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Vierte Piste am Frankfurter Flughafen eröffnet : Merkel durfte als Erste landen

  • Aktualisiert am

Die Maschine der Kanzlerin landete „mit 60 Sekunden Verspätung“, schreiben die Nachrichtenagenturen Bild: dpa

Nach 14-jährigem Ringen ist die neue Landebahn an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt eingeweiht worden. Als erstes Flugzeug landete dort die Regierungsmaschine mit der Kanzlerin an Bord.

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          Der wichtigste Teil des Frankfurter Flughafenausbaus ist abgeschlossen. Die neue Nordwestbahn wurde am Freitag in Betrieb genommen. Als erste landete eine Regierungsmaschine mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an Bord auf der neuen Piste.

          Damit hat Deutschlands größter Flughafen nun vier Bahnen. Der Ausbau soll die Kapazität in den kommenden Jahren um 50 Prozent erhöhen. Der Streit um Nachtflüge und Proteste gegen Fluglärm gingen unterdessen weiter.

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          Die Feier der „Erstlandung“ im Zelt nahe der Landebahn war begleitet von Protesten - für die Festgäste allerdings nicht sichtbar. Im Passagierterminal 2 entrollten Aktivisten von Robin Wood ein Transparent mit der Aufschrift: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Flugbewegungen deckeln!“ Für den Klimaschutz sei nicht mehr, sondern weniger Flugverkehr nötig.

          Im nahen Flörsheim versammelten sich mehrere hundert Demonstranten, um gegen den wachsenden Fluglärm zu protestieren. In der gesamten Region rund um den Flughafen fühlen sich Bürger mit ihrer Forderung nach mehr Lärmschutz alleingelassen.

          Ins Festzelt waren neben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auch seine beiden Vorgänger Roland Koch (CDU) und Hans Eichel (SPD) gekommen. „Die Eröffnung ist nach 13 Jahren ein guter Anlass zum Feiern“, sagte Bouffier. Er wiederholte seine Aussage, dass er für die nächsten 20, 30 Jahre keinen weiteren Ausbau des größten Flughafens in Deutschland sieht. „Was spätere Generationen entscheiden, ist deren Sache.“

          Zu den Protesten der Menschen in der Einflugschneise sagte Ex-Regierungschef Koch: „Es ist ein Sonderopfer. Es ist eine große Belastung, die diese Menschen für die Region tragen.“

          Für die Luftfahrtwirtschaft überschattet das gerichtlich verhängte Nachtflugverbot die Freude über mehr Kapazitäten für Starts und Landungen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte in der vergangenen Woche die 17 im Winterflugplan enthaltenen Flüge zwischen 23 Uhr und 5 Uhr vorläufig untersagt, bis das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz entscheidet.

          Ein Nachtflugverbot hatte die Flughafen-Mediation als Bedingung für den Ausbau gefordert, die Landesregierung unter Koch hatte dies auch versprochen, dann aber Ausnahmen erlaubt. Das Verbot sei nur eine vorläufige Entscheidung des VGH, erklärte Bouffier. Der Blick richte sich jetzt auf die nächste Instanz: „Wir brauchen jetzt die höchstrichterliche Entscheidung. Und die gilt dann - so oder so.“

          Der Flughafenbetreiber Fraport kann unterdessen mit Ausnahmeregeln für verspätete Flieger rechnen. Der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) habe ihm eine Lösung innerhalb weniger Tage zugesagt, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte bei der Eröffnungsfeier.

          Fraport und Lufthansa wenden sich gegen eine strikte Anwendung des Nachtflugverbots auch für etwa durch Witterungseinflüsse verspätete Flieger. Solche Ausnahmeregeln seien international aber üblich, betonte Schulte.

          Fluglotsen halten das Sicherheitssystem am erweiterten Frankfurter Flughafen derweil für so kompliziert, dass die angestrebte Zahl von Flugbewegungen gar nicht erreicht werden kann. „Wir können froh sein, wenn wir mit dem neuen System und den vier Bahnen genauso viel Verkehr schaffen wie bislang mit drei Bahnen“, sagte Markus Siebers vom Vorstand der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).

          Die anvisierte Kapazitätserweiterung auf 126 Flugbewegungen pro Stunde sei mit dem nun installierten Verfahren nicht zu erreichen.
          Die Landebahn mit Flugzeugbrücken über die Autobahn und Bahntrasse entstand in zweieinhalb Jahren Bauzeit im Nordwesten des bisherigen Geländes.

          Die reinen Baukosten beziffert Fraport auf 600 Millionen Euro, hinzu kommen die Verlagerung des Ticona-Chemiewerks (670 Millionen Euro) und ein Umwelt-Ausgleich für rund 160 Millionen Euro. Der gesamte Flughafenausbau mit neuem Terminal im Süden soll vier Milliarden Euro kosten.


           

          Der lange Weg zu einer neuen Landebahn am Flughafen Frankfurt

          1997: Der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber fordert erstmals öffentlich die Erweiterung des Flughafens. Das Thema ist vor allem deshalb heikel, weil es in Frankfurt in den 80er Jahren zu Massenprotesten gegen den Bau der Startbahn West gekommen war. Bei den Auseinandersetzungen wurden auch zwei Polizisten erschossen. Auch als Konsequenz daraus richtet der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) für die Diskussion um eine neue Landebahn eine Mediationsgruppe ein.

          2000: Die Mediatoren sprechen sich in ihrem Abschlussbericht grundsätzlich für einen Ausbau der Flughafens aus, koppeln diesen aber unter anderem an ein Nachtflugverbot. Zwischen 23.00 Uhr und 05.00 Uhr soll es laut dem Vorschlag keine Starts und Landungen geben.

          2007: Nach jahrelangen Diskussionen erteilt das hessische Wirtschaftsministerium den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau. Doch der Beschluss kippt auch das ursprünglich geplante Nachtflugverbot. Nach der Erweiterung um die vierte Landebahn sollen pro Nacht 17 Flüge zugelassen werden. In die Kritik gerät wegen dieses Kurswechsels auch der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU).

          2009: Im Januar beginnen die Arbeiten für die neue Landebahn. Durch die 2800 Meter lange Piste sollen pro Stunde statt bisher 83 Starts und Landungen langfristig 126 Flugbewegungen möglich sein. Im August genehmigt der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) den Ausbau. Allerdings fordern die Richter eine stärkere Einschränkung der Nachtflüge.

          2011: Eineinhalb Wochen vor der Einweihung des Flughafens untersagt der VGH Nachtflüge am Flughafen. Damit dürfen ab Inkrafttreten des Winterflugplans Ende Oktober vorerst zwischen 23. 00 Uhr und 05.00 Uhr keine Flieger mehr starten und landen. Ein endgültiges Urteil muss das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig treffen. Die Entscheidung wird Anfang kommenden Jahres erwartet. Fluggesellschaften reagieren mit Unverständnis. Lufthansa-Chef Christoph Franz fordert sogar, die Eröffnung der neuen Landebahn zu verschieben. Doch am Freitag wird die neue Bahn wie geplant in Betrieb genommen.

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