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Verschuldung : OFC-Krise - Kalt schlägt zurück

  • -Aktualisiert am

Unter Druck: Kalt kommt sich vor, als könne er nicht mehr durch Offenbach gehen. Bild: Wonge Bergmann

„Ich lasse mich nicht länger vorführen“, sagt der einst starke Mann am Bieberer Berg. Dass er für die exorbitante Verschuldung der Kickers verantwortlich ist, bestreitet er massiv.

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          Thomas Kalt war im übertragenen Sinne ein geduldiger Tennisspieler. Den „ersten öffentlichen Aufschlag“ hätten die Offenbacher Kickers, sagte der ehemalige OFC-Geschäftsführer im Februar und hielt sich danach bedeckt. Es war dann ein Donnerschlag, der die Anhänger des Fußball-Drittligavereins traf, als die Offenbacher am vergangenen Freitag Verbindlichkeiten in Höhe von mindestens 9,1 Millionen Euro zum 31. Dezember 2012 bekanntgaben. Von dem Verlust in Höhe von 4,5 Millionen Euro im zweiten Halbjahr 2012 stamme mit 4,1 Millionen Euro der Großteil aber aus Aufwendungen, „deren Ursachen in vorherigen Zeiträumen liegen“, hieß es in der Mitteilung. Gemeint war die Zeit, in der Thomas Kalt und Jörg Hambückers noch die Geschäftsführung ausübten. Von Ungereimtheiten bei der Buchhaltung ist seither die Rede. Im September 2012 hatte Hambückers von „nur“ rund 4,7 Millionen Euro Verbindlichkeiten berichtet.

          Am Dienstag schlug Kalt nun zurück, wie er es ausdrückte: Mit seiner Bewertung der Vorgänge - im Rahmen eines Pressegesprächs in einem Hotel in Hanau-Steinheim in Anwesenheit von Hambückers und dem Frankfurter Rechtsanwalt Horst Kletke. „Es ist ein Wahnsinn, was da stattfindet.“ Kalt sprach von „öffentlicher Hinrichtung und Vorführung“. Und weiter: „Wir haben unsere Vorgänger nicht so diffamiert, dass sie die Stadt nicht mehr betreten können.“ Zwölf Jahre bekleidete der Unternehmer wichtige Positionen bei den Kickers, er war der Macher und starke Mann auf dem Bieberer Berg, bis er im Juli des Vorjahres zurücktrat. Auch aufgrund seiner Verbundenheit zum Klub hätte er erwartet, an der Klärung des Sachverhalts mitarbeiten zu können.

          91, Millionen Euro Verbindlichkeiten

          „Vorwürfe stehen mittelbar im Raum.“ So formulierte es Kletke zum neu ermittelten Schuldenstand. Kalt sagte: „Wenn alle ein Interesse gehabt hätten, eine gemeinsame Aufarbeitung vorzunehmen, würde der OFC mit dieser Zahl an Verbindlichkeiten in Deutschland nicht in Verbindung gebracht werden.“ Er frage sich, warum man nicht versucht habe, „für den OFC die bestmögliche Lösung zu finden“. Man könne den Eindruck gewinnen, „dass man nicht interessiert ist, ein besseres Ergebnis für den OFC zu erzielen“. Momentan kennt Kalt nur einen Teil der Unterlagen, die „nicht vollständigen Informationen“ (Kletke) erhielt er über Dritte. „Das Kopfschütteln war groß, als ich die Liste gesehen habe. Die Dinge waren so leicht aufzulösen im Sinne der OFC Profi-GmbH.“ Obwohl es Kalt reizen würde, geht er nicht ins Detail. „Das, was noch zu diskutieren ist, muss intern diskutiert werden“, sagte Kletke.

          9,1 Millionen Euro Verbindlichkeiten - „es wäre keine andere Zahl herausgekommen“, sagte Vereinspräsident Frank Ruhl hingegen am Dienstag. „Wir haben nicht im Sandkasten gespielt. Wir werden den Teufel tun, irgendwelche Phantasiezahlen abzugeben.“ Auf Auftrag des OFC hatten sich Wirtschaftsprüfer der Unterlagen auf der Geschäftsstelle angenommen. Am vergangenen Freitag reichten die Offenbacher dann die Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein. Dazu gehörte ein von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testierter Zwischenabschluss zum 31. Dezember 2012. Mit Spannung wird jetzt erwartet, ob die Kickers die Lizenz für die kommende Drittliga-Saison erhalten. „Wenn das schiefgeht, soll keiner kommen und sagen, das liegt an den Vorgängern. Es gibt keinen Kläger gegen den OFC - außer jetzt vielleicht Kickers Offenbach.“ Kalt sagte, dass in den vergangenen Jahren keiner Anstoß an den Zahlen der Kickers genommen habe - die auch von renommierten Wirtschaftsprüfern testiert worden seien. „Dieses Trara hat es in den zurückliegenden Jahren nie gegeben“, sagte Kalt, der außerdem Vorwürfe der Mauschelei und Heuchelei abstritt. „Die Sache ist komplett aus dem Ruder gelaufen.“ Mit einer „deutlich sechsstelligen Summe“ ist er Gläubiger. „Ich mache keinen übertriebenen Druck. Aber ich lasse mich nicht mehr länger vorführen.“

          Anders als Kalt spricht Ruhl von einem Angebot zur Mitarbeit. Ein vereinbartes Treffen sei dann aber kurzfristig abgesagt worden. Weil es keinen Sinn gemacht hätte, sagt Kletke. Aufgrund fehlenden Einblicks in die Unterlagen habe man sich nicht vorbereiten können. Eine Herausgabe der Unterlagen wird es wohl nicht geben. „Dazu ist die Geschäftsführung nicht befugt“, sagt Ruhl. „Herr Kalt ist heute Geschäftsführer von Rot-Weiß Erfurt - eines konkurrierenden Klubs.“ Als Grund seines Rücktritts nannte Kalt am Dienstag, dass Ruhl „so viel Druck ausgeübt“ habe, den früheren Präsidenten Dieter Müller „aus dem Amt zu entfernen. Es ist ein skandalöses Verhalten, wie mit den Leuten umgegangen wird.“ Dazu erwiderte Ruhl: „Es ist doch absurd. Herr Kalt schafft sich seine eigene Realität.“ Freunde werden beide wohl nicht mehr. Das Hauen und Stechen könnte am Dienstag erst angefangen haben.

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