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Lutherweg durch Hessen : Viele Infos und ein bisschen Kerkeling

„Viele halten Ruhe gar nicht mehr aus“

400 Kilometer auf Luthers Spuren. Wanderbar am Stück oder in kleinen Etappen. Bernd Rausch selbst hat sich das Ziel gesetzt, den Weg im Ganzen zu laufen. Irgendwann einmal, wenn es wieder ruhiger geworden ist in dem kleinen Vereinsbüro. „Pilgern?“, fragt er und seufzt. Dafür brauche man viel Zeit. Und noch mehr Ruhe. Und beides habe er gerade nicht. „Aber bald will ich wieder auf die Piste.“

Eleonore Hansel ist schon auf „der Piste“. Besser gesagt, auf dem Weg. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen hat sie sich im vergangenen Jahr durch die evangelische Landeskirche zur Pilgerführerin ausbilden lassen. Entlang der Wegstrecke können Wandergruppen die Pilgerführer dazubuchen und sich in die Kunst des Pilgerns einführen lassen. Eleonore Hansel ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Sie hat ein Zimmer in ihrem Haus geräumt, um müden Wanderern auf dem Lutherweg eine Herberge zu bieten. Heute erwartet sie ihren ersten Gast.

Das Pilgern sei für viele eine ganz neue Erfahrung, sagt die 68 Jahre alte Eleonore. „Heute, da alles schnell, schnell, schnell gehen muss, hat die Suche nach der Langsamkeit begonnen“, sagt sie. Dabei sei Pilgern etwas völlig anderes als Wandern. Nicht die Bewegung, sondern die Reise zu sich selbst stehe im Vordergrund. Und genau bei dieser Reise will sie den ungeübten Pilger ein Stück des Weges begleiten. Eleonore Hansel setzt gezielte Impulse, damit die Pilger ihre Gedanken auf Reisen schicken können. Schweigend, wie sie hervorhebt. „Es gibt viele Menschen, die Ruhe gar nicht mehr aushalten“, hat sie in den vergangenen Wochen beobachtet.

Der Weg führt zu großen Teilen durch ländliches Gebiet. Mitunter geht es aber auch mitten durch die Stadt, mitten durchs Leben. Durch Frankfurt, beispielsweise. Über die Zeil, vorbei an der Bethmann-Bank, wo einst das Gasthaus Strauß stand, in dem Luther den Erzählungen nach auf seinem Hin- und auch auf seinem Rückweg einkehrte. Weiter geht es über den Eisernen Steg nach Sachsenhausen. „Auch das ist ein Erlebnis“, sagt Bernd Rausch, der hofft, zahlreiche Touristen mit dem Angebot anzusprechen. „Die Rheinhessen haben sofort das Potential hinter dem Weg erkannt“, sagt er. Manch ein Winzer habe noch schnell einen Lutherwein ins Angebot aufgenommen, andere haben ihr Übernachtungsangebot auf die Pilgerer abgestimmt.

Die Faszination „Luther“ und das Interesse, auf seinen Spuren zu wandeln und zu wandern, überraschen Rausch nicht. „Sein Mut ist beispielgebend“, sagt er. Irgendwann, vielleicht schon bald, will auch er den Rucksack packen, die Schuhe schnüren und wieder ein bisschen auf Hape Kerkeling machen. Frei nach dem Motto: „Ich bin dann mal weg.“

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