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SV Darmstadt 98 : Vier Standorte für neues „Lilien“-Stadion

  • -Aktualisiert am

Nicht ganz im Abseits: Das Böllenfalltor-Stadion ist auf Dauer zwar nicht bundesligatauglich, Heimat von Darmstadt 98 soll es aber bleiben. Bild: Axel Häusler

Ob die Areale für ein bundesligataugliches Stadion geeignet sind, muss die weitere Prüfung noch zeigen. Doch das ist nicht die einzige Ungewissheit bei dem angestrebten Millionenprojekt.

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          Die Stadt hat am Montag zusammen mit dem SV Darmstadt 98 Standorte vorgestellt, die sich nach einer ersten Prüfung für ein neues Fußballstadion eignen. Insgesamt wurden von der Stadtverwaltung zwölf Areale nach einem aus sieben Punkten bestehenden Kriterienkatalog bewertet. Vier wurden anschließend in die engere Wahl genommen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) und der Präsident des Sportvereins, Rüdiger Fritsch, auf einer Pressekonferenz erläuterten, sollen diese vier Standorte in den nächsten vier bis fünf Monaten zusammen mit dem Frankfurter Planungsbüro Albert Speer einer weiteren und kritischen Wertung unterzogen werden. Noch vor der Sommerpause könnten die Stadtverordneten-Fraktionen dann über das weitere Verfahren entscheiden.

          „Bundesligataugliche Bedingungen“

          Bei den vier Standorten handelt es sich um eine 36 Hektar große Fläche zwischen dem Unternehmen Merck, der S-Bahn und dem Vereinsgelände von Orplid im Westen des Stadtteils Arheilgen, um ein 28 Hektar großes Areal südlich der Bundesstraße 26 im Stadtwald direkt im Anschluss an das Telekom-Gelände, um ein 32 Hektar großes Waldareal im Stadtteil Eberstadt westlich der Eisenbahn und der A 5 sowie um die 41 Hektar großen landwirtschaftlichen Flächen des Gehaborner Hofs, die zwar auf Weiterstädter Gemarkung liegen, aber der Stadt gehören. Die bisherigen Schätzungen für einen Neubau gehen von einem Flächenverbrauch für Stadion und Parkplätze zwischen 26 und 30 Hektar aus bei einer Kapazität von bis zu 25 000 Zuschauern.

          Es sei keineswegs selbstverständlich, in einer wachsenden Stadt wie Darmstadt mehrere grundsätzlich geeignete Standorte für den Bau eines bundesligatauglichen Stadions zu finden, hob Partsch am Montag hervor. Die vier Areale gingen mit denselben Chancen in die weitere Prüfung. Damit sei sichergestellt, „dass Darmstadt sich für einen qualifizierten Standort entscheiden kann, an dem garantiert ist, dass wir dem Profifußball des SV 98 optimale bundesligataugliche Bedingungen für eine gute Zukunft bieten“.

          Erhebliche Eingriffe nötig

          Der Oberbürgermeister sagte allerdings auch, dass jeder der vier Standorte Nachteile aufweise. Es brauche daher große Anstrengungen, um einen Neubau zu realisieren. Ohne auf freie landwirtschaftliche Flächen oder Wald zurückzugreifen, werde dies jedoch nicht gelingen.

          Die jetzt schon erkennbaren Vor- und Nachteile der vier Standorte sind in der städtischen Präsentation kurz beschrieben. So wäre die Fläche in Arheilgen zwar gut an das bestehende Nahverkehrsnetz anzubinden, aber der größere Teil befindet sich in Privatbesitz. Der Darmstädter Westwald hinter der Telekom-City ist zwar im Eigentum der Stadt, soll aber eigentlich als besonders geschützter Bannwald ausgewiesen werden - ein Projekt, für das sich die Bürgerinitiative „Westwald-Allianz“ einsetzt.

          In Eberstadt-West wären ebenfalls erhebliche Eingriffe in den dortigen Wald nötig, überdies führte die Erschließung durch ein geplantes Naturschutzgebiet. Beim Gehaborner Hof ist die Stadt ebenfalls Eigentümer des Areals, aber die Planungshoheit liegt bei Weiterstadt. Dies und die verkehrliche Erschließung gelten dort, wie auch in Eberstadt, als schwer kalkulierbare Zeit- und Kostenfaktoren.

          Alle Anträge abgelehnt

          Noch vollkommen offen ist die Finanzierung eines neuen Stadions. Laut Partsch ist die Zusammenarbeit mit einem Investor zwar gewünscht. „Wir sind da offen, vom Grundsatz aber ist es ein Projekt der Stadt und des Vereins.“ Der für die Modernisierung des vorhandenen Sportparks Böllenfalltor-Stadion aufgestellte Businessplan sei nach dem Scheitern des Bauleitplanverfahrens hinfällig: „Wir werden ein neues Finanzierungskonzept entwickeln und vermutlich auch unterfüttern, also das Geld in den Haushalt einstellen, das benötigt wird.“

          Welche Investitionen genau zu veranschlagen seien, sei derzeit aber noch nicht zu beziffern. Deshalb habe die grün-schwarze Koalition bei den Haushaltsberatungen vergangene Woche auch alle Anträge der Opposition abgelehnt. SPD und FDP hatten beantragt, in den Haushalt vorsorglich schon für das nächste Jahr zehn beziehungsweise 20 Millionen Euro einzustellen.

          „Intensive Diskussion“

          Für die Generalerneuerung des Traditionsstadions waren ursprünglich bis zu 35 Millionen Euro veranschlagt worden. Sollte tatsächlich die Entscheidung für einen Neubau fallen, ist an einen Verkauf der Anlage aber nicht gedacht. Wie Partsch sagte, gehören große Teil des Geländes dem Land Hessen, weshalb für die Stadt eine Refinanzierung ihrer Investitionen durch einen Verkauf schwierig sei. Außerdem wollten die „Lilien“ den Sportpark Böllenfalltor auf Dauer weiter nutzen. Fritsch sagte, es sei nicht geplant, den Vereinssitz oder das Trainingsgelände zu wechseln. „Das Böllenfalltor-Stadion soll der Mittelpunkt des SV Darmstadt 98 bleiben.“

          Dessen ungeachtet muss die Darmstädter Sportstätten-Gesellschaft bis zur Fertigstellung der neuen Arena weiter ins Altstadion investieren, um die Voraussetzung für die Lizenzerteilung durch die Deutsche Fußball Liga zu schaffen. Man sei schon jetzt in einer „intensiven Diskussion“ mit der Fußball-Liga, die ihre Entscheidung auch davon abhängig mache, „ob ein verlässliches Zukunftskonzept erkennbar ist“, sagte Fritsch.

          Zusammenarbeit angeboten

          Um die Auflagen für das alte Stadion zu erfüllen, stehen der Stadt jene zehn Millionen Euro zur Verfügung, die das Land der Stadt als nicht zweckgebundenen Zuschuss gewährt hat, plus jene 3,5 Millionen Euro an Sportförderung, über deren konkrete Verwendung „wir gerade mit dem Land diskutieren“, sagte Partsch.

          Die SPD als größte Oppositionsfraktion hat am Montag abermals bekundet, dass sie an der „zwingenden Notwendigkeit“ eines neuen Stadions keinen Zweifel hege, und dem Oberbürgermeister eine Zusammenarbeit angeboten habe. Auf den Vorschlag einer „Stadionkoalition jenseits von Regierungs- und Oppositionsgrenzen“ sei Partsch bislang aber nicht eingegangen.

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