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Volker Mosbrugger : Vom Lehrenden zum Manager der Wissenschaft

In der 1817 gegründeten „Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft“, die heute „Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung“ heißt, wird ein weites Feld bestellt. Das gab einst den Ausschlag für Mosbruggers Wechsel von Tübingen an den Main. „Mich interessieren die großen Zusammenhänge“, sagt er. Das klingt ein wenig altmodisch und zukunftsorientiert zugleich in einer Forscherwelt, die sich meist auf scharf umrissene Teilbereiche konzentriert und doch interdisziplinär sein soll.

Im Pelz der Erde sind wir eine kleine Laus

„Zum Nachdenken“ geht Mosbrugger gern durch sein Museum, unter die Leute. Wenn er aus dem weitläufigen Direktionszimmer ein paar Stufen treppab geht, landet er im Vogelsaal mit seinen Hunderten präparierten Tieren in Glasvitrinen. Das Senckenberg- Museum der Zukunft, das nun entstehen soll, wird wohl eher so aussehen wie die Sonderschau „Planet 3.0“, die das Haus zurzeit zeigt. Einen Entwurf für einen Museumssaal der neuen Art hat Mosbrugger an der Wand über seinem Arbeitstisch lehnen: weitläufig, hell, mit ausgewählten Objekten und digitalen Bildflächen an den hohen Wänden. Bis 2019 soll das neue Senckenberg, mit einem erweiterten Institut und einem vergrößerten Museum, am ehemaligen Universitätscampus Bockenheim entstehen. Es ist ein Großprojekt, das nach derzeitiger Planung fast 180 Millionen Euro teuer wird. Die Institutsbauten finanzieren Bund und Land. Um das Museum zu verwirklichen, fehlen Senckenberg noch rund 36 Millionen Euro. „Wenn wir uns nicht zutrauen würden, das zu stemmen, würden wir gar nicht erst anfangen“, sagt Mosbrugger. Das klingt so wie die meisten Mosbrugger-Sätze: angenehm klar, beinahe leichthin und doch bestimmt. Beim Spendensammeln wird das wohl so hilfreich sein, wie es bei seinen Vorträgen über die Zukunft der Erde und die Rolle des Menschen darin ist.

Im Pelz der Erde sind wir eine kleine Laus, daran erinnert Mosbrugger gern: „0,05 Promille an der Erdgeschichte sind Menschheitsgeschichte.“ Das „nur“ spart er sich. Die Erde und das Leben auf ihr ändern sich seit vier Milliarden Jahren. Die Frage ist, wie der Mensch und seine Systeme damit klarkommen. Alles eine Frage der Perspektive, sagt der Paläontologe. „Als Wissenschaftler beobachte ich ein phantastisches Experiment“, sagt Mosbrugger. „Als Familienvater, aufgewachsen in einem humanistischen Umfeld, mache ich mir schon Sorgen“, fügt er dann hinzu. Es gibt Leute, die nicht anders Können, als ganz in einer dieser Rollen aufzugehen. Mosbrugger gehört zu denjenigen, die nicht anders können, als beide zu reflektieren und sich daraus ein Bild zu machen. Leidenschaftslos ist das beileibe nicht, nur eben nicht aufgeregt.

Nicht zu viel Schnickschnack

Missionarischer Eifer, sagt Mosbrugger selbst, treibe ihn nicht an. „Ich persönlich finde, dass Wissenschaftler nicht dazu da sind, Politik zu machen“, sagt er, und dass er sich bei Senckenberg „als eine Art Broker von Wissen“ verstehe, als Händler, als Vermittler. „ Selbst politisch aktiv zu werden, würde ich für unlauter halten.“ Dabei, so glaubt er, könne die Wissenschaft nur an Autorität und Seriosität verlieren. Gerade in der Debatte um den Klimawandel habe man mit geradezu religiösen Überzeugungen zu tun. Deswegen versuche die Ausstellung „Planet 3.0“ auch, die Fakten sprechen zu lassen und nicht zu werten. „Ich denke, die Wirkung einer Datensammlung ist sogar größer“, sagt Mosbrugger.

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