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Fotografie Forum Frankfurt : Schatten, Spiegel, Frauenkörper

Die etwas andere Art, Mode in Szene zu setzen: Die Arbeiten von Viviane Sassen widersprechen den Regeln der traditionellen Modefotografie. Diese stellt sie im Fotografie Forum Frankfurt aus.

          Es ist eine doppelte Premiere. Mit dieser Ausstellung eröffnet das wiedererstandene Fotografie Forum Frankfurt den laufenden Betrieb in seinen neuen Räumen an der Braubachstraße. Und es handelt sich um die erste Überblicksausstellung der 1972 geborenen niederländische Fotokünstlerin Viviane Sassen in Deutschland. Ein programmatischer Anfang, möchte man meinen: mit einer weiblichen Perspektive auf den Frauenkörper, mit Ironie und der leichten Irritation von Erwartungshaltungen, mit einem spielerischen, grenzüberschreitenden Ansatz, der Individualität mit kommerziellen Erfordernis anscheinend mühelos verbindet. Zum Neuanfang wird keine hammerharte Position vorgeführt, keine radikale Moderne, weder etwas strikt Dokumentarisches noch etwas rein Abstraktes. Keine freie Fotokunst, die sich keinerlei Zwängen unterwerfen müsste, ist zu besichtigen. Stattdessen ist ein wesentlicher Teil der in dieser Präsentation versammelten Arbeiten Ergebnis von Aufträgen. Es scheint so, als wolle das Fotografie Forum damit vor Augen führen, dass es ganz von dieser Welt ist, wo sich schöpferische Kraft und Verkaufsinteressen nicht ausschließen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Kern geht es um Modefotografie. Und um die Erkenntnis, dass auch Modefotografie Kunst sein kann. Viviane Sassen widmet sich dem Genre einigermaßen respektlos, was sich allerdings nie auf die handelnden Personen ausweitet. Auf diese wirft sie vielmehr einen anderen Blick als die traditionellen Bildbelieferer von der Mode gewidmeten Hochglanzzeitschriften, auch wenn sich die Dargestellten oft verrenken oder in einigermaßen grotesken Situationen auftreten müssen. Aber die Fotografin entlässt sie gewissermaßen aus ihrer Rolle als Model, die Frauen brauchen nicht länger nur gut auszusehen und zu posieren, sie werden vielmehr zu Akteurinnen in oft surrealen Szenen. Diese Art von Modefotografie pflegt einen lockeren Umgang mit den Vorgaben, die es freilich nach wie vor gibt, schließlich sollen Kleidung und Accessoires ins rechte Licht gesetzt werden. Doch die Fotografin unterläuft die traditionellen Anforderungen an die Verbildlichung von Mode. Im Einverständnis mit den Auftraggebern. Zwischen künstlerischen Ansprüchen und kommerziellen Notwendigkeiten entsteht so ein Spannungsfeld, das gleichsam kontrollierte ästhetische Experimente ermöglicht.

          Widerspricht den traditionellen Regeln

          In der Ausstellung sind jedoch auch Werke zu sehen, die unabhängig von der Modeindustrie entstanden sind, darunter Akte, in denen der Leib zum Ornament, zum Teil einer übergeordneten Form wird. Oft beginnen einzelne Gliedmaßen ein Eigenleben zu führen. Hier wie auch in den Modeaufnahmen steht der formale Aspekt im Mittelpunkt. Die Körper, die in der Werbung oder in den einschlägigen „Fashion Magazines“ sonst Projektionsflächen für ein auf den Eros und die modischen Waren gleichermaßen gerichtetes Begehren sind, verlieren sich in formalen Ensembles und rätselhaften Geschichten.

          Die Fotografin arbeitet mit Schatten und Spiegelungen, mit ungewöhnlichen Körperstellungen und anderen Mitteln, die den traditionellen Regeln der Modefotografie widersprechen. Gerade deshalb freilich sind Modelabels und Magazine darauf aus, sie für Werbekampagnen und Fotostrecken zu gewinnen. Man möchte schließlich innovativ sein, und das soll auch in den Bildern zum Ausdruck kommen. Kunst, Werbung, Modewelt, Lifestyle, Hochkultur: längst ist all dies nicht mehr zu trennen.

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