte sich dazu Jazzer Klaus Doldinger, der mit seiner Band Passport pflichtschuldig auch das intonierte, was alle immer von ihm hören wollen, die „Tatort“-Melodie und „Das Boot“. Doch hatte er in seinem Archiv gekramt und das „Amerika-Lied“ ausgegraben. Singen hört man den Saxophonisten höchst selten, nun tat er es, als Geburtstagsständchen: „Jetzt ist die Zeit, die Stunde da / Wir ziehen nach Amerika.“

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