https://www.faz.net/-gzg-9wqzw

Zugverbindung nach Königstein : Verspätet, überfüllt und heiß

Im Normalbetrieb: Mittags steigen weniger Menschen am Bahnhof in Kelkheim in die Züge und aus ihnen aus. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Mit den Zügen der Linie 12 von Höchst über Kelkheim nach Königstein sind die Fahrgäste unzufrieden. Ihren Unmut bekommt der RMV im Kelkheimer Rathaus zu spüren.

          2 Min.

          Höhnisches Gelächter kommt schon in den ersten Minuten des Abends. Über die Unpünktlichkeit der Königsteiner Bahn ärgern sich Fahrgäste ebenso wie darüber, dass Züge überfüllt sind oder ganz ausfallen. Ihre Unzufriedenheit hat Königsteiner, Kelkheimer und Liederbacher zur Informationsveranstaltung über die Regionalbahnlinie 12 ins Kelkheimer Rathaus getrieben. Das ist schon zu Beginn der Informationsveranstaltung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds klar. Die Züge fahren vom Frankfurter Hauptbahnhof über Höchst, Liederbach und Kelkheim nach Königstein.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu Beginn hat Heike Vieth das Wort, Bereichsleiterin für Qualitätsmanagement des Verkehrsverbunds. Sie referiert Zahlen zur Pünktlichkeit der Züge. Die Grafik, die dazu an die Wand geworfen wird, ist für Laien nur ein Wirrwarr aus Balken, Linien und Zahlen in verschiedenen Farben. Die Managerin spricht von einer Vorgabe, nach der die Züge nicht mehr als fünf Minuten und 59 Sekunden Verspätung haben dürften. In den vergangenen zwölf Monaten hätten die Züge in vier Monaten den Akzeptanzwert nicht erreicht. Unpünktlich waren die Bahnen am häufigsten in den Monaten Mai, Juni, Juli und Oktober. Damit sei die Pünktlichkeit „sehr gut“, sagt die RMV-Angestellte. Viele im Publikum lachen.

          Personalmangel als Grund für Zugausfälle

          Häufig sind die Züge jedoch gar nicht gefahren. Allein im August seien 200 Verbindungen ausgefallen, gibt die Vertreterin des Verkehrsverbunds zu. Damit seien mehr als 2000 im Fahrplan vorgesehene Zugkilometer nicht geleistet worden. Das wird mit Personalmangel erklärt. Weiter berichtet Vieth von einer Qualitätskontrolle an einem einzigen Tag, dem 5. Februar. Ein Mitarbeiter habe am Bahnhof Höchst in die Züge gesehen, um herauszufinden, ob diese überfüllt oder ob Plätze frei seien. Als Ergebnis präsentiert die RMV-Managerin die Beobachtung, in manchen Zügen habe es noch freie Sitzplätze gegeben. In der ersten Wortmeldung aus dem Publikum wird das „Schönfärberei“ genannt.

          Auch der Kelkheimer Bürgermeister Albrecht Kündiger von der Unabhängigen Kelkheimer Wählerinitiative (UKW) hört von Fahrgästen viel Kritisches über die Lage auf der Linie 12, wie er berichtet. Die Schilderungen der Fahrgäste sagten etwas anderes als die vom Verkehrsverbund präsentierten Statistiken. In vielen Wortmeldungen machen anwesende Fahrgäste ihrem Ärger Luft. Die Züge seien so voll, dass man froh sein müsse, überhaupt hineinzukommen, sagt zum Beispiel ein Liederbacher.

          Warten auf die Neuerungen

          Der Takt von 30 Minuten reicht vielen nicht aus. Dagegen sagt eine Schülerin, die jeden Tag von Kelkheim nach Oberursel fährt, sie wäre schon froh, wenn es wenigstens mit dem Halbstundentakt klappen würde. Eine Frau berichtet, sie sei in dieser Woche sechsmal mit der Linie 12 gefahren, viermal sei der Zug zu spät gekommen. Zufrieden mit dem Angebot auf der Linie 12 äußert sich an diesem Abend niemand.

          Beschwerden kommen auch über die alten Waggons, in denen es im Sommer ohne Klimaanlage sehr heiß werde. Viele der Züge seien mehr als 15 Jahre alt, gibt Peter Runge zu, Prokurist der Hessischen Landesbahn, die den Verkehr auf der Linie 12 abwickelt. Runge sagt, der Personalmangel, der im vergangenen Sommer zu Zugausfällen geführt habe, sei behoben worden, indem die Hessische Landesbahn neue Mitarbeiter ausgebildet habe. Die Pünktlichkeit auf der Linie 12 sei „nicht signifikant schlechter“ als auf anderen Strecken. Kai Daubertshäuser, Geschäftsbereichsleiter beim Rhein-Main-Verkehrsverbund, versucht, die Verspätung der Züge mit der Vielzahl der Züge am Frankfurter Hauptbahnhof zu erklären: „Der Regionalverkehr behindert sich gegenseitig.“

          Der Manager des Verkehrsverbunds verspricht Verbesserungen mit neuen Zügen, die mit Wasserstoff angetrieben werden, also emissionsfrei vorankommen. Darauf müssten die Fahrgäste allerdings noch bis zum Jahr 2022 warten, wie Daubertshäuser sagt. Ein Fahrgast rechnet empört vor: Das seien noch drei Sommer in überhitzten alten Schienenfahrzeugen.

          Weitere Themen

          Mit Ton gegen das Trauma

          Frankfurter Töpferin : Mit Ton gegen das Trauma

          Töpfern hat Viola Beuscher nie interessiert. Bis ein Unfall sie aus ihrem bisherigen Leben riss. Die Ablenkung wurde zur Leidenschaft – heute sorgen ihre Keramiken für Furore.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.