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Eintracht Frankfurt : Muss die Eintracht doch ans Portemonnaie?

  • -Aktualisiert am

Sehr langsame Fortschritte: Guillermo Varela und Szabolcs Huszti stecken in langwierigen Verletzungsgeschichten. Bild: Heiko Rhode

Trainer Niko Kovac plagt sich vor der Partie gegen Schalke mit einem Personalengpass herum – wenn er die perfekte Dreierkette will. Ein Transfer würde seine Sicherheitspolitik erleichtern.

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          Die Frankfurter Eintracht ist Bundesligaspitze – bei keinem anderen Klub stehen mehr Namen auf der Liste der nicht einsatzfähigen Profis. Vor der Begegnung an diesem Freitag (20.30 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker) bei Schalke 04 fehlen die Langzeitverletzten Anderson, Stendera und Regäsel, Russ, der sich nach seiner Krebserkrankung wieder im Aufbautraining befindet, sowie Ordóñez, Fabián, Huszti, Varela und Blum. Da die Eintracht die Spieler Medojevic, Gerezgiher und Bunjaki nicht mehr für Erstligaeinsätze vorsieht, zudem Hradecky und Rebic gesperrt sind, haben sich die Auswahlmöglichkeiten für Trainer Niko Kovac um insgesamt 14 Positionen verringert, um die bestmögliche Mannschaft herauszufiltern.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dabei ist die Eintracht noch von Muskelverletzungen weitestgehend verschont geblieben, was die sportliche Leitung in Zusammenhang mit ihrer Belastungssteuerung und der Qualität der medizinischen Betreuung bringt. Was verwundert, ist, dass einige Spieler so lange benötigen, bis sie nach Verletzungen wieder voll einsatzbereit sind. Blum und Varela brachten im Trainingslager von Abu Dhabi zwischen dem 4. und 14. Januar so manche Einheit im Kollegenkreis hinter sich.

          Nichts, was geeignet und finanzierbar wäre

          Sie sind fast zwei Wochen danach aber immer noch nicht so fit, dass ihnen Trainer Kovac einen Einsatz zutraut. Fabián machte in den Emiraten fast alle Übungen vom ersten bis zum letzten Tag mit, auch das letzte Testspiel gegen Zenit St. Petersburg. Danach klagte der Mexikaner über Hüftbeschwerden, die umfangreiche Untersuchungen nach sich zogen. Eine signifikante Linderung trat noch nicht ein, über die Diagnose besteht auch noch keine eindeutige Klarheit. Wann Fabián wieder spielen kann, ist ungewiss.

          In diesem Zusammenhang überraschte Kovacs eindeutige Aussage, dass die Eintracht in der bis 31. Januar währenden Transferphase keine Verpflichtung mehr tätigen würde. Die Aussage steht im klaren Widerspruch zu Sportvorstand Fredi Bobic, der vor kurzem noch sagte: „Es kann in beide Richtungen noch etwas passieren, manchmal geht das sehr schnell, was ja auch nicht schlecht sein muss.“

          Es ist auch nicht so, dass die Eintracht von der Finanzabteilung zur Untätigkeit verdammt worden wäre. Jeder Euro, der durch Transfers noch eingenommen wird, könnte reinvestiert werden. Selbst wenn niemand mehr verkauft werden würde, könnte ein gewisser Betrag sogar im Vorgriff auf den Sommer investiert werden, falls zum Beispiel Fabián lange ausfallen sollte. Das Eigenkapital nicht unter fünf Millionen Euro sinken zu lassen ist nämlich kein Vorstands- oder Aufsichtsratsbeschluss, sondern eine in Ausnahmefällen umgehbare Absichtserklärung. Kovacs Erklärung, „wir müssen mit dem Spielermaterial, das wir jetzt haben, haushalten können“, bezieht sich auf die aktuelle Marktlage, die der Eintracht nichts bietet, was geeignet und finanzierbar wäre. Aber in den letzten 24 Stunden vor Transferschluss ist schon vieles in Bewegung geraten.

          Hasebe bringt Ruhe und Übersicht

          Für Schalke muss Kovac mit dem auskommen, was er hat. Für den Eintracht-Trainer stellt sich grundsätzlich die Frage: Dreierkette oder Viererkette. Und falls er sich für die Dreierkette entschließt, folgt die Überlegung, ob er sie wieder mit Hasebe bildet, der auf dieser Position seine besten Spiele machte. In Leipzig vertrat ihn Hector auf dieser Position, weil der Japaner für Huszti als defensiver Mittelfeldspieler gebraucht wurde. Die Bewertung dieser Formation in Leipzig fällt nicht leicht. Durch Hradeckys frühen Platzverweis war vieles in Unordnung geraten. Nach einer Eingewöhnungsphase stand die Eintracht-Abwehr trotz Unterzahl jedoch über weite Strecken der Auseinandersetzung ganz gut.

          Nicht verschont: Auch auf Marco Fabián muss Trainer Kovac im Moment verletzungsbedingt verzichten.
          Nicht verschont: Auch auf Marco Fabián muss Trainer Kovac im Moment verletzungsbedingt verzichten. : Bild: Jan Huebner

          Dennoch konnte man behaupten, dass Hasebe in der Dreierkette wertvoller ist als im defensiven Mittelfeld und dass Hector Hasebes Format in der Abwehrkette nicht erreicht, wenngleich der Jamaikaner in Leipzig nicht schlecht spielte. Vor allem ein Argument spricht für Hasebe: Seine Ruhe und Übersicht wirkt sich positiv auf seine Nebenleute Vallejo und Abraham aus. Die beiden hatten mit Mittelmann Hector mehr wacklige Situation zu überstehen als mit Hasebe.

          Im Mittelfeld fehlen überzeugende Alternativen

          Deshalb wird Kovac wohl zu seiner bewährten Sicherheitspolitik zurückkehren. Hector könnte dann neben Mascarell im defensiven Mittelfeld agieren. Für die drei verbleibenden offensiven Plätze ist Hrgota gesetzt, und auch Meier dürfte in der Startelf stehen. Eine weitere Zurückstufung auf die Ersatzbank würde schließlich die Diskussion um die Zukunft des Frankfurter „Fußball-Gottes“ endgültig entfachen. Für den letzten Platz kommen Barkok, Seferovic, Gacinovic und Tarashaj in Frage.

          Da dürfte Barkok die besten Karten haben, da er von allen Kandidaten Fabiáns Rolle als unberechenbarer Spielmacher am besten ausfüllen kann. Die Aufzählung macht deutlich: Für die Offensive hat die Eintracht Alternativen. Aber solange der bald 34 Jahre alte Huszti verletzt ist, fehlt es im defensiven Mittelfeld an überzeugenden Lösungen, sobald der Trainer auf die optimale Dreierkette mit Hasebe setzen möchte. Grund genug, die Geldbörse zu öffnen?

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