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Vier Misshandlungen : Pferdeschänder auf Wiesbadener Weiden

In Wiesbaden gab es nun schon mehrere Fälle von Pferdemisshandlungen. Bild: dpa

Viermal sind in den zurückliegenden acht Wochen in zwei Wiesbadener Stadtteilen Pferde misshandelt worden. Noch hat die Polizei keine Spur.

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          Viermal sind in den zurückliegenden acht Wochen in zwei Wiesbadener Stadtteilen Pferde misshandelt worden. Ein besonders brutales Verbrechen ereignete sich am helllichten Tag auf einer Koppel in der Nähe des Reitplatzes im Stadtteil Kloppenheim. Nach den Angaben der Polizei wurden einer Stute auf grausame Weise Verletzungen der Genitalien beigebracht. Der Vierbeiner hat überlebt, befindet sich aber in tierärztlicher Behandlung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Eine andere Besitzerin fand ihr Pferd Anfang dieses Monats mit blutverschmierten Hinterbeinen auf der Koppel. Was zunächst wie ein Unfall aussah, war jedoch ebenfalls das Ergebnis eines Verbrechens. Die Tierärztin diagnostizierte auch in diesem Fall Verletzungen im Genitalbereich.

          Verletzungsmuster

          „Kloppenheim ist Wiesbadens Pferdedorf“, sagt die Ortsvorsteherin Erika Milke-Frenz (SPD). Sie will nicht von Panik sprechen, weiß aber zu berichten, dass manche Besitzer ihre Pferde nachts nicht mehr auf der Wiese ließen. Der Kloppenheimer Reitverein habe seine Mitglieder in Mails aufgefordert, wachsam zu sein und verdächtige Beobachtungen gegebenenfalls der Polizei mitzuteilen.

          Die Polizei hat nach eigenen Angaben bislang noch keine Spuren - abgesehen vom Verletzungsmuster. Es findet sich nicht nur in Kloppenheim, sondern auch am anderen Ende der Stadt. Im Adamstal wurden einer Stute Ende März ähnliche Schnittverletzungen zugefügt. Drei Wochen zuvor traf es auf derselben Wiese einen Wallach. Er wurde mit Schnitten an der Brust verletzt.

          Reichlich Literatur über Pferderipper

          In allen vier Fällen schließen Polizei und Mediziner aus, dass die Pferde sich selbst verletzt haben. Die Frage, ob es sich immer um denselben Täter handele, kann die Polizei nicht beantworten. „Ich will nicht mutmaßen“, sagte der Sprecher des westhessischen Präsidiums gestern.

          Über Pferderipper gebe es reichlich Literatur, berichtet Rudolf Egg, der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle von Bund und Ländern in Wiesbaden. Bei den aktuellen Fällen kämen zwei Möglichkeiten in Frage: Die Verbrechen könnten einerseits von Tierquälern begangen worden sein, andererseits müsse man auch an Täter denken, die „üben, um später Menschen entsprechend zu malträtieren“.

          Unbewacht auf der Weide

          Der habilitierte Kriminalpsychologe, der sich mit Serien- und Sexualstraftätern beschäftigt, erinnert sich beispielsweise an den „Rhein-Ruhr-Ripper“ Frank Gust. Bevor der Serienmörder zwischen 1994 und 1998 vier Frauen umbrachte, hatte er vorher zahlreiche Tiere getötet. Bei vielen Sexualverbrechen habe man eine Vorgeschichte nachgewiesen, deren Opfer Tiere gewesen seien, erklärt Egg.

          Dabei gälten Pferde aus der Sicht des Täters als „edle“ Tiere. Außerdem seien sie im Unterschied etwa zu Schafen sehr groß - und dennoch verletzlich. Dies hänge damit zusammen, dass sie sich im Unterschied etwa zu Schäferhunden sehr freundlich verhielten.

          Wenn man ihnen ein Stück Zucker gebe und wisse, wie man mit ihnen umzugehen habe, seien sie aus der Sicht des Täters völlig wehrlos. Hinzu komme die besondere Konstellation - die Tiere stünden unbewacht auf einer Wiese. Das Risiko, in ihrer Nähe gesehen oder sogar erwischt zu werden, sei für potentielle Täter vor allem in den Sommernächten sehr gering. Aufgrund dieser Umstände ergebe sich, dass derartige Verbrechen an Tieren häufig nicht aufgeklärt werden könnten, sagte Egg.

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