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Artenvielfalt in Hessen : Zwei Drittel auf der Roten Liste

In Hessens Wäldern sind viele Tierarten zuhause – nicht wenige von ihnen sind gefährdet. Bild: Sandra Schildwächter

Landwirtschaft, Urbanisierung und Klimawandel haben tiefe Spuren in der Tierwelt des Bundeslandes hinterlassen. Fast die Hälfte aller heimischen Insekten und Amphibien sowie rund zwei Drittel aller Säugetiere und Reptilien stehen bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Hessens Umweltschützer sind alarmiert und kämpfen in zahlreichen Projekten darum, die Vielfalt von Fauna und Flora zu erhalten.

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          Lust auf warme Steine

          Er ist der Tiger unter den Tagfaltern. Aber nur die schwarzen Streifen auf seinen cremefarbenen Flügeln lösen diese Assoziation aus. Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) ist kein Fleischfresser, auch wenn der Schmetterling aus der Familie der Ritterfalter mit seinen Sporen an den Hinterflügeln imposant wirkt. Er schlürft Nektar aus violetten Blüten, wie Nachtviole und Kratzdistel, Natternkopf und Lavendel, Flockenblume und Schmetterlingsflieder. Aber nur als Imago, als erwachsener Schmetterling. Als Raupe frisst er sich am liebsten durch das Laub von Steinweichsel, Schlehe und Weißdorn, wo er aus dem Ei geschlüpft ist. Möglichst nahe über Feldsteinen an einem Südhang, von dem vielleicht schon das Faltermännchen auf der Suche nach einem paarungswilligen Weibchen ohne Flügelschlag herabgesegelt war. Der männliche Segelfalter liebt dieses „hilltopping“, wie Biologen sagen. Das Weibchen mag die Steine, die tagsüber Sonne speichern und sie nachts als Wärme abstrahlen.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Alexander Davydov

          Die Larven brauchen die Wärme, und warme Feldsteinmauern gibt es in Hessen vor allem in den Weinbaugebieten des Rheingaus. Etwa bei Assmannshausen. Dort hatte Nico Flügel, Referent für Flächenmanagement bei der Stiftung des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu-Stiftung), schon 2017 für seinen Bachelor-Abschluss geforscht und ein Konzept für gefährdete Tagfalter erstellt. „Im Zuge der Flurbereinigung wurden viele Trockenmauern entfernt, um die Rebstockzeilen für Erntemaschinen befahrbar zu machen“, erläutert er. Auch Steinweichseln und Schlehen seien beseitigt worden. „Andere Standorte zwischen Assmannshausen und Rüdesheim wurden vom Weinbau aufgegeben und verbuschen.“ Kein Wunder, dass der Segelfalter in der Roten Liste des Landes Hessen als „stark gefährdet“ gilt. An Mosel und Nahe in Rheinland-Pfalz geht es ihm besser. Auch im östlichen Brandenburg und der sächsischen Lausitz.

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