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Festival in Wollmerschied : Tropen-Tango unter Auflagen

Waldbrandgefahr: Ein Feuer- und Grillverbot soll Brände verhindern (Symbolbild). Bild: dpa

Das Tropen-Tango-Festival im Lorcher Stadtteil Wollmerschied findet statt. Die Stadt Lorch reagiert zerknirscht.

          2 Min.

          Das im Lorcher Stadtteil Wollmerschied für dieses Wochenende geplante Tropen-Tango-Festival kann doch stattfinden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat gestern der Beschwerde der Veranstalter gegen die Untersagung der Konzert- und Musikveranstaltung durch die Stadt Lorch stattgegeben und auch die anderslautende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden aufgehoben.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Der achte Senat des Verwaltungsgerichtshofs kommt zum Ergebnis, dass ein Veranstaltungsverbot rechtswidrig wäre. Die Kasseler Richter sehen keine konkrete, sondern nur eine abstrakte Gefahr, die von dem Festival ausgehe. Dies rechtfertige nicht die Absage der Veranstaltung, zu der bis zu 3500 Besucher erwartet werden. Aus der hohen Wald- und Flächenbrandgefahr könne nicht der Schluss gezogen werden, dass von größeren Freiluftveranstaltungen generell eine konkrete Brandgefahr ausgehe. Die Veranstalter hätten das Feuerrisiko unter anderem durch ein Rauch- und Grillverbot, einen Vorrat von 128.000 Liter Wasser auf dem Gelände und 136 bereitliegenden Feuerlöschern gesenkt. Der Senat hat aber auch weitere Sicherheitsauflagen gemacht und dem Veranstalter aufgegeben, bei Verstößen gegen das Rauch-, Grill- und Feuerverbot Platzverweise auszusprechen.

          Streit um Brandrisiko

          Die Stadtverwaltung hatte am Mittwoch das Verbot unter Hinweis auf trockene Wälder und Wiesen in der Nähe des Campingplatzes und das damit verbundene Brandrisiko begründet. Das Risiko sei groß, eine Entspannung nicht in Sicht. Zudem habe das Umweltministerium die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen und vor der Waldbrandgefahr gewarnt.

          Der veranstaltende Verein „Kloster9“ hielt diese Sorge für unberechtigt und sein Sicherheitskonzept für ausreichend, weil Löschwasser, Löschsand und Feuerlöscher zur Verfügung stünden und ein Feuer- und Grillverbot ausgesprochen worden sei. Zudem sei das Veranstaltungsgelände verkleinert worden, die Wiesen würden gewässert. Jeder Besucher war aufgefordert worden, fünf gefüllte Wasserbomben mitzubringen „und auf seinen Parkplatz zu schmeißen“. Die Untersagung sei unverhältnismäßig, weil der finanzielle Schaden und der Imageverlust zum dauerhaften Ende des Festivals führen könne.

          Stadt entschuldigt sich

          Vor dem Verwaltungsgericht zogen diese Argumente nicht. Es hielt die Untersagungsverfügung für verhältnismäßig und die Vorkehrungen der Veranstalter für unzureichend. Weil der Schutz des Lebens und der Gesundheit überragende Bedeutung habe, seien ein Imageschaden und eine Existenzgefährdung des Antragstellers hinzunehmen, hieß es.

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