https://www.faz.net/-gzg-9grw8

Luxus-Airline : Ein Daunenbett über den Wolken

  • -Aktualisiert am

Im Privatjet unterwegs: Ein wenig großzügiger als die Economy Class Bild: Unternehmen

Wenn der Luxus in der First Class nicht ausreicht, ist Vista Jet zur Stelle. Für einen Flug von Frankfurt nach London verlangt das Unternehmen zwischen 12.000 und 19.000 Dollar.

          Darf es ein bisschen mehr sein? Das Unternehmen Vista Jet hat diese Frage mit „Auf jeden Fall!“ beantwortet. Wer am Frankfurter Flughafen die Bombardier Global 6000 betritt, dessen Füße sinken in plüschigen Teppich. Die cremefarbenen Ledersitze sind weich. In der dunklen Verkleidung neben dem Sitz verbirgt sich ein iPod, mit dem die Raumtemperatur, die Belüftung und das Licht reguliert werden können. Eine junge Frau serviert Getränke in Kristallgläsern.

          Dieser Spaß kostet. Wer in solchem Luxus reisen will, muss entweder selbst einen Privatjet besitzen. Oder er chartert ein Flugzeug, zum Beispiel bei Vista Jet. Das ist auch teuer; aber das Unternehmen wirbt damit, dass man mehr für sein Geld bekommt. Die Global 6000 kostet zum Beispiel 60 Millionen Dollar in der Anschaffung. Abschreibungskosten und Betriebskosten, außerdem der Verlust, wenn die Maschine nicht voll ausgelastet ist, kommen hinzu. Wer least, zahlt nur einen Bruchteil davon. Aber mitunter stimmt der Service dann nicht.

          330.000 Passagiere bislang

          Gegründet hat der Schweizer Thomas Flohr das Unternehmen genau aus diesem Grund – er flog als Finanzberater 800 Stunden im Jahr, so viel, dass es mit Linienflügen nicht zu schaffen war. Charter gefielen ihm nicht. Die Ausstattung war jedes Mal anders, und es nervte ihn, dass er für Tausende Dollar flog, aber seinen Kaffee im Styroporbecher bekam. Er schaffte sich einen Privatjet an und begann, ihn zu vermieten, wenn er ihn nicht brauchte, damit die Anschaffung sich lohnt. Bald brauchte er einen zweiten Jet, denn viele seiner Freunde und Geschäftspartner wollten seinen ersten Jet leihen. 2004 gründete Flohr Vista Jet mit zwei Flugzeugen. Knapp 15 Jahre später sind es 72. Vista Jet ist der größte Kunde von Bombardier. Nach Angaben des Unternehmens wurden bislang 330.000 Passagiere zu 1600 verschiedenen Flughäfen geflogen.

          Kunden von Vista Jet erwartet ein Luxusflug – zu einem entsprechenden Preis.

          Philippe Scalabrini wird an diesem Abend am Fraport eine Maschine aus der Flotte Richtung Paris besteigen. Er freut sich auf den Flug, wegen der Ausstattung, der tollen Crew, dem Essen. Scalabrini ist allerdings kein Ölmagnat oder Superstar, er leitet Vista Jet in Europa und darf die Maschinen für seine geschäftlichen Termine nutzen. In Frankfurt ist er oft. Deutschland sei ein wichtiger Markt, sagt er, es gebe zahlungskräftige Kundschaft und eine hohe Nachfrage. Und Frankfurt ist einer der wichtigsten Flughäfen. Einen Heimathafen hat Vista Jet allerdings nicht. „Das spart Geld. Keine Maschine muss zu einem bestimmten Flughafen zurück und kann so immer optimal eingesetzt werden“, erklärt Scalabrini, während er das Flugzeug zeigt.

          600.000 Dollar für 50 Flugstunden

          Für die Kunden bietet Vista Jet zwei Modelle an: Entweder, sie entscheiden sich für ein Abonnement, das ihnen eine gewisse Anzahl von Flugstunden im Jahr sichert. Die Abos beginnen bei etwa 600.000 Dollar im Jahr für 50 Flugstunden.

          Die Global 600: Mit knapp 60 Millionen Dollar nicht gerade ein Schnäppchen.

