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Carsten Knop

Zuhören statt Schwätzen : Fernsehlektion mit und für Bouffier

  • -Aktualisiert am

Lange Antworten: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier Bild: Frank Röth

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier antwortet ausschweifend und fällt anderen ins Wort. Dabei setzt echtes Interesse am Gegenüber Zuhören voraus, nicht Dozieren. Das schadet ihm mehr, als es nützt.

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          Gespräche mit dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) haben ihren besonderen Charme. Das gilt aber nur dann, wenn man in der Lage ist, ihn zu entdecken. Das Problem ist, dass seine Antworten auf die ersten beiden Fragen seiner Gesprächspartner gleich eine ganze Stunde verschlingen können. In Wiesbaden ist das Alltagswissen der Berichterstatter. Man scherzt darüber, notgedrungen. Auch er selbst gibt sich schelmisch gespannt, was die Journalisten daraus später wohl machen werden. Und doch ist es eine Angewohnheit, die Bouffier im Jahr 2021 dringend überdenken sollte.

          Das gilt grundsätzlich, aber ganz besonders dann, wenn er, wie man in Wiesbaden inzwischen vermutet, sich noch um eine weitere Amtszeit als Ministerpräsident bewerben will. Wer der CDU grundsätzlich wohlgesonnen ist, sollte es am lautesten kritisieren: Denn diese Art der Kommunikation ist aus der Zeit gefallen. Echtes Interesse am Gegenüber setzt Zuhören voraus, nicht Dozieren, was heutzutage übrigens auch für Lehrer oder Journalisten gilt. Das Ausbremsen von missliebigen Fragen gelingt ohnehin nicht (mehr). Es gibt jeweils genügend andere Kanäle, auf denen sich die Fragesteller Gehör verschaffen können.

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