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Hessische Polizei : Jeder Sechste fällt durch Sprachtest

  • -Aktualisiert am

Die Sprache als Hürde: Auch wenn die Leistungen der Bewerber in den vergangenen vier Jahren „nicht spürbar schlechter“ geworden sind, fallen doch 17 Prozent durch den Sprachtest der Eignungsprüfung. Bild: dpa

Nie hatte die hessische Polizei mehr Bewerber. Doch beim Eignungstest zeigt sich: Viele beherrschen die Rechtschreibung nicht. Die Hessische Akademie aber hält an „hohem Niveau“ fest.

          Erst vor einigen Tagen hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter Alarm geschlagen: Das Bundeskriminalamt, so die Polizistenvereinigung, könne viele Stellen nicht mehr besetzen, weil die Bewerber durch den Deutschtest fielen. In der hessischen Polizei kann man über zu wenig Nachwuchs zwar nicht klagen, die Zahl der Anwärter ist so hoch wie noch nie. Allerdings zeigt sich auch dort, dass viele Bewerber die Rechtschreibung nicht mehr beherrschen.

          Nach Angaben der Hessischen Polizeiakademie, die von Wiesbaden aus für die Auswahl der Bewerber im gesamten Bundesland zuständig ist, fällt inzwischen etwa jeder sechste Kandidat durch den Einstellungstest - die Akademie spricht von 17 Prozent. Und zwar nur aufgrund sprachlicher Defizite. Begriffe würden falsch geschrieben, Kommata an den falschen Stellen gesetzt, von Groß- und Kleinschreibung ganz zu schweigen.

          60 Prozent hessische Bewerber

          Dabei wird den Bewerbern längst kein vollständiges Diktat mehr abverlangt, wie es vor einigen Jahren noch der Fall war, sondern nur ein Lückentext. Über Kopfhörer werden den Bewerbern Sätze vorgelesen, die mehrere Leerstellen beinhalten, die dann ergänzt werden sollen. 60 Begriffe sind es im gesamten Text. Offensichtlich tun sich viele Bewerber damit schwer. Dabei handelt es sich nicht einmal um besonders schwierige Wörter. Die Bewerber müssen etwa zwischen „das“ und „dass“ unterscheiden oder die richtige Schreibweise von „Karussell“ bis „Dreißigjähriger Krieg“ beherrschen.

          Wie Andreas Kaltz, der Sprecher der Hessischen Polizeiakademie, sagt, sind die Leistungen im Sprachtest zumindest in den vergangenen vier Jahren „nicht spürbar schlechter“ geworden. Seit 2012 pendele die Durchfallquote um die 17 Prozent herum. Über länger zurückliegende Zeiträume macht die Polizeiakademie keine Angaben. Die Leistungsfähigkeit der Bewerber könne „systembedingt nur für die vergangenen vier Jahre ausgewertet werden“, heißt es. Dabei wären gerade die weiter zurückliegenden Jahre interessant, um die Leistungen entsprechend vergleichen zu können. Den Test in dieser Form gibt es laut Akademie seit zehn Jahren. Der Anteil der hessischen Bewerber beträgt rund 60 Prozent.

          Auf Wunsch spezielle „Übungspakete“

          Eine Änderung der Anforderungen, etwa die Einführung eines vereinfachten Sprachtests, wie sie offenbar das Bundeskriminalamt erwägt, schließt die Hessische Polizeiakademie aus. Es seien „keine Änderungen vorgenommen worden, noch sind diese beabsichtigt“, so Kaltz. Das Niveau des Auswahlverfahrens sei sehr hoch: So sei der Sprachtest „bestehensrelevant“, darüber hinaus umfasse die insgesamt etwa dreistündige Eignungsprüfung am Computer, die neben dem Sporttest unter Anwärtern gefürchtet ist, einen Konzentrations- und Intelligenztest. Unter anderem müssten Rechen- und Logikaufgaben gelöst werden.

          Schon seit Jahren hat sich rund um die Einstellungstests geradezu eine Dienstleistungsbranche entwickelt, die Übungsaufgaben bereitstellt, um angehende Polizisten vorzubereiten. Von Bewerbern aus Hessen würden als Material außer Konzentrationsübungen vor allem Lückentexte angefordert, sagt Philipp Silbernagel, der als Unternehmer mit Sitz in München und Oberursel spezielle „Übungspakete“ für Polizei und Bundeswehr auf Wunsch zusammenstellt. „Der Bedarf ist hoch.“

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