          Die zweite Möglichkeit ist, direkt für jede Flugstunde zu zahlen. Ein Flug von Frankfurt nach London würde laut Scalabrini zwischen 12.000 und 19.000 Dollar kosten, je nach dem, welche konkrete Maschine gewählt wird. Im Preis inbegriffen sind aber auch alle Schikanen: Positionierungsgebühren, Essen vom Sternekoch, Daunendecken, eine Kabinenchefin, die am Butler Institute in London ausgebildet wurde, eine Zertifizierung als Wein- und Spirituosenkennerin und eine zusätzliche Nanny-Ausbildung von einem renommierten englischen College hat, um Kinder an Bord zu betreuen.

          Hohe Kundenbindung

          In der Global 6000 auf dem Privatjet-Rollfeld des Frankfurter Flughafens sitzen zwei Vista-Jet-Piloten und unterhalten sich. Sie sind erst später im Einsatz, wollen aber gern vorher noch ihren Arbeitsplatz zeigen. Erlebt haben sie bei ihren Schichten über den Wolken schon viel. „Es gibt kein Nein“, sagt der eine und lacht. „Wenn wir aus Tokio zum Beispiel einen Deutschen mitnehmen, der Schnitzel essen will, müssen wir uns kümmern, eine Metzgerei aufzutreiben, die in der japanischen Hauptstadt deutsches Schnitzel verkauft“, fügt sein Kollege hinzu. Die beiden mögen die Abwechslung – vor allem, was das Fliegen betrifft. „Nirgendwo sonst hast du so viele verschiedene Strecken, Landebahnen und Flughäfen“, sagt der Kopilot.

          Hat eine gute Kundenanbindung im Blick: Thomas Flohr ist Unternehmer und Gründer von Vista Jet.

          Das Konzept scheint auch bei den Kunden anzukommen – laut Vista Jet liegt die Kundenbindungsrate bei 91 Prozent. Das heißt: Fast alle, die den Service ausprobiert haben, bleiben dabei. Wer genau die Privatjets nutzt, will das Unternehmen nicht preisgeben. Immerhin verrät Scalabrini jedoch, dass die meisten Kunden vorher schon einen eigenen Jet hatten oder sich mit Partnern ein Flugzeug geteilt haben. Und dass sie zu den „sehr reichen Individuen“ gehören.

          Starkes Wachstum

          Es läuft gut für Scalabrinis Arbeitgeber. Die kürzlich vorgelegte Halbjahresbilanz zeigt ein starkes Wachstum: Die Zahl der abgeschlossenen Mitgliedschaftsverträge hat sich verglichen mit dem Vorjahr verdoppelt, außerdem hätten die Kunden 21 Prozent mehr Flüge angetreten. Nach Angaben des Unternehmens beträgt das Eigenkapital 2,5 Milliarden Dollar. Und Vista Jet will weiter wachsen: Die Flotte soll um zusätzliche Flugzeuge verstärkt werden.

          Fragt man Scalabrini nach neuen Zielen, bekommt man eine klare Antwort. „Wir fliegen überall hin, wo es Treibstoff und eine Landebahn gibt.“ Bisher sind das immerhin schon 96 Prozent der gesamten Welt.

          Weitere Themen

          Sport im virtuellen Gruppenkurs

          Fitnessbörsengang : Sport im virtuellen Gruppenkurs

          Peloton ist mit seinen Fitnessfahrrädern für den Hausgebrauch in Amerika zum Kult geworden und will bald nach Deutschland expandieren. Jetzt geht das Unternehmen mit großen Erwartungen an die Börse.

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron am Dienstag bei einer Veranstaltung im Elysée-Palast

          Frankreich : Der Präsident entdeckt das einfache Volk

          Emmanuel Macron will in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit stärker auf die Ängste ärmerer Franzosen vor Migranten eingehen – und stößt damit auf Widerstand.

          Die EU und Großbritannien : Warten auf Boris

          Einen Monat vor dem europäischen Gipfeltreffen, das Klarheit über den britischen EU-Austritt schaffen soll, wächst die Anspannung. Die EU hofft weiter auf konkrete Vorschläge aus Großbritannien. Doch die Zeit wird knapp.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